Neue Technik verändert Schul-Alltag Wenn die Künstliche Intelligenz die Hausaufgaben macht
Die Künstliche Intelligenz kann anspruchsvolle Texte eigenständig verfassen. Mittlerweile gibt es eine Anwendung, die das quasi für jeden nutzbar macht. Das hat Auswirkungen auf den Schulalltag.
Ostfriesland - Das Phänomen, dass Schüler bei Klassenarbeiten oder Hausaufgaben schummeln, ist so alt wie die Schulen selbst. Ganz früher schrieb man sich Spickzettel oder beim Nachbarn ab. Seit dem Internet werden ganze Passagen aus dem Online-Lexikon Wikipedia oder gar ganze Texte von Plattformen wie e-Hausaufgaben.de oder Hausaufgaben.de kopiert. Dort laden Schüler ihre eigenen Arbeiten hoch, andere können darauf zugreifen.
Was und warum
Darum geht es: Die Künstliche Intelligenz kann heute qualitativ anspruchsvolle Texte eigenständig verfassen. Das wird Folgen für Unterricht und Prüfungen haben.
Vor allem interessant für: Schüler, Lehrer und alle, die mit fremden Texten zu tun haben
Deshalb berichten wir: Wir haben von der Anwendung ChatGpt gehört, die eigenständig Texte erstellt und uns gefragt, was das für Schulen und Hochschulen bedeutet. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
Da die Lehrer diese Seiten aber auch kennen, ist bis hierhin die Gefahr aufzufliegen, relativ groß. Das ändert sich allerdings, denn mit der so genannten Künstlichen Intelligenz, konkret mit ChatGpt, gibt es ganz neue Möglichkeiten, zu schummeln. ChatGpt ist, vereinfacht gesagt, eine Anwendung, mit deren Hilfe Benutzer sich mit der Künstlichen Intelligenz (KI) in ganz normaler Sprache unterhalten können. Sie können Fragen stellen oder Aufgaben erteilen, beispielsweise ein Referat zu einem beliebigen Thema zu schreiben.
Das gesamte Wissen aus dem Internet
Und das macht die Künstliche Intelligenz gar nicht so schlecht, ist sie doch quasi mit dem gesamten Wissen gefüttert, das im Internet umherschwirrt. „Ich habe ChatGpt ausprobiert und bin fasziniert. Es ist fast beängstigend, das Ding ist erschütternd gut“, sagt Stefan Störmer, Lehrer am TGG und Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Wer besonders vorsichtig sein möchte, kann von der KI auch verlangen, eine einfache Sprache zu nutzen, sich auf ein bestimmtes Wissensniveau zu beschränken oder ein paar Rechtschreibfehler in die Arbeit einzubauen. „Die Schüler und Schülerinnen sind noch gar nicht in der Lage, die Möglichkeiten von ChatGpt voll auszunutzen“, sagt Berthold Metz. Der Freiburger betreibt „Der Lehrerfreund“, eine bundesweite Lehrerplattform im Internet, und hat die Anwendung ebenfalls getestet. „Wenn die Schüler das gesamte Potenzial ausnutzen, wird es richtig ernst.“
Die Anwendung wird immer besser werden
Wissenschaftliche Arbeiten, auch mit einer stattlichen Länge, Gliederungen, Einleitungen oder ein Quellenverzeichnis seien kein Problem. Allerdings müsse man aufpassen, weil auch falsche Informationen durchrutschen könnten. „Das wird aber ganz bald noch besser werden“, ist Metz überzeugt. Ebenso wie die Sprache, die heute ab und an noch ein wenig künstlich klinge, wie Störmer findet.
Eine Schülerin aus Ostfriesland, die – aus nachvollziehbaren Gründen – anonym bleiben will, hat schon ihre Erfahrungen mit ChatGpt gemacht. „Ich habe es für eine Hausarbeit genutzt, allerdings eher zur Orientierung, wo ich mich noch intensiver einarbeiten könnte, oder um Fragen schnell zu klären“, erzählt sie. Aber selbst wenn man einen KI-Text unverändert als eigenen Text abgebe, würde das wohl reichen: „Eine Drei oder eine Zwei minus würde das werden, schätze ich.“ „Das halte ich nicht für ausgeschlossen“, sagt Störmer.
Betrug ist schwer zu beweisen
Daran, dass die meisten Schüler die Anwendung schon kennen, hat er keine Zweifel: „Das ist längst rum und natürlich total spannend.“ Auch er habe schon das eine oder andere Mal den Verdacht gehabt, dass ihm eine Arbeit vorgelegt worden sei, die von der KI geschrieben wurde. „Aber ich konnte es nicht beweisen, weil die Anwendung auf die gleiche Frage jeweils ganz neue Texte aufbaut.“
An der Hochschule sei ChatGpt schon länger ein Thema, sagt Prof. Dr. Marco Rimkus, Vizepräsident für Studium und Lehrer an der Hochschule Emden-Leer. Er gehe davon aus, dass die bisherigen Hausarbeiten, die die Studenten zu Hause verfassen, in großen Teilen durch andere Prüfungsformen ersetzt werden müssten. „Dies wäre aber auch bedauerlich, weil die eigenständig erstellte schriftliche Ausarbeitung ein wichtiges Mittel ist, um sich mit komplexen Fragestellungen auseinanderzusetzen und wertend Stellung zu beziehen.“
Übrigens könnten nicht nur Schüler die Künstliche Intelligenz für sich nutzen, sagt Metz. Auch Lehrer könnten es sich mit ihrer Hilfe denkbar leicht machen: „Im Extremfall endet das so, dass der Schüler eine von ChatGpt verfasste Arbeit abgibt und der Lehrer die durch ChatGpt korrigieren, bewerten und benoten lässt. Dann hat niemand was gelesen, niemand was geschrieben, trotzdem wurde ganz viel kommuniziert – von KI zu KI.“