Aktuelle Umfrage Dem Handwerk fehlen in Deutschland die Lehrlinge
Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Auszubildenden. In Ostfriesland ist die Lage nicht so dramatisch wie anderswo – Probleme gibt es aber auch in der Region.
Ostfriesland/Berlin - Bundesweit suchen viele Handwerksbetriebe händeringend nach Auszubildenden – und auch in Ostfriesland ist die Lage für die Unternehmen schwierig. Es gebe einen „eklatanten Bewerbermangel“, heißt es in einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) zur Ausbildungssituation. Der neue ZDH-Präsident Jörg Dittrich sagte, die Handwerksbetriebe hätten weiter einen großen Ausbildungswillen. „Doch es fehlen die Bewerberinnen und Bewerber für die offenen Lehrstellen.“ Dabei seien die Berufschancen derzeit so gut wie kaum jemals zuvor. „Für alle Modernisierungsaufgaben der Zukunft werden qualifizierte Fach- und Führungskräfte im Handwerk gebraucht“, so Dittrich.
„Wir müssen uns mehr anstrengen, um Leute in die Ausbildung zu bekommen“, sagte auch Albert Lienemann, Präsident der Handwerkskammer (HWK) für Ostfriesland. Der Weg führe viele Schülerinnen und Schüler inzwischen nicht mehr in einen handwerklichen Beruf. „Der Trend ist: Abitur machen und erstmal studieren.“
Viele junge Ostfriesen sind immer noch heimatverbunden
Dennoch sei die Lage in Ostfriesland nicht so dramatisch wie in anderen Regionen Deutschlands. Lienemann führt das nach eigenen Worten darauf zurück, dass viele junge Ostfriesinnen und Ostfriesen heimatverbunden seien.
Der ZDH nennt in einem Papier als Gründe für die zunehmend schwierigere Suche nach Auszubildenden auch die demografische Entwicklung und ein wachsendes Interesse an einer Ausbildung im Pflege- und Erziehungsbereich.
Forderung nach besser Berufsorientierung in den Schulen
In der Umfrage des Verbands gaben 27 Prozent der Betriebe im Handwerk an, auszubilden. Dieser Anteil würde allerdings ohne den aktuell eklatanten Bewerbermangel deutlich höher liegen, hieß es. Jeder zweite Handwerksbetrieb gab an, keine passenden Bewerber für offene Ausbildungsplätze zu finden. Es hätten sich etwa die Lese-, Schreib- und Rechenfertigkeiten von Ausbildungsanfängern in den vergangenen zehn Jahren spürbar verschlechtert. Auch Lienemann sagte zur Qualität der Bewerber, die sich bei den Betrieben melden: „Es ist herausfordernd. Man muss die Leute an die Hand nehmen.“
Er forderte eine bessere Berufsorientierung in den Schulen, um jungen Menschen auch die Chancen einer Ausbildung im Handwerk aufzuzeigen. Auch Dittrich kritisierte: „Wie digital, jobsicher und vor allem sinnstiftend das Handwerk ist, davon erfahren Jugendliche in den Schulen und besonders in Gymnasien bislang nur unzureichend, weil es noch keine bundesweit flächendeckende Berufsorientierung zu den Möglichkeiten der beruflichen Aus- und Fortbildung gibt.“
Mit Material von DPA