Hamburg  Schluss mit Tesla: Warum Deutschlands Rekordfahrer umsteigen will

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 23.01.2023 15:27 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Hansjörg-Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg knackte 2019 die Schallmauer von einer Million Kilometer in seinem Model S. Mittlerweile hat er rund 1,7 Millionen Kilometer geschafft. Foto: dpa/Marijan Murat
Hansjörg-Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg knackte 2019 die Schallmauer von einer Million Kilometer in seinem Model S. Mittlerweile hat er rund 1,7 Millionen Kilometer geschafft. Foto: dpa/Marijan Murat
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Rund 1,7 Millionen Kilometer hat Hansjörg-Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg in seinem Tesla Model S zurückgelegt. Das nächste Auto wird kein Tesla werden – auch, weil Elon Musk zu spät gratulierte.

Hansjörg-Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg fährt seit bald neun Jahren sein Tesla Model S und kann beeindruckende Zahlen vorweisen:

Doch für von Gemmingen-Hornberg steht bereits fest, dass er sich „kein weiteres Tesla-Fahrzeug kaufen“ werde. Das sagte er im Interview mit dem „Spiegel“.

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Ein Grund sei die Konkurrenz, die vor allem bei Ladezeiten und Langlebigkeit vorangekommen sei. Tesla müsse sich Mühe geben, um mit der Spitze mithalten zu können, so der Karlshuher. Mittlweile arbeitet der 13. Motor unter der Haube des Model S. Zwar habe Tesla alle defekten Motoren kostenfrei getauscht, doch welche Probleme die Motoren dieses Modells hatten und haben, hätte Tesla nie mitgeteilt, bemängelt der Vielfahrer. Stattdessen habe das Unternehmen ihn bei Nachfragen mehrfach ignoriert.

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Als weiteren Grund nennt von Gemmingen-Hornberg Tesla-Chef Elon Musk: „Ich bin auch persönlich von Elon Musk enttäuscht. Er hat mir nie richtig zu den Rekorden gratuliert“, sagt der Karlsuher. Musk habe erst mit elf Monaten Verspätung reagiert, als der damals 56-jährige Baden-Würtemberger die Schallmauer von einer Million Kilometer durchbrach – natürlich via Twitter. Dankbarkeit kenne Elon Musk nicht, meint von Gemmingen-Hornberg.

Außerdem wirft der ehemalige Landwirt mit adeligen Wurzeln Elon Musk vor, den Umweltaspekt des Autobauers vorgeschoben zu haben. In Wahrheit gehe es nur daum, mehr Geld zu verdienen.

Das Verhalten des Milliardärs seit der chaotischen Twitter-Übernahme – samt Massenentlassungen, willkürlichen Konto-Sperrungen und immer deutlicheren Botschaften vom rechten Rand der US-Republikaner – sei dagegen kein ausschlaggebender Grund für den anstehenden Markenwechsel.

Zwar werde die Liebe zum Unternehmen dadurch für viele auf die Probe gestellt, doch letztlich gehe es um die Autos und das Konzept, nicht um die Manager: „Trotz Abgasskandal kaufen die Leute munter weiter Autos der Hersteller, die betrogen haben“, sagt von Gemmingen-Hornberg.

Das aktuelle Ziel des Vielfahrers lautet, mit seinem Tesla Model S die Zwei-Millionen-Kilometer-Grenze zu schaffen. Und dann? Ursprünglich habe er fest geplant, sich den 2017 angekündigten Tesla Roadster zu kaufen, der nach mehreren Verzögerungen möglicherweise in diesem Jahr auf den Markt kommen könnte. Dabei handelt es sich um einen Sportwagen, der in 2,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen, mehr als 400 km/h schnell fahren und eine Reichweite von mehr als 1000 Kilometern haben soll.

Diesen Clip des Roadster Video stellte Tesla von fünf Jahren bei Youtube ein – erschienen ist das Auto noch nicht:

Stattdessen interessiert sich von Gemmingen-Hornberg für Konkurrenzmodelle wie den Porsche Taycan oder den Mercedes EQS. Auch die ID-Modelle von VW und die Fahrzeuge chinesischer Hersteller lobt der Tesla-Kenner.

Hansjörg-Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg fährt seit August 2014 ein Tesla Model S. Bekommen hat er das Auto als Vorführwagen mit etwa 30.000 Kilometern Laufleistung. Der E-Auto-Fan hatte sich damals das Ziel gesetzt, als erster Mensch auf der Welt eine Million Kilometer mit ein und demselben E-Auto zu fahren. Das hat er längst geschafft.

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