Hamburg Großer Zapfenstreich für Lambrecht: Am besten dreimal Roland Kaiser
Christine Lambrecht ist Roland Kaiser-Fan. Was liegt da näher, als sich drei seiner Songs für den Großen Zapfenstreich zu wünschen? Wir haben da ein paar Ideen.
Kaum war die Meldung vom Rücktritt in der Welt, kamen schon die ersten Musikvorschläge für Christine Lambrechts Großen Zapfenstreich. In den letzten Jahren ist man diesbezüglich ja einiges gewohnt, man denke etwa an Guttenbergs „Smoke on the Water“ von Deep Purple oder Angela Merkel mit „Du hast den Farbfilm vergessen“. Die Erwartungen sind deshalb hoch.
Die meisten Vorschläge für Lambrecht waren gehässig, was angesichts der schlechten Performance der Ministerin und der allgemeinen Verrohung in den sozialen Netzwerken auch nicht verwunderlich ist. „Westerland“ war dabei in Anspielung auf den Helikopterflug mit ihrem Sohn in den hohen Norden, aber auch Dolly Partons „Head over Heels“.
Wir aber wollen nicht nachtreten. Ohnehin sucht sich die Playlist bei einem Großen Zapfenstreich die Geehrte ja selber aus – und wie wahrscheinlich ist es, dass Lambrecht mit den von ihr favorisierten Songs ausgerechnet auf ihre Unzulänglichkeiten aufmerksam machen will?
Außerdem übersahen die meisten Kommentatoren ein wesentliches Detail: Christine Lambrecht ist erklärter Roland Kaiser-Fan. Wir können also sofort aufhören zu suchen und stattdessen einen konstruktiven Top 3-Vorschlag für eine angemessene Abschiedszeremonie machen. Und zwar eine, mit der beide Seiten zufrieden sind: das Stabsmusikkorps ebenso wie die Geehrte.
Drei Musikstücke darf sich Lambrecht für den „Serenade“ genannten Teil des Großen Zapfenstreichs aussuchen. Drei Songs aus hunderten in Roland Kaisers gewaltigem Œvre auszuwählen, erscheint auf den ersten Blick fast aussichtslos. Tatsächlich aber kann man fast alle Hits und Evergreens außer Acht lassen, denn dort geht es um Liebe – beziehungsweise das, was Roland Kaiser immer damit verwechselt und das man am vornehmsten noch mit körperlicher Anziehung umschreiben kann.
Liebe aber, zumal die nach Kaiser-Definition, passt nicht so ganz zu dem, was Lambrecht und die Bundeswehr füreinander empfanden. Fündig wird man daher für den Serenadenauftakt am ehesten im Kaiserschen Spätwerk, in dem es oft um Abschied geht.
„Irgendwie ist das hier nicht deine Welt“, heißt es in dem 2019 erschienenen Song, der außerdem mit seinem Viervierteltakt und dezenten Bässen gut zum Stabsmusikkorps passt. Mit Pumps im Wüstensand: Es war nicht ihre Welt, die Bundeswehr, das wird sie selbst so empfunden haben und Roland Kaisers schlichte Wahrheit „Kein Grund zu bleiben ist der beste Grund zu gehen“ ist deshalb besonders gut geeignet.
Natürlich gibt es doch ein paar Hits aus früheren Tagen, die zeitlos sind und auch jetzt noch passen. Für den Mittelteil der Serenade empfehlen wir daher den Doppelwumms unter den Roland-Kaiser-Songs: die Hymne „Extreme“.
Die ist ihrerseits eine Coverversion des italienischen „Insieme“, aber das tut hier nichts zur Sache: Der Song, zu dem man natürlich nicht nur Feuerzeuge, sondern auch wachbataillonmäßig Fackeln schwenken kann, ist wie gemacht für ein blechblaslastiges Ensemble wie das Stabsmusikkorps. Und auch, wenn niemand singen wird: Textlich passt es sogar bedingt. Denn es waren wirklich zwei Extreme, die in Lambrechts kurzer Dienstzeit aufeinanderprallten.
„Ein Ende kann ein Anfang sein, auch für dich“ – was vor vielen Jahren als Titelmusik für die RTL-Serie „Dr. Stefan Frank - Der Arzt, dem die Frauen vertrauen“ mit Sigmar Solbach funktioniert hat, passt hier erst recht wie die Faust aufs Auge. Mit diesem versöhnlichen Schlusspunkt können Lambrecht und die Bundeswehr ihrer Wege gehen, und das sogar mit einem reichlichen Schuss Optimismus für die Zukunft.