Grüne fordern Kontrollen Aurich streitet über Schottergarten-Polizei
Schottergärten schießen wie Pilze aus dem Boden, obwohl sie verboten sind. Die Auricher Grünen wollen nun durchgreifen.
Aurich - Sie sind hässlich, klimaschädlich und sparen am Ende nicht mal Arbeit: Für Schottergärten gibt es keine Argumente. Doch längst nicht jedem ist bewusst, dass Schottergärten verboten sind. Die niedersächsische Bauordnung schreibt bereits seit 2012 vor, dass nicht überbaute Flächen von Baugrundstücken Grünflächen sein müssen – es sei denn, sie werden beispielsweise als Stellplatz oder Terrasse genutzt. Die Auricher Grünen wünschen sich, dass die Stadtverwaltung nach Leeraner Vorbild einen Mitarbeiter einstellt, der dieses Verbot durchsetzt. Diese Person möge betroffene Gartenbesitzer kontaktieren und für die Beseitigung der Schottergärten sorgen, heißt es in einem Antrag der Ratsfraktion.
Gerade in Neubaugebieten schießen Schottergärten trotz des Verbots wie Pilze aus dem Boden. Um Arbeit zu sparen, bedecken Hauseigentümer den Boden mit Folie, streuen Schotter, Splitt oder Kies drüber, und fertig ist die Steinwüste. Manche nehmen auch Rindenmulch oder Holzhackschnitzel. So oder so: Die Fläche ist versiegelt und damit ökologisch tot. Dort kann kein Wasser versickern, die Steine heizen sich auf, und Insekten finden keine Nahrung.
„Geben Sie uns bitte ein bisschen Zeit“
Doch ist es sinnvoll, eigens einen Mitarbeiter einzustellen, um Schottergärten den Garaus zu machen? Darüber wurde am Dienstagabend im Finanzausschuss des Auricher Rates diskutiert. „Es geht nicht darum, den Leuten vorzuschreiben, wie sie ihren Garten gestalten“, sagte der Grünen-Ratsherr Gunnar Ott. „Es geht um die Durchsetzung geltenden Rechts, und es geht um Nachhaltigkeit.“ Dabei solle nicht ein mögliches Bußgeld im Vordergrund stehen, sondern Aufklärung und Hilfe bei der Umgestaltung der Gärten. „Wir sehen die Verwaltung nicht als Garten-Politesse“, sagte Ott. Bußgelder sollten nur das letzte Mittel sein.
Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) riet davon ab, eigens eine Stelle zu schaffen. Aurich brauche keine „Schottergarten-Polizei“. Das neu geschaffene Amt für Umwelt, Klima und Verkehr der Stadtverwaltung werde sich ohnehin um dieses Thema kümmern. Es setze auf Aufklärung statt Kontrolle, so Feddermann. Dabei könne man zum Beispiel darauf hinweisen, dass Schottergärten nur in den ersten zwei Jahren gut aussähen. Dann mache sich dort Unkraut breit. „Geben Sie uns bitte ein bisschen Zeit. Wir wollen das vernünftig angehen.“
Ein Merkblatt zur Baugenehmigung?
CDU-Fraktionschef Arnold Gossel plädierte dafür, Grundstückseigentümern ein bisschen Freiheit bei der Gestaltung zu lassen „und es nicht mit der Überprüfung zu übertreiben“. Vielleicht helfe es ja, bei der Erteilung von Baugenehmigungen auf das Verbot von Schottergärten hinzuweisen, auf einer Art Merkblatt. SPD-Fraktionschef Harald Bathmann setzt ebenfalls auf Aufklärung, nicht auf Bußgelder. Der Trend, den Garten zu verschottern, werde hoffentlich ohnehin bald abebben. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Thema in den Griff bekommen.“
Die Verwaltung mache sich unglaubwürdig, wenn sie das Schottergarten-Verbot nicht durchsetze, sagte Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann. Das Verbot sei nichts weiter als ein zahnloser Tiger. „Wir brauchen eine öffentliche Zuständigkeit, die auch sichtbar sein muss.“ Ansonsten könne man gleich das ganze Ordnungsamt abschaffen, sagte Altmann. „Die machen auch nichts anderes, als geltendes Recht durchzusetzen.“ Die Argumente überzeugten die Mehrheit der Ausschuss-Mitglieder nicht. Der Antrag wurde abgelehnt.