Geplante Lauterbach-Entführung Terror-Anklage gegen Mann aus dem Ammerland
Ein Mann aus Bad Zwischenahn soll als Mitglied einer mutmaßlichen Terrorgruppe die Entführung von Gesundheitsminister Karl Lauterbach und den Umsturz in Deutschland mitgeplant haben. Nun geht es bald vor Gericht.
Karlsruhe - Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen eine mutmaßliche Terrorgruppe erhoben, die den Sturz der Bundesregierung und die Entführung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplant haben soll. Der fünfköpfigen Gruppe gehört auch ein Mann aus Bad Zwischenahn an. Der Prozess gegen die vier Männer und eine Frau, die seit dem vergangenen Jahr in Untersuchungshaft sitzen, soll am Oberlandesgericht Koblenz stattfinden, wie die Bundesanwaltschaft am Montag mitteilte. Dem Ammerländer werde hierbei zur Last gelegt, einer der Rädelsführer gewesen zu sein.
Die Angeklagten hätten sich spätestens vor rund einem Jahr zusammengeschlossen – laut Bundesanwaltschaft mit dem Ziel, „mittels Gewalt sowie zumindest unter Inkaufnahme von Todesopfern in Deutschland bürgerkriegsähnliche Zustände auszulösen und damit den Sturz der Bundesregierung und der parlamentarischen Demokratie herbeizuführen“. Prägend sei hierbei die Ideologie der angeklagten Frau gewesen, in der die staatliche Grundordnung der Bundesrepublik für ungültig erklärt worden sei. Stattdessen hätten die Angeklagten ein autoritär geprägtes System nach dem Vorbild des Deutschen Kaiserreichs etablieren wollen.
Welche Rolle sollte Ammerländer bei geplantem Umsturz spielen?
Die mutmaßliche Terrorgruppe soll sich laut Bundesanwaltschaft in zwei Bereiche – einen „militärischen Zweig“ und einen „administrativen Zweig“ – aufgeteilt haben, wobei die Ermittler den Zwischenahner dem Letzteren zuordnen. Besprochen hätten die Angeklagten ihr Vorgehen bei vier Treffen, einem davon in Niedersachsen. Zunächst hätten die Angeklagten geplant, wichtige Einrichtungen der Stromversorgung anzugreifen und dadurch längere bundesweite Stromausfälle zu verursachen. Eine anschließende Entführung von Gesundheitsminister Lauterbach hätte dann zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen führen sollen, die es der Gruppe nach eigenen Vorstellungen ermöglicht hätte, die Bundesregierung abzusetzen. In einer neuen Führungsriege hätte auch der angeklagte Ammerländer nach den Plänen der Gruppe eine wichtige Funktion einnehmen sollen.
Konkret sei es die Aufgabe des Mannes aus Bad Zwischenahn gewesen, eine Aktion zu inszenieren, bei der ein Schauspieler den Bundespräsidenten oder Bundeskanzler in einer Live-Fernsehsendung habe imitieren sollen, um darüber zu informieren, dass die Regierung abgesetzt worden sei und fortan die Verfassung von 1871 gelte, teilte die Bundesanwaltschaft mit.
Die vier Männer aus der Gruppe waren am 13. April 2022 an verschiedenen Orten in Deutschland festgenommen worden. Vorausgegangen war ein Treffen eines der Männer mit einem verdeckten Ermittler zu einem Waffengeschäft. Bei bundesweiten Durchsuchungen waren damals etliche Schusswaffen und Munition, Bargeld, Goldbarren, Silbermünzen und Devisen sichergestellt worden. Wenig später hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Mitte Oktober hatte sie außerdem die angeklagte Frau – eine pensionierte Lehrerin – in Sachsen festnehmen lassen.
Mit Material von DPA