Washington  In den US-Kongress geschwindelt: Die fünf absurdesten Lügen von George Santos

Patrick Kern
|
Von Patrick Kern
| 23.01.2023 18:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele US-Politiker fordern wegen der vielen Lügen seinen Rücktritt: Republikaner George Santos. Foto: imago images/USA TODAY Network
Viele US-Politiker fordern wegen der vielen Lügen seinen Rücktritt: Republikaner George Santos. Foto: imago images/USA TODAY Network
Artikel teilen:

Der US-amerikanische Politiker George Santos dreht und wendet seinen Lebenslauf, wie er ihn gerade braucht. Trotzdem sitzt der Republikaner seit November 2022 im Kongress. Eine Übersicht seiner größten Lügen.

Eigentlich ist George Santos nur einer von 435 Abgeordneten im US-Kongress. Doch der 34-jährige Republikaner sticht aus dieser Menge heraus. Denn seit seinem Wahlsieg im dritten Kongresswahlbezirk des Bundesstaats New York, der ihm im vergangenen November den Platz im Repräsentantenhaus sicherte, holt ihn seine Vergangenheit ein. Eine Vergangenheit, die von Betrug und Lügen gezeichnet ist.

Im Wahlkampf präsentierte er sich als junger, charismatischer Mann mit brasilianischen Wurzeln, der nach eigener Aussage in Armut aufgewachsen sei, aber es trotzdem zum Vorzeige-Studenten und später zum erfolgreichen Geschäftsmann geschafft habe. Auch seine offene Homosexualität wird als Novum unter den sonst so konservativen Republikanern gesehen. Nun aber die Ernüchterung: Vieles davon hat sich Santos einfach nur ausgedacht. Hier die fünf absurdesten Lügen in seiner Vita:

Dem Portal „The Daily Beast“ zufolge lud Santos im Jahr 2014 über Facebook zu seiner Verlobungsfeier mit seinem damaligen Freund Pedro Vilvarva ein. Was er damals der Öffentlichkeit und seinen Freunden verheimlichte: Er war zu besagtem Zeitpunkt noch mit einer Frau verheiratet, von der er sich erst 2019 trennte. Und nicht nur das: Auch wusste sein vermeintlicher Verlobter nichts über den eigenen Schritt in Richtung Ehe, denn er habe alle Anträge – es waren drei – abgelehnt.

Santos gab an, dass er Diplome an der New York University und am Baruch College von New York erlangte und später sogar an der Wall Street für die Investment-Banken Citigroup und Goldman Sachs arbeitete. Doch das stimmt nicht. Im Interview mit der „New York Post“ gab er zu, den Lebenslauf aufgehübscht zu haben. Demnach habe er nie in irgendeiner Weise studiert. Auch habe er nicht direkt mit den Investment-Banken zusammengearbeitet; stattdessen sei er im Unternehmen Link Bridge tätig gewesen, das wiederum Geschäfte mit Citigroup und Goldman Sachs machte.

Der Republikaner machte einst die Angabe, dass er Jude sei und seine Großeltern mütterlicherseits dem Holocaust entkommen seien. Doch das Magazin „The Forward“ fand heraus, dass auch das erfunden war. Seine Großeltern seien demnach in Brasilien geboren. Santos gab kürzlich der „New York Post“ gegenüber zu, dass er Katholik sei, anders als im Wahlkampf behauptet.

Der 34-Jährige schrieb auf Twitter, dass seine Mutter bei den terroristischen Anschlägen auf das World Trade Center im Jahr 2001 ums Leben kam. Zu einem späteren Zeitpunkt sagte er, dass seine Mutter am 23. Dezember 2016 starb. Beide Tweets sind noch auf seinem Account zu finden. Eine Untersuchung ihrer Mitarbeiter- und Einreiseakten ergab, dass sie nie in der Nähe des World Trade Centers arbeitete und am 11. September 2001 nicht mal in den USA war, so die „Washington Post“.

Unter dem Namen Anthony Devolder – dies sind sein zweiter und dritter Vorname – soll er einst die Tierrettungs-Organisation „Friends of Pets United“ gegründet haben. In einem „Patch“-Bericht wirft ihm nun ein US-Navy-Veteran vor, dass Santos ihn um rund 3000 US-Dollar betrogen haben soll. Diesen Betrag habe er demnach für die Tumor-Operation seines Hundes angespart, bei Santos‘ Organisation wurde ihm Hilfe für seinen Hund versprochen. Doch diese Operation kam nie zustande – und der Hund starb ein Jahr später. Santos weist diese Vorwürfe weiterhin zurück.

Noch wurde nicht geklärt, ob in diesem Fall tatsächlich ein Betrug vorliegt. Allerdings soll Santos schon zuvor betrügerisch gehandelt haben, wie unter anderem die „New York Times“ berichtet. So wurde er im Jahr 2008 in Brasilien wegen eines gestohlenen Scheckbuchs vorgeladen. Damals gab er zu, mit diesem Käufe getätigt zu haben, doch kurz vor dem Urteil verließ er das Land, der Fall wurde zunächst auf Eis gelegt. Nun soll der Fall wieder aufgerollt werden, inzwischen bestreitet er jedoch jegliche kriminelle Aktivitäten.

Ähnliche Artikel