Siemtje Möller Setzt Olaf Scholz auf Siemtje Möller als Nachfolgerin bei der Bundeswehr?
Die Kritik an der Amtsführung von Verteidigungsministerin Christine Lambrecht lässt den Namen von Siemtje Möller als möglicher Nachfolgerin kursieren. Doch wie wahrscheinlich ist das?
Varel / Berlin - Man kann sie leicht unterschätzen, die schmale blonde Frau aus Varel, dabei ist Siemtje Möller politisch durchaus für eine Überraschung gut. Die SPD-Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin ist keine Freundin markiger Worte, sie tritt stets ruhig und freundlich auf. Keine Frau, die sich in den Vordergrund spielt; aber dann irgendwie doch dort auftaucht.
Was und warum
Darum geht es: Ein Blick auf die bisherige politischer Karriere der SPD-Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller.
Vor allem interessant für: Politiker und Politikinteressierte
Deshalb berichten wir: Die Kritik an Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wächst, Möller wird als mögliche Nachfolgerin gehandelt. Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de
Als Möller 2017 aus ihrem Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund heraus quasi aus dem Stand den Sprung in den Bundestag schaffte, verfügte sie über keinerlei Erfahrung mit politischen Mandaten. In kommunalen Vertretungen war die Lehrerin nie aktiv gewesen. Und trotzdem saß sie gut drei Jahre später an zwei wichtigen Schalthebeln im Parlament: Sie wurde Sprecherin des einflussreichen Seeheimer Kreises innerhalb der SPD und verteidigungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. In ihrem Wahlkreis war man erfreut. Und auch ein klein wenig überrascht.
Als es dann nach dem Schmieden der Ampelkoalition 2021 an die Regierungsbildung ging, hielt man es in Möllers Wahlkreis und darüber hinaus gar nicht mehr für unmöglich, dass Möller nun auch noch Verteidigungsministerin wird. Ihr Name jedenfalls fiel immer mal wieder. Es kam bekanntlich anders, die bisherige Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) bekam den Job. Möller bezog trotzdem ein Büro im Verteidigungsministerium, als parlamentarische Staatssekretärin, also als eine Art Bindeglied zwischen Ministerium und Parlament. Die anhaltende Kritik an Lambrechts Amtsführung lässt Möllers Namen nun wieder zirkulieren, als mögliche Nachfolgerin.
Wer ist Siemtje Möller?
Die gebürtige Ostfriesin wird dieses Jahr 40 Jahre alt, sie stammt aus Emden, wuchs in Oldenburg auf und studierte in Göttingen. Möller ist verheiratet und Mutter zweier kleiner Söhne, die Familie lebt in Varel im südlichen Landkreis Friesland. Von Beruf ist sie Lehrerin für Französisch und Politik, ein Job, den Möller zuletzt an einem Wilhelmshavener Gymnasium ausübte, bevor sie in den Bundestag zog. Sie ist seit 2017 direkt gewähltes Mitglied des Parlaments. Seit 2021 sitzt sie aber hauptsächlich in ihrem Ministeriumsbüro. Möller ist dort für die Themen Politik, Cyber/Informationstechnik, Führung Streitkräfte, Strategie und Einsatz sowie Personal zuständig.
Möllers politischer Aufstieg beruht auf einer Mischung aus Zielstrebigkeit, Fleiß, guter Vernetzung und einem Quentchen Glück. Und auf der Fähigkeit, bereit zu stehen, wenn sich eine Lücke auftut.
Ihr Wahlkreis im hohen Norden ist für die SPD eine sichere Bank, ihre erste Bewerbung um die Kandidatur dort war es allerdings nicht. Die bisherige Inhaberin des Direktmandats, Karin Evers-Meyer, hatte eigentlich eine andere SPD-Frau als Nachfolgerin ausgeguckt. Doch als der Nominierungsparteitag kam, trat eine damals hochschwangere Möller ans Rednerpult, blitzte die SPD-Delegierten freundlich an und warb mit einer engagierten Rede für sich. Sie gewann im ersten Anlauf.
Das Militär
Die Lehrerin arbeitete sich von Anfang an stark in militärische Themen ein. Nicht von ungefähr: Im Wahlkreis Friesland-Wilhelmshaven-Wittmund ist das größte Bundeswehraufkommen bundesweit zu finden. Der Marinestützpunkt in Wilhelmshaven ist mittlerweile der größte Bundeswehrstandort in Deutschland, dazu kommen die Luftwaffenstützpunkte in Schortens und Wittmund. All das umfasst mehr als 10.000 Dienstposten und Zivilangestellte. Möller ist in ihrem Wahlkreis häufig beim Militär zu Besuch; selbst an Heiligabend, beim Gottesdienst auf einem Kriegsschiff in Wilhelmshaven.
Die frisch gewählte Parlamentarierin war zunächst einfaches Mitglied im Verteidigungsausschuss, rückte dann aber im Januar 2021 überraschend zur verteidigungspolitischen Sprecherin ihrer Fraktion auf. Als Nachfolgerin von Fritz Felgentreu, der sein Amt aus Protest gegen die zögerliche Haltung der SPD-Fraktion zur Beschaffung bewaffneter Drohnen für die Bundeswehr niedergelegt hatte. Ein Muster, das schon ein halbes Jahr vorher zu beobachten war: Im Juni 2020 war Möller plötzlich an die Spitze des Seeheimer Kreises gewählt worden, einer einflussreichen Gruppe innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion. Hier war ihr Vorgänger Johannes Kahrs, der diese Lücke ebenfalls aus Wut und Ärger gerissen hatte. Kahrs wollte damals Wehrbeauftragter des Parlaments werden, scheiterte aber in der eigenen SPD-Fraktion. Er gab sein Bundestagsmandat gleich darauf ab.
Siemtje Möller war gewissermaßen in beiden Fällen zur rechten Zeit am rechten Ort, um plötzlich entstandene Lücken zu füllen. Und offenbar trauten die Genossen ihr das auch jedes Mal zu, immerhin wurde sie beide Male aus der Mitte heraus von ihren Parteikollegen gewählt. Vielleicht auch ein Grund, warum ihr Name nun als mögliche Lambrecht-Nachfolgerin wieder auftaucht.