Seit Jahresbeginn im Amt  Neuer Stadtwerke-Chef will Emden unabhängig vom Gas machen

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 17.01.2023 16:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier steht der neue Geschäftsführer Jens Gieselmann vor dem Hauptgebäude der Stadtwerke an der Martin-Faber-Straße. Foto: H. Müller
Hier steht der neue Geschäftsführer Jens Gieselmann vor dem Hauptgebäude der Stadtwerke an der Martin-Faber-Straße. Foto: H. Müller
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Jens Gieselmann hat seinen Posten als Geschäftsführer der Stadtwerke Emden angetreten. Trotz der Energiekrise richtet er den Blick nach vorn.

Emden - Die ersten drei Wochen hat er schon fast hinter sich. Jens Gieselmann hat diese Zeit vor allem genutzt, um das Unternehmen, seine knapp 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennenzulernen und sich einzuarbeiten: Der 54-Jährige ist seit Jahresbeginn Chef der Stadtwerke Emden. Auf diesem Posten folgt er auf Manfred Ackermann, der im Sommer nach Gelsenkirchen als Geschäftsführer der Emscher Lippe Energie GmbH (ELE) und der Stadtwerke wechselte.

Was und warum

Darum geht es: den neuen Chef der Stadtwerke

Vor allem interessant für: Kundinnen und Kunden der Stadtwerke sowie alle, die sich für die Energiebranche und die Entwicklung kommunaler Versorgungsunternehmen interessieren

Deshalb berichten wir: Jens Gieselmann hat den Posten des Stadtwerke-Chefs zu Beginn des Jahres angetreten. Wir haben mit ihm gesprochen und stellen ihn vor.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Gieselmann tritt sein Amt in einer Zeit an, die von der Energiekrise geprägt ist. Die schüttelt die Branche kräftig durch. Davon lässt sich „der Neue“ aber nicht bange machen. „Das ist die Gegenwart“, sagt er und in seinen Worten schwingt eine gute Portion Selbstbewusstsein mit. Eigentlich könnten die Versorgungsunternehmen darauf nur reagieren, die Entwicklung aber nicht beeinflussen. Wichtig sei ihm aber, „die Balance zwischen der Gegenwart und der Zukunft zu halten und zeitgleich auch nach vorne zu blicken“.

Ein Ziel ist die Unabhängigkeit vom Erdgas

Bei diesem Blick nach vorne nennt er eine Reihe von Stichworten: „Energiewende, Nachhaltigkeit, die Entwicklung neuer und sinnvoller Modelle“. Als „größte Herausforderung“ beschreibt der neue Stadtwerke-Chef die „Wärmewende“. Er möchte die Abhängigkeit vom Erdgas als fossile Energiequelle lösen.

„Dafür gibt es viele Möglichkeiten“, sagt er. Sie müssten aber auch passen. Ziel müsse es sein, weitgehend vor Ort und in der Region Wärme verlässlich und nachhaltig zu produzieren - möglichst autark und weitgehend unabhängig von großen Akteuren. Er habe zwar „einen Plan und einen roten Faden“, setze aber vor allem darauf, „verschiedene Interessen zu verbinden, auszugleichen und gemeinsam vernünftige Lösungen zu finden“.

Aufgabe in Emden reizt den 54-Jährigen

Das gelte für alle Geschäftsbereiche der Stadtwerke, zu denen unter anderem auch der Betrieb von Bädern und des innerstädtischen Busverkehrs gehören. Beim Thema ÖPNV kommt auf Gieselmann auch das neue Konzept für den Busverkehr zu. Es ist schon seit längerem in Planung und soll Anfang 2025 umgesetzt werden. Aber in dieses Thema ist der neue Geschäftsführer noch nicht tiefer eingestiegen. Dafür war die Zeit bislang zu knapp.

Der Schreibtisch wirkt noch aufgeräumt: Jens Gieselmann hat sein Büro bei den Stadtwerken am 2. Januar bezogen. Foto: H. Müller
Der Schreibtisch wirkt noch aufgeräumt: Jens Gieselmann hat sein Büro bei den Stadtwerken am 2. Januar bezogen. Foto: H. Müller

Die neue Aufgabe in Emden habe ihn „unwahrscheinlich gereizt“, sagt der 54-Jährige. Er stammt aus Hildesheim, machte dort das Abitur und startete seine berufliche Karriere bei der Sparkasse seiner Heimatstadt. Später ging der Diplom-Betriebswirt zur Nord-Ostsee-Sparkasse in Schleswig. Vor sieben Jahren warben die Stadtwerke Schleswig ihn ab und machten ihn zum Prokuristen. „Das war für mich eine vollkommen neue Welt“, sagt Gieselmann über den Schritt vom Geldinstitut zum Energieversorger.

Personalagentur lockte den „Neuen“

Anfang 2022 wechselte er als Geschäftsführer zu den Stadtwerken in Soltau. Als ihn dort eine Personalagentur wegen des Postens in Emden ansprach, konnte er nicht ablehnen. Dennoch: „Es gab keinen Grund, Soltau zu verlassen und es ist mir auch ein Stück weit schwer gefallen“, räumt Gieselmann ein. Auf der Karriereleiter ist der Wechsel nach Ostfriesland ein Schritt nach oben. „Verstand und Bauchgefühl passten zusammen“, sagt der 54-Jährige über seinen Entschluss, das Angebot in Emden anzunehmen.

Die Stadtwerke Emden waren dem 54-Jährigen auch nicht ganz unbekannt. Auf das Unternehmen war er durch einen Vortrag seines Vorgängers Manfred Ackermann während einer Tagung aufmerksam geworden. Er habe schon damals dieses Unternehmen als „innovativ, fortschrittlich, modern und zukunftsgerichtet“ empfunden“, sagt er.

Die Region ist ihm schon vertraut

Die Region Ostfriesland kannte Gieselmann ebenfalls schon von Urlauben mit der Familie an der Nordseeküste. Er ist verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Söhnen und einer erwachsenen Tochter. Derzeit pendelt der 54-Jährige noch zwischen Emden und seinem bisherigen Wohnort in der Nähe von Schleswig. Seine Frau betreut dort als Tagesmutter einige Kinder unter drei Jahren in einer eigenen kleinen Einrichtung und ist deshalb noch gebunden. Das Ehepaar plant aber, den gemeinsamen Wohnsitz 2024 nach Emden zu verlegen.

In seiner Freizeit spielt Gieselmann gerne Hockey und Tennis. Er liest gerne und ist an Wochenenden gerne im Garten. Als Spross einer Hockey-Familie ist er in dieser Sportart seit frühester Kindheit zu Hause. Er schaffte es bis in die 2. Bundesliga, nimmt den Schläger heute aber nur noch hobbymäßig in die Hand.

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