Hamburg Krebsvorsorge: Wann sind welche Untersuchungen sinnvoll und kostenlos?
Unsere Autorin sitzt im Wartezimmer ihrer Arztpraxis und ist überfordert: Sie soll ankreuzen, welche Krebsvorsorgen sie durchführen will. Aber welche braucht sie und was übernimmt wie oft die Krankenkasse? Ein Überblick der wichtigsten Untersuchungen.
Ich habe einen Termin zur jährlichen Krebsvorsorge bei meinem Frauenarzt. Die Dame am Empfang drückt mir ein Papier samt Klemmbrett in die Hand. Ich solle im Wartezimmer ankreuzen, was ich neben dem vaginalen Abstrich (einmal im Jahr gratis) „sonst noch“ haben möchte. Gemeint sind „IGeL“ – individuelle Gesundheitsleistungen, für die ich selbst bezahlen muss.
Die Vorsorgeuntersuchungen sind mit Preisen aufgelistet, wie die Menü-Karte in einem Restaurant. Ein Ultraschall kostet beispielsweise 50 Euro, ein Chlamydien-Test 30 Euro. Bis zum 25. Lebensjahr wird dieser einmal pro Jahr von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Jetzt bin ich zu alt und muss dafür zahlen, wobei ich mich noch genauso infizieren kann wie noch vor einem Jahr. Ich blicke überfordert auf die Liste mit Angeboten und schwanke zwischen „das ist viel Geld“ und „die Gesundheit geht immer vor“.
Ab welchem Alter „lohnt“ es sich, für welche Untersuchung zu bezahlen – und wie häufig muss man sich testen? Generell gilt: Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, sofern die Untersuchung ab einem bestimmten Alter empfohlen wird. Wer auf Nummer sicher gehen will, muss die Kosten für zusätzliche Eigenleistungen selbst übernehmen. Oder bei akuten Beschwerden sowie Vorerkrankungen in der Familie die Kostenübernahme vorher mit seiner Krankenkasse und dem Arzt abklären. Angebote der Krankenkassen sowie die Kosten für Untersuchungen in Arztpraxen können sich deutlich unterscheiden.
Häufigste Sterbefälle aufgrund von Krebserkrankungen in Deutschland nach Lokalisation im Jahr 2020
Damit Sie beim nächsten Mal nicht so überfordert im Wartezimmer sitzen wie ich, folgt hier eine Übersicht, was in der Regel (bei gesetzlichen Krankenkassen) gilt und was es ansonsten kostet:
Frauen und Männer, die das 35. Lebensjahr vollendet haben, haben alle drei Jahre ein Anrecht auf einen allgemeinen Gesundheitsscheck – dazu gehört unter anderem eine klinische Untersuchung, Abhören von Herz und Lunge, Abtasten des Bauchraumes, sowie Blut-Untersuchung. Der Check-up 35 (wird tatsächlich so genannt) dient unter anderem der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenerkrankungen und Diabetes.
Menschen zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr dürfen den Test nur ein einziges Mal in Anspruch nehmen. Ansonsten müssen sie für die jeweiligen Untersuchungen selbst bezahlen, es sei denn, sie sind von Risikofaktoren wie Übergewicht oder Bluthochdruck betroffen. Ein großes Blutbild kostet laut „Fernarzt“ knapp 100 Euro, hinzu kommt die Analyse der Blutzellen mit rund 5,50 Euro sowie Kosten für Blutentnahme und der Versand der Proben.
Ein Tipp: Jede Blutspende wird im Labor kostenlos auf Krankheitserreger wie HIV, Syphilis oder Hepatitis untersucht.
Häufigste Sterbefälle aufgrund von Krebserkrankungen von Männern in Deutschland im Jahr 2020:
Die Früherkennung von Brustkrebs kann mittels Tasten, einer Film-Mammografie oder eines Ultraschalls erfolgen. Laut dem „Bundesministerium für Gesundheit“ (BMG) ist Brustkrebs in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen mit 69.550 Neuerkrankungen im Jahre 2012. „Mit zuletzt rund 71.375 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau“, heißt es auch auf der Seite von „Krebsdaten“, die sich auf Zahlen von 2017/2018 beruft. Demnach betrifft nur etwa ein Prozent aller Neuerkrankungen Männer.
Tasten: Frauen ab 30 Jahren sollten sich einmal jährlich vom Frauenarzt an der Brust abtasten lassen. Die Krankenkasse übernimmt dafür die Kosten. Möchte man sich öfter abtasten lassen, kostet das beim Frauenarzt laut der Informationsseite „IGel-Monitor“ in der Regel 25 bis 60 Euro. Es gibt aber zahlreiche Video-Anleitungen, damit Frauen lernen können, sich selbst abzutasten.
Hier finden Sie eine Anleitung zum Brustabtasten:
Film-Mammografie: Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sollten alle zwei Jahre eine Film-Mammografie durchführen. Dabei wird die Brust mit Röntgenstrahlen beleuchtet. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, auch schon bei Frauen vor dem 50. Geburtstag, wenn Verdacht auf Brustkrebs besteht. Besteht kein Verdacht und Sie wollen schon früher eine Mammografie durchführen, kostet das laut „Praktisch Arzt“ pro Seite zwischen 22,37 Euro bis 41,74 Euro.
Ultraschall: Frauen mit dichtem Brustgewebe oder Frauen zwischen 50 und 69 Jahren sollten alle zwei Jahre einen Ultraschall durchführen, um Veränderungen im Brustgewebe zu untersuchen. Dabei wird die Brust mittels Ultraschall durchleuchtet. Es gibt wohl keine Studien, die Vorteile gegenüber der Mammografie belegen. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur bei einem konkreten Verdacht auf Brustkrebs. Wer gesund ist und sich vorsorglich testen lassen möchte, muss laut „IGel-Monitor“ zwischen 25 und 53 Euro bezahlen. Seit März 2021 wird geprüft, ob die Altersspanne auf Frauen von 45 bis 74 Jahren ausgeweitet werden soll.
Die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs kann mithilfe eines PAP-Tests, aber auch eines HPV-Tests erfolgen. Außerdem lassen sich bei einem Chlamydien-Screening Bakterien nachweisen, die Entzündungen in der Gebärmutter auslösen können. Laut dem „Robert-Koch-Institut“ (RKI) erkranken in Deutschland jedes Jahr ca. 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, jährlich versterben ca. 1.500 Frauen an den Folgen der Erkrankung – die Zahlen stammen aus einer HPV-Prävalenzstudie von 2017 und 2018.
PAP-Test: Frauen zwischen 20 und 34 Jahren sollten einmal jährlich einen PAP-Test durchführen, danach wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung mit dem HPV-Test angeboten – und dementsprechend von der Krankenkasse gezahlt. Bei dem PAP-Test wird ein Abstrich der Schleimhaut am Gebärmutterhals entnommen und auf veränderte Zellen untersucht. Wer den Test als freiwillige Zusatzleistung durchführen möchte, muss laut „IGeL Monitor“ in der Regel zwischen 23 Euro und 53 Euro bezahlen.
HPV-Test: Frauen ab 30 Jahren sollten alle fünf Jahre einen HPV-Test durchführen, ab 35 wird alle drei Jahre eine Kombinationsuntersuchung mit dem PAP-Test angeboten – und dementsprechend von der Krankenkasse gezahlt. Ansonsten ist der HPV-Test eine Eigenleistung und kostet laut der Seite „HPV Aufklräung“ zwischen 50 und 80 Euro. Beim HPV-Test wird ebenfalls ein Abstrich entnommen, allerdings werden die Zellen im Labor und nicht unter dem Mikroskop untersucht.
Chlamydien-Screening: Sexuell aktive Frauen bis 25 Jahren sollten sich einmal jährlich auf Chlamydien testen lassen – bis dahin übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Danach kostet der Test laut „Fernarzt“ 30 bis 100 Euro. Sich auch danach und öfter gegen Chlamydien testen zu lassen, ist trotzdem sinnvoll: Sie sind die häufigsten Erreger sexuell übertragbaren Krankheiten, können zu Entzündungen, Krebs, Unfruchtbarkeit, Früh- oder Fehlgeburten führen. Chlamydien werden in der Regel durch eine Urinprobe, oder auch mithilfe eines Abstriches nachgewiesen. Im ersten bis dritten Schwangerschaftsmonat übernehmen die Krankenkassen den Chlamydien-Test im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung.
Es gibt mittlerweile auch zugelassene/geprüfte Chlamydien-Selbsttests – unter anderem in der Apotheke.
Länder mit den höchsten Prävalenzraten von Krebserkrankungen unter Frauen im Jahr 2020:
Laut Informationen der „Helios Gesundheit“ erhalten rund 15 bis 20 Prozent der Männer im Laufe ihres Lebens die Diagnose Prostatakarzinom, rund drei Prozent sterben daran – es ist demnach die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Wer Vorkehrungen treffen will, kann sich abtasten, ein PSA-Screening oder ein MRT machen lassen
Rektales Abtasten der Prostata: Männer ab 45 Jahren sollten einmal jährlich ihre Prostata von einem Arzt (vom Enddarm her) abtasten lassen. Dementsprechend übernimmt das die Krankenkasse. Allerdings werden wohl nur ein Drittel der Karzinome, der bösartigen Krebserkrankungen, entdeckt.
PSA-Screening oder MRT: Weil das rektale Abtasten so ungenau ist, machen manche Männer ab 45 Jahren zusätzlich einmal jährlich einen PSA-Test – prostataspezifischen Antigentest. Dabei wird Blut abgenommen und im Labor untersucht. Er kostet knapp 20 Euro, die Besprechung der Ergebnisse mit dem Arzt und die Untersuchung ungefähr weitere 50 Euro. Die Krankenkasse zahlt diesen Test nicht, nur in bestimmten Fällen.
Manche Ärzte empfehlen den Test trotzdem, andere nicht. So schreibt das „ärztliche Journal“: „Beim PSA-Screening kommt es insbesondere zu einer beträchtlichen Zahl von Überdiagnosen, die an sich belastend sind.“ Wer sicher gehen will, braucht ein MRT – da liegen die Kosten als zusätzliche Eigenleistung allerdings bei 500 bis 1000 Euro.
In diesem Video erklärt die DAK-Gesundheit, was bei einer urologischen Untersuchung wirklich passiert:
Nach Informationen des Statistischen Bundesamts führte Hautkrebs im Jahr 2020 zu 81 Prozent mehr Krankenhausbehandlungen und 53 Prozent mehr Todesfällen als im Jahr 2000. An Hautkrebs starben im Jahr 2020 demnach etwa 4000 Menschen. Wer eine Vorsorge treffen will, sollte ein Hautkrebs-Screening durchführen und auffällige Hautmerkmale im Blick behalten.
Hautkrebs-Screening: Männer und Frauen ab 30 Jahren sollten alle zwei Jahre ein Hautkrebs-Screening durchführen – die Krankenkassen übernehmen die Kosten, manche aber erst bei Menschen, die älter als 35 Jahre sind.
Dabei schaut sich der Arzt die Haut des Patienten und nimmt bei auffälligen Haut-Irritationen oder dunklen Muttermalen eine Gewebeprobe. Nutzt er ein Dermatoskop, kann die Krankenkasse die Untersuchung als zusätzliche Eigenleistung bis zu 80 Euro berechnen – das sollte vorher mit dem Arzt abgesprochen sein. Manche Krankenkassen verlangen unter 30, oder 35 Jahren nur einen Selbstanteil der Untersuchung von knapp 20 Euro. Ansonsten kostet ein Hautscreening als „IGeL“ laut der „Apothekenumschau“ knapp 40 Euro.
Hier ist ein Video von der Techniker Krankenkasse, das erklärt, auf welche Anzeichen Sie achten müssen:
Wer wissen will, ob mit seinem Magen und Darm alles in Ordnung ist, der kann einen C13-Atemtest sowie eine große Darmspiegelung durchführen und seinen Stuhlgang untersuchen lassen. Laut „Gesundheit.v.at“ wird pro Jahr bei etwa 2500 Männern und 1900 Frauen Darmkrebs diagnostiziert, rund 3.000 Menschen sterben daran.
C13-Atemtest: Der C13-Atemtest soll Helicobacter pylori-Infektionen nachweisen, eine Erkrankung des Magens. Durchführen sollten diesen Männer und Frauen mit Magen- und Darmbeschwerden. Dabei wird in einen Beutel geatmet, ein spezieller Saft getrunken und wieder in den Beutel geatmet – die Atemprobe wird dann im Labor untersucht.
Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, wenn von einem Arzt eine Erstdiagnose vorliegt. Wer den Test freiwillig als zusätzliche Eigenleistung durchführen will, muss je nach Abrechnungsart laut „Cara care“ zwischen 60 und 130 Euro zahlen.
Große Darmspiegelung: Frauen ab 55 und Männer ab 50 Jahren sollten zweimal im Abstand von zehn Jahren eine große Darmspiegelung durchführen – dementsprechend übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Dabei wird der Dickdarm mittels eines Schlauches untersucht, an dem eine Kamera gebunden ist. Bei Auffälligkeiten werden Gewebeproben entnommen. Als „IGeL“ sollte man je nach Gebührenverordnung bei Ärzten laut der Seite „Ideal Versicherungen“ mit einer Summe zwischen 300 und 400 Euro rechnen.
Stuhluntersuchung: Der Patient bekommt ein Testset nach Hause und entnimmt selbst eine kleine Menge Stuhlprobe, die er spätestens am nächsten Tag in seiner Arztpraxis einreicht und die dann im Labor untersucht wird. Die Krankenkasse zahlt Männern und Frauen zwischen 50 und 55 Jahren einmal jährlich eine Stuhluntersuchung. Ab 55 Jahren entweder alle zwei Jahre einen Stuhltest oder zweimal alle zehn Jahre eine Darmspiegelung. Laut Information der „Gesundheitsindustrie BW“ werden im Internet Stuhltests zur Analyse der Darmflora bereits ab 130 Euro angeboten.
Relative 10-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von Krebspatienten in Deutschland nach Krebsart und Geschlecht im Zeitraum 2017/18:
Schilddrüsenkrebs ist laut Informationen der „Krebsgesellschaft“ in Deutschland eine eher seltene Tumorerkrankung. Demnach sind pro Jahr etwa fünf von 100.000 Menschen betroffen. Pro Jahr erkranken nach Schätzungen des RKI rund 6.120 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Wer sich testen lassen will, sollte eine Blutuntersuchung durchführen.
Blutuntersuchung: Frauen und Männer ab 40 Jahren sollten sich bei einem Verdacht auf Schilddrüsenstörungen testen lassen. Dabei wird von einem Arzt Blut abgenommen und im Labor auf Schilddrüsenhormone aus der sogenannten Hirnanhangdrüse untersucht. Bei einem Verdacht oder Beschwerden übernimmt die Krankenkasse die Kosten, ansonsten kostet die Untersuchung laut „IGeLMonitor“ etwa 20 bis 30 Euro.
Eine ausführliche Liste der Früherkennungsuntersuchungen – allerdings ohne die Kosten als IGeL– ist auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit zu finden.