Post-Vac-Syndrom Impfgeschädigte warten sehnsüchtig auf Hilfe
Bei manchen Menschen löst die Corona-Impfung schwere Nebenwirkungen aus. Ann-Katrin Kruse aus Wiesmoor saß sogar im Rollstuhl. Der Landkreis Aurich will helfen, doch es kommt zu Verzögerungen.
Aurich/Wiesmoor - Am Telefon klingt Ann-Katrin Kruse aus Wiesmoor gesund und voller Tatendrang, doch ihre Leidensgeschichte ist noch nicht zu Ende. Die 32-Jährige leidet unter starken Nebenwirkungen der Corona-Impfung, dem sogenannten Post-Vac-Syndrom. Zwischenzeitlich saß sie sogar im Rollstuhl. Mittlerweile kann Kruse wieder ohne Rollator gehen. Dennoch hat ihr Arzt ihr geraten, die Gehhilfe nicht wegzugeben – für den Fall, dass sich die Symptome wieder verschlimmern. Sie müsse mit ihren Kräften haushalten, sagt Kruse. Vor einigen Tagen habe sie ein Belastungs-EKG nach dreieinhalb Minuten abbrechen müssen, „weil nichts mehr ging“.
An Arbeiten ist noch lange nicht zu denken. „Das wäre mein größter Wunsch“, sagt die 32-Jährige. Sie kämpft mit anderen Betroffenen seit Monaten darum, Gehör für ihr Anliegen zu finden. Kruses Lebensgefährte hatte dem Gesundheitsausschuss des Kreistags im Oktober vergangenen Jahres vom Schicksal seiner Lebensgefährtin berichtet, die damals zu schwach war, selbst zu kommen. Kurz vor Weihnachten tagte der Ausschuss erneut, und diesmal war Kruse dabei. Auch andere Impfgeschädigte und deren Angehörige berichteten von Symptomen des Post-Vac-Syndroms. Dazu gehören Müdigkeit, Erschöpfung, Kurzatmigkeit, Zitteranfälle, Krämpfe, Muskelschwäche, Sehstörungen und Konzentrationsprobleme.
„Das soll Hand und Fuß haben“
Der Landkreis Aurich will nun eine Anlaufstelle für Impfgeschädigte einrichten. Der Gesundheitsausschuss hatte im Dezember beschlossen, zu diesem Zweck eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aller Kreistagsfraktionen zu gründen. Sie soll Vorschläge erarbeiten, wie man dem Post-Vac-Syndrom begegnen kann. Man werde Mitte Januar das erste Mal zusammenkommen, hieß es damals.
Daraus ist nichts geworden. Die Gruppe werde sich erst im Februar treffen, sagte die Ausschuss-Vorsitzende Ingeborg Kleinert (SPD) aus Südbrookmerland im Gespräch mit der Redaktion. „An mir liegt es nicht“, betonte die Sozialdemokratin. „Ich bin wie verrückt da hinterher.“ Doch es seien noch nicht von allen Fraktionen Vertreter benannt worden. Sie würden nun noch einmal daran erinnert. Kleinert bekräftigte das Vorhaben, den Betroffenen zu helfen. „Das soll Hand und Fuß haben.“
„Die politischen Mühlen mahlen langsam“
Ann-Katrin Kruse als Betroffene ist hin- und hergerissen. Einerseits fühlt sie sich mittlerweile ernst genommen und ist froh, dass Bewegung in die Sache kommt. Am vergangenen Donnerstag habe sie vor Erleichterung geweint, weil in den Medien so ausführlich über das Post-Vac-Syndrom berichtet wurde. An diesem Tag hatten Menschen mit Langzeitfolgen nach Corona-Infektion oder -Impfung vor dem Reichstag in Berlin für eine bessere medizinische Versorgung und mehr Forschung demonstriert.
Andererseits hat Kruse den Eindruck, dass das Thema auf die lange Bank geschoben wird. „Gefühlt gibt es einige Kleinigkeiten, die man sofort für uns Betroffene tun könnte“, sagt die 32-Jährige. „Und das wird nicht getan. Die politischen Mühlen mahlen wirklich sehr langsam.“ Es würde schon helfen, wenn die Kreisverwaltung den Ärzten im Landkreis Aurich eine E-Mail schriebe mit der Bitte, die betroffenen Patienten ernst zu nehmen. Dafür brauche man keine Arbeitsgruppe.
„Das zieht sich hin wie Kaugummi“
Auch Detlev Krüger von den Freien Wählern ärgert sich, dass es so lange dauert. „Das zieht sich hin wie Kaugummi“, sagt das Kreistagsmitglied aus Südbrookmerland. Krüger kämpft seit Monaten um mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Es freue ihn, dass nun auch die CDU im Landkreis Leer eine zentrale Anlaufstelle für Geschädigte von Corona-Schutzimpfungen fordert, so Krüger. Er habe, nachdem er davon erfahren habe, sofort den CDU-Politiker Dieter Baumann aus Moormerland angerufen. „Hier muss man wirklich über parteipolitische Grenzen hinweg zusammenarbeiten.“
Der Gesundheitsausschuss des Auricher Kreistags wird sich am 9. Februar erneut mit dem Thema befassen. Zu diesem Termin werden wieder Betroffene und Angehörige erwartet. Auch Ann-Katrin Kruse will dabei sein. Für diesen Tag sammele sie all ihre Kräfte, sagt die 32-Jährige. „Und wenn ich hingetragen werde.“
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