Hamburg  „Letzte Generation“: Wie transparent sind die Finanzen?

Marie Busse
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Von Marie Busse
| 22.01.2023 14:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die „Letzte Generation“ macht immer wieder mit Blockaden auf sich aufmerksam. Foto: imago images/Wolfgang Maria Weber
Die „Letzte Generation“ macht immer wieder mit Blockaden auf sich aufmerksam. Foto: imago images/Wolfgang Maria Weber
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Die „Letzte Generation” sammelt ihre Spenden über die Plattform „elinor” ein. Andere Gruppen wie „Extinction Rebellion” und „Animal Rebellion” ebenfalls. Wie funktioniert das und wer steckt dahinter?

Spendern der „Letzten Generation” wird es leicht gemacht: Ein oranger Button auf der Homepage der „Letzten Generation“ führt direkt zur Überweisung. Nutzer wählen den Betrag und klicken an, ob sie einmalig oder regelmäßig spenden wollen. Zahlen können sie per Lastschrift oder manueller Überweisung und zwar auf das Konto von „elinor Treuhand e.V.”

„Elinor Treuhand e.V.” ist ein nicht gemeinnütziger Verein, der Gruppenkonten zur Verfügung stellt. In einem freundlichen Erklärvideo auf der Homepage des Vereins wird erklärt, wie das geht: Das Gruppenkonto bei „elinor” sei ein digitaler Sammeltopf für Initiativen, Aktionen oder Klassen. Was früher die Mannschaftskasse war, soll heute „elinor” sein. Alle Mitglieder der Gruppe können auf das Konto zugreifen und darüber abstimmen, was mit dem Geld passiert. Bei dieser Organisationsform werden Nutzer der Plattform Mitglieder von „elinor e.V.”, der das Geld für die Mitglieder bei der GLS Bank verwahrt.

Mehr als 1000 Konten wurden nach eigenen Angaben bei „elinor” bereits eröffnet. Aktuell verwaltet der Verein mehr als zwei Millionen Euro. Dazu zählen auch Konten der „Letzten Generation”, „Extinction Rebellion” und „Animal Rebellion”.

Die „Letzte Generation” gibt an, im Jahr 2022 fast eine Million Euro an Spenden eingenommen zu haben.

Wie viel Geld über die Plattform „elinor” abgewickelt wurde, ist nicht bekannt. An dieser Stelle deutet sich ein Problem der Organisationsform an: Intransparenz. Die Mitglieder eines Gruppenkontos können zwar untereinander die Geldflüsse abstimmen, sind aber in der Regel niemandem rechenschaftspflichtig. Und weil die genannten Gruppen nicht als Verein organisiert sind, schaut auch das Finanzamt nicht drauf, solange keine Einzelperson innerhalb von zehn Jahren mehr als 20.000 Euro einzahlt.

Für Spender ist also nicht nachvollziehbar, wofür ihr Geld verwendet wird. Sie müssen darauf vertrauen, dass es im Sinne des Spendenzwecks verwendet wird.

Wie der Kontakt zu den Klimaaktivisten zustande gekommen ist, verrät „elinor”-Gründer Lukas Kunert auf Nachfrage nicht. Nur so viel: „Elinor steht dem Engagement solcher Gruppen aufgeschlossen gegenüber, solange sie gewaltfrei agieren. Der zivile Ungehorsam ist jedoch nicht der Weg von elinor.” Die GLS Bank als Partner von „elinor” hat ebenfalls Verständnis für die Aktivitäten der „Letzten Generation. Als Bank konzentriere man sich allerdings auf Unternehmensfinanzierungen, die Teil einer zukunftsfähigen Wirtschaft seien.

An gesellschaftlicher Veränderung will „elinor” durchaus mitwirken. „Unser Ansatz für Veränderung liegt darin, dass wir Beteiligung und Teilhabe durch den Abbau von Hemmschwellen im Umgang mit Geld ermöglichen”, sagt Kunert.

Dass die Veränderung offenbar im anthroposophischen Milieu verwurzelt ist, darüber redet Kunert nicht, zumindest nicht mit unserer Redaktion. Allerdings sprach er auf der Jahrestagung des Goetheanum in der Vortragsreihe „Wirtschaft und Gesellschaft erneuern: Rudolf Steiner und Ökonomie” über sein Unternehmen. Rudolf Steiner ist der Gründer der Waldorfschulen und Begründer der Anthroposophie, einer spirituellen Weltanschauung.

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Kunert scheint auch darüber hinaus bestens vernetzt zu sein: So ist er etwa Teil des „Neopolis Network” - einem Zusammenschluss von jungen Unternehmern, die für Wirtschaft anders und nachhaltiger denken wollen. Bundesweit wurde er bekannt für die Online-Bettenbörse „Unterkunft Ukraine”, auf der Unterkünfte für Geflüchtete organisiert wurden.

Für Gruppen eine unkomplizierte Finanzplattform bieten, das will „elinor“. Für die „Letzte Generation” ist die Abwicklung über das Gruppenkonto bei „elinor“ ideal. Für Spender, die wissen wollen, was mit ihrem Geld passiert, dagegen nicht. Ein Teil des Geldes geht in jedem Fall an „elinor”. Die Gruppen entscheiden selbst, wie hoch die monatliche Gebühr ist. Laut „elinor” liegt eine faire Einschätzung von drei bis sechs Prozent der monatlichen Einzahlungen. Bei Spenden von mehreren hunderttausend Euro kommt eine erhebliche Summe zusammen. Wie hoch genau die Summe ist, ist nicht bekannt.

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