Neue Regel für Wertstoffe Deutschland sucht seinen Elektroschrott
Elektroschrott zu entsorgen war noch nie so einfach wie heute. Trotzdem werden gerade einmal 44 Prozent wiederverwertet. Denn nicht alle wissen, wie Recycling richtig geht.
Aurich - Es sind Bilder, die zu Herzen gehen: Das langhaarige Herrchen und sein ebenfalls langhaariger Hund tragen traurig den über Jahrzehnte heiß geliebten gemeinsamen Föhn zu Grabe – oder besser: zur Entsorgung. Eine andere Familie trennt sich schwarz gekleidet und unter Tränen vom vielfach reparierten CD-Radio und wirft Blumen hinterher, als der Mitarbeiter des Entsorgungsbetriebs es mitnimmt. „Lass los, auch wenn es weh tut“, heißt die Elektroschrott-Kampagne, mit der die Bundesregierung auch den Ostfriesen das entlocken will, was offenbar auf anderem Weg oft verloren geht: ihren Elektroschrott.
Was und warum
Darum geht es: So wird Elektroschrott richtig entsorgt.
Vor allem interessant für: alle, die wissen wollen, welche neuen Regeln die Entsorgung von Elektroschrott so viel leichter machen
Deshalb berichten wir: Uns fiel eine neue Studie zur Entsorgung von Elektroschrott in die Hände.
Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de
Denn etwas läuft schief in Deutschland. Statt, wie europaweit seit 2019 gefordert, mindestens 65 Prozent des Elektroschrotts zu recyceln, kommen in den zuständigen Betrieben nur etwa 44 Prozent an. So heißt es aus dem Umweltbundesamt. Der größte Teil der jährlich 22 Kilogramm Elektroschrott pro Kopf verschwindet auf geheimnisvolle Weise. Er wird falsch entsorgt, illegal zur Verwertung ins Ausland gebracht oder verstaubt in den Haushalten. „Dabei ist Elektroschrott gleichzeitig ein Rohstoff“, sagt Matthias Boecker von der Bundes-Stiftung Altgeräte Register in Berlin. Boecker freut sich über jede Anfrage zu diesem Thema, denn es muss dringend etwas passieren, vor allem bei der aktuellen Rohstoffknappheit.
Eine Stiftung steuert die Schrott-Entsorgung
Die Stiftung Altgeräte Register erfasst alle auf den Markt gebrachten Elektrogeräte und koordiniert deren Entsorgung zentral in ganz Deutschland. Ihr Arm reicht so bis in die einzelnen Kommunen – auch bis zum Wertstoffhof des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landkreis Aurich in Großefehn. Hier stellt die Stiftung die Container bereit, sorgt für die Abholung von Elektro-Altgeräten und die Verteilung an die Recyclingbetriebe. So hat sie immer im Blick, wie sich die Recyclingquote entwickelt.
Doch wohin verschwindet der Elektroschrott? Die große Mehrheit der Deutschen weiß laut einer aktuellen Umfrage, wie er richtig entsorgt wird. 70 Prozent der Befragten geben an, ihn zum Wertstoffhof zu bringen. Weitere 13 Prozent bringen angeblich kleine Altgeräte in Elektrofachhandel zurück, neun Prozent nutzen sogar den neuesten Weg über die Supermärkte und Discounter. Der Abgleich mit der Realität zeigt jedoch: Wenn das stimmen würde, hätte Deutschland kein Entsorgungsproblem. Ehrlicher sind wohl die Menschen, die angaben ihren Müll falsch in der Restmülltonne (10,1 Prozent) und in der Gelben Tonne (5,2 Prozent) zu entsorgen – oder die 3,5 Prozent, die gar nicht wissen, wie es geht.
So wird Elektroschrott richtig entsorgt
Aber wie geht die Entsorgung richtig? Wer beim Abfallwirtschaftsbetrieb in Aurich anruft, stellt schnell fest, dass die richtige Entsorgung bei Elektroschrott eine sehr ernste Angelegenheit ist. Denn jeder richtig entsorgte Akku schützt die Entsorgungsbetriebe, deren Mitarbeiter – und nicht zuletzt die Umwelt, sagt Pressesprecher Yves Knoblich. Denn falsch im Restmüll oder gelben Sack entsorgte Elektrogeräte können beim Abtransport und bei der Lagerung zu einer Gefahr werden. „In der Müllpresse beschädigte Lithium-Ionen-Akkus können sich erhitzen und den Müll in Brand setzen“, so Yves Knoblich.
Der Umwelt zuliebe
Elektroschrott ist ein so wichtiges Thema, das es gleich mehrere Seiten im aktuellen Abfallratgeber des Landkreises einnimmt – samt Foto eines durch falsch entsorgten Elektroschrott entstandenen Brandes im Entsorgungszentrum Großefehn im Jahr 2015. Gefahren bergen nicht nur falsch entsorgte Batterien und Akkus. Elektroschrott kann giftige Substanzen wie beispielsweise Quecksilber, Blei, Cadmium und Arsen enthalten und bei Beschädigung freisetzen.
Kleingeräte kostenlos im Supermarkt entsorgen
Das zu vermeiden und Elektroschrott richtig zu entsorgen ist heute so einfach wie nie: Schon lange ist der kommunale Wertstoffhof nicht mehr die einzige Anlaufstelle. Seit Mitte 2022 können Elektro-Kleingeräte bis 25 Zentimeter Größe sogar beim Einkauf im Supermarkt und Discounter abgegeben werden. Das gilt für alle Einzelhändler mit einer Gesamtverkaufsfläche von mindestens 800 Quadratmeter, die mehrmals pro Jahr oder dauerhaft Elektro- oder Elektronikgeräte zum Kauf anbieten. Ganz ohne Neukauf, kostenfrei und ohne Vorlage eines Bons. Schon vorher war jeder größere Elektrofachmarkt zur Rücknahme verpflichtet. Auch Online-Händler mussten die Rückgabe gewährleisten oder das Porto für Rücksendungen übernehmen. Wer sich nicht dran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Gerade Kleingeräte verschwanden bisher oft im Nirvana.
Recycling von Großgeräten beim Tausch kostenlos
Laut Hauke Eiben vom Elektrofachmarkt Expert Bening Aurich klappt die Rücknahme gut, auch wenn die abgegebene Menge an Kleingeräten überschaubar ist. Die meisten im Fachmarkt entsorgten Geräte seien Großgeräte wie Waschmaschinen oder Mikrowellen, die alt gegen neu getauscht werden, so Eiben: „In solchen Fällen ist die Rücknahme bei uns kostenlos.“ Das ist Pflicht. Wer nicht tauschen kann und seine Großgeräte dort nicht los wird, kann sie weiterhin kostenlos beim Wertstoffhof abgeben. Alte Batterien und Akkus kann man überall dort zurückgeben, wo sie verkauft werden. Zum Beispiel in Supermärkten, Drogerien, Elektro- oder Baumarktmärken – natürlich ebenfalls kostenfrei.
Was ist Elektroschrott?
Es gibt kaum elektrische Bauteile und Geräte, die nicht in den Elektroschrott gehören. Neue Geräte, die als Elektroschrott entsorgt werden müssen, sind durch eine durchgestrichene Mülltonne gekennzeichnet. Grundsätzlich sei es aber nicht schwer, Elektroschrott zu identifizieren, sagt Yves Knoblich von den Auricher Entsorgungsbetrieben: „Ausnahmen gelten nur noch für die normale Glühbirne und die Halogenlampe.“ Auch einzelne Bauteile, wie Kabel als Meterware, lose Klemmen, Lampenfassungen, aber auch Schalter und Steckdosen, die nicht an einem Gerät verbaut sind, können im Restmüll entsorgt werden.
Das gehört in den Elektroschrott
Alles andere gilt als Elektroschrott, auch Computermäuse, elektrische Zahnbürsten, Fernbedienungen und sogar Bankkarten. Auch Kabel und Steckerleisten sowie Antennen müssen als Elektroschrott entsorgt werden. Zum Elektroschrott gehören auch Produkte mit fest verbauten elektrischen Bestandteilen. Dazu zählen Schuhe mit beleuchteter Sohle, Rucksäcke mit fest vernähter Beleuchtung, Badezimmerschränke mit fest eingebautem beleuchteten Spiegel, ein elektrisch verstellbarer Fernsehsessel oder ein Tresor mit elektrischem Schloss.
Was passiert mit den Altgeräten?
Die auf dem richtigen Wege gesammelten Elektroaltgeräte werden an die in Deutschland ungefähr 340 zertifizierten Erstbehandlungsbetriebe übergeben. Diese prüfen, ob die Geräte zur Wiederverwendung vorbereitet werden und wieder in Umlauf gebracht werden können. Ist dies nicht möglich, werden Flüssigkeiten, Schadstoffe und schadstoffhaltigen Bauteile entfernt. Die Altgeräte werden in Bauteile zerlegt, mechanisch zerkleinert und anschließend nach Material getrennt. Dann werden sie an Kunststoffrecycler, Stahlwerke, Eisen- oder Kupferhütten oder an andere Verwerter weitergegeben, recycelt oder energetisch verwertet.
Was kann recycelt werden?
In Deutschland fallen jedes Jahr etwa 1,8 Millionen Tonnen Elektroschrott an. Davon können 55 Prozent werthaltige Materialien, wie Stahl, Metall und Edelmetall zurückgewonnen werden. In Elektrogeräten stecken wertvolle Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium, Gold oder Neodym. 35 Prozent sind Kunststoffe, die ebenfalls verwertet werden können. Allein von einem Föhn können 70 Prozent des Materials genutzt werden.
Wenn das alles nicht genügend Gründe sind, den Elektroschrott richtig zu entsorgen, hat die Bundesregierung noch ein weiteres Elektroschrott-Video in petto: Vielleicht helfen ja die quietschbunten hippen Menschen und der Barfuß-Typ in Anzug, die gemeinsam „Drop it like E-Schrott“ (Entsorge es wie Elektroschott) im Stil von Snoop Doggs „Drop it like it‘s hot“ (Lass es fallen, als wäre es heiß) rappen. Wer es auf diese Weise auch nicht lernt, hat wenigstens etwas zu lachen.