Krieg in der Ukraine Warum die Unterbringung von Geflüchteten einfacher wird
Die Situation am Immobilienmarkt scheint ein Segen für die Unterbringung von Geflüchteten zu sein. Die Stadt Emden reagiert.
Emden - Es zeichnet sich schon seit Wochen ab: Obwohl der Krieg in der Ukraine weiter tobt, kommen immer weniger Geflüchtete in Emden an. Das war schon anders, die Stadt hat ihre vom Land Niedersachsen auferlegte Quote nahezu erfüllt. Falls es bei der bestehenden Aufnahmequote bleibt, müsste die Stadt noch circa 160 Flüchtlinge bis März aufnehmen. Es ist auch dieser Entspannung der Situation zuzuschreiben, dass die Nordseehalle erstmal nicht weiter als Unterkunft für Geflüchtete benötigt wird. Doch es ist nicht der einzige Faktor.
Was und warum
Darum geht es: Offenbar hilft die Lage auf dem Immobilienmarkt der Stadt Emden dabei, Geflüchtete dezentral unterzubingen.
Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für die Entwicklungen rund um die Flüchtlingssituation in Emden interessieren.
Deshalb berichten wir: Die Nordseehalle wird zunächst für die Emder Eiszeit wieder zur Veranstaltungshalle. Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de
Im vergangenen Jahr hatte die Stadt die große Veranstaltungshalle zunächst bis Ende des Jahres und dann bis voraussichtlich März als Unterkunft für Geflüchtete reserviert. Sie baute dafür eine große Infrastruktur in und rund um die Halle auf. Beim Neujahrsempfang dann die überraschende Nachricht von Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos): Die Emder Eiszeit wird in der Nordseehalle stattfinden.
Die letzten Geflüchteten sind umgezogen
Schon kurz nach der Neujahrsansprache am vergangenen Wochenende ging es daran, den Wechsel von der Unterkunft hin zur Veranstaltungshalle einzuleiten. „Rund 75 Flüchtlinge waren bis gestern noch in der Nordseehalle untergebracht“, teilte Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage am Dienstag mit. Insgesamt fanden seit September vergangenen Jahres demnach 192 Geflüchtete aus der Ukraine hier ein Obdach. 56 von ihnen brachte die Stadt dezentral in angemieteten Wohnungen unter. Rund 60 haben die Stadt in Richtung anderer Kommunen oder Bundesländer verlassen oder sind in die Ukraine zurückgekehrt.
Von den verbliebenen 75 Menschen konnten einige am Dienstag noch in Wohnungen untergebracht werden. Die restlichen sind seit Wochenbeginn in die Barenburgschule gezogen. Hier hatte die Stadt schon länger eine Sammelunterkunft aufgebaut. „Unser Dank geht an die Kolleg*innen der Feuerwehr und der Nordseehalle und den Mitarbeiter*innen des DRK, die uns diese Woche bei den Umzügen und beim Rückbau der Zeltstrukturen in der Nordseehalle unterstützen werden“, so Dinkela.
Situation auf dem Immobilienmarkt hilft
Der Mangel an dezentralem Wohnraum war es, der dafür gesorgt hatte, dass die Stadt die Nordseehalle in eine Sammelunterkunft verwandelt hatte. Seit September ist aber Bewegung in das Angebot an potenziellen Wohnungen in der Stadt gekommen. „Derzeit werden uns wieder vermehrt Wohnungen und Häuser zur Anmietung angeboten“, so der Stadtsprecher. Es werde berichtet, dass einige Eigentümer Häuser und Wohnungen zunächst verkaufen wollten. „Da Käufer jedoch nicht gefunden werden konnten, haben sich die Eigentümer möglicherweise im Hinblick auf die Heizsaison entschieden, die Unterkünfte zu vermieten.“
Ziel der Stadt sei es, auch die Menschen, die jetzt in der ehemaligen Barenburgschule leben, „in den nächsten Wochen in Wohnraum zu vermitteln, um sie dezentral unterbringen zu können“. Neben den geflüchteten Menschen, die selbst Wohnraum gefunden haben oder gerade zu Beginn des Krieges bei Verwandten und Freunden untergekommen sind, wurden seit März vergangenen Jahres laut Stadt rund 250 ukrainische Flüchtlinge in von der Stadt angemieteten Wohnungen untergebracht. Zu diesem Zweck seien seit März 2022 etwa 100 Wohnungen von der Stadt angemietet worden.
Umbau zur Eishalle beginnt bald
Anfang Januar war seitens der Verwaltung von rund 900 geflohenen Ukrainern in der Stadt die Rede. Damals wie heute ist ein Großteil in Wohnungen untergebracht, die nicht von der Stadt angemietet wurden. Insgesamt hat die Stadt aktuell etwa 1100 Flüchtlinge aufgenommen. Die anderen Menschen kämen aus „verschiedensten anderen Gebieten“ wie Syrien, Afghanistan und Afrika, wie eine frühere Anfrage dieser Zeitung zeigte.
Jetzt naht die Emder Eiszeit: Vom 4. Februar an soll die Eisbahn in der Nordseehalle vier Wochen lang genutzt werden können. Die vorbereitenden Arbeiten werden laut Dinkela voraussichtlich ab dem 23. Januar beginnen. Zuvor muss „die gesamte Struktur, die der Flüchtlingsunterbringung dient, abgebaut, eingelagert“ oder zur ehemaligen Barenburgschule gebracht werden.
In den vergangenen Monaten habe man in der Nordseehalle „unter Beteiligung aller erforderlichen Behörden und Institutionen die Prozesse für die ankommenden Flüchtlinge weiterentwickeln“ können. Es habe sich gezeigt, dass das entstandene Netzwerk aus Behörden, Wohlfahrtsverbänden, Kirchen und privaten Institutionen „gut funktioniert und mit Unterstützung der vielen Ehrenamtlichen in den verschiedenster Bereichen einiges erreicht und auf die Beine gestellt werden kann“.