Marienberg Pannen und Technik aus den Achtzigern: Experten und Bundeswehr nehmen Marder und Puma in Schutz
Der Marder veraltet, der Puma kaputt. Die Schützenpanzer der Bundeswehr haben zuletzt für Lacher gesorgt. Doch Bundeswehrvertreter und Experten nehmen sie in Schutz.
Es hatte für Hohn und Spott gesorgt: Die alten Marder, die die Nato-Ostflanke gegen Russland verteidigen, benutzen Technik aus den Achtzigern. Das bedeutet: Analoger Funk, der nicht mit dem modernen Digitalfunk kompatibel ist und nicht per Computer verschlüsselt werden kann. Das ist umständlich, weil alle anderen Länder bei der Very High Readiness Joint Taskforce (VJTF, die schnelle Eingreiftruppe der Nato) standardmäßig digital funken. Doch die Bundeswehr hat eine Lösung für das Problem, wie unsere Redaktion aus Armeekreisen erfahren hat.
Der rein analog funkende Marder soll nämlich stets vom Leopard 2 unterstützt werden. Der Kampfpanzer ist sowohl mit analogem, als auch digitalem Funk ausgestattet. Im Normalfall sollen zudem leichter gepanzerte Fahrzeuge hinzukommen, die ebenfalls doppelt ausgestattet sind.
Die Partnerfahrzeuge können also Übersetzer für die Marder spielen und die Funksprüche aus den digital funkenden Fahrzeugen anderer Länder weitergeben. So wird das Funken umständlicher, aber eine täglich wechselnde Funktabelle wird nicht mehr benötigt. Damit wäre der Marder für die Kommunikation jedoch auf andere Fahrzeuge angewiesen. Weil bei einer Übung im vergangenen Jahr fast alle Pumas ausgefallen waren, musste die Bundeswehr Marder zur schnellen Eingreiftruppe der Nato schicken.
Ralf Raths vom Deutschen Panzermuseum in Munster nimmt derweil den gebeutelten Puma in Schutz. „Das Gerät ist grundsätzlich sehr gut“, sagt er. Hohn und Spott habe es auch vor Jahrzehnten für anfängliche Probleme bei dem Schützenpanzer Marder und dem Kampfpanzer Leopard gegeben. Problematisch sei nur, dass Deutschlands neuer Schützenpanzer einst für andere Arten von Einsätzen angedacht wurde, als die, die gerade notwendig erscheinen und bei der VJFT gefragt sind. „Wenn ich mir einen Tesla kaufe und dann damit täglich für den Handwerksbetrieb fahren muss, passt das auch nicht unbedingt zusammen – aber es macht den Tesla ja nicht schlecht“, betont der Museumsdirektor.
„Das Fahrzeug wurde vor Jahren aus ganz anderen politischen Gründen konzipiert. Es war vor allem für Auslandseinsätze optimiert“, erklärt er. Ein verhältnismäßig leichter Panzer, der sich gut verladen lässt, sei deswegen gewünscht gewesen. Dort hätten ihn meist nur wenige Stunden Einsatzdauer erwartet und eine regelmäßige Wartung direkt durch die Industrie hätte funktioniert. Dann gebe es auch keine Sorgen mit womöglich überforderten Panzermechanikern, die für derart viel Elektronik wie beim Puma noch nicht ausgebildet sind.