Überraschung  Emder Eiszeit startet in der Nordseehalle

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 14.01.2023 13:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zuletzt hatte die Eiszeit Anfang 2020 mehr als 30.000 Besucher angelockt. Foto: Ortgies/Archiv
Zuletzt hatte die Eiszeit Anfang 2020 mehr als 30.000 Besucher angelockt. Foto: Ortgies/Archiv
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In seiner Neujahrsansprache überraschte Oberbürgermeister Tim Kruithoff die Zuhörer. In der Nordseehalle soll wieder eine Eisfläche aufgebaut werden. Eigentlich leben in der Halle Geflüchtete.

Emden - Spontaner Applaus brach im Publikum aus, als Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) fast zum Ende seiner Neujahrsansprache am Samstagvormittag im Stadtgarten eine Überraschung parat hatte. Vom 4. Februar bis 4. März soll die Eiszeit in der Nordseehalle mit dem „gesamten Rahmenprogramm“ durchgeführt werden können, kündigte er an. Vor der Pandemie hatte die Eisfläche in der größten Veranstaltungshalle ihrer Art in Ostfriesland vier Jahre in Folge Tausende Menschen zum Schlittschuhlaufen, Eisstockschießen und Klönen angelockt. Anfang 2020 zählte der städtische Betreiber Kulturevents mehr als 30.000 Besucher.

Oberbürgermeister Tim Kruithoff hatte bei seiner Neujahrsansprache im strömenden Regen eine große Überraschung parat. Foto: Hanssen
Oberbürgermeister Tim Kruithoff hatte bei seiner Neujahrsansprache im strömenden Regen eine große Überraschung parat. Foto: Hanssen

Zuletzt hatte die Stadt immer wieder betont, dass die Nordseehalle „bis auf weiteres“ für Geflüchtete aus der Ukraine genutzt werde. Kruithoff erklärte nun aber, dass Emden im Vergleich zu anderen Gebietskörperschaften bereits eine sehr hohe Aufnahme-Quote habe. Mehr als 1000 Geflüchtete wurden im vergangenen Jahr aufgenommen. Erfreulicherweise seien der Stadt in den letzten Wochen nun verschiedene Immobilien für die von der Stadt bevorzugte dezentrale Unterbringung der geflüchteten Menschen angeboten worden. Für die nächsten Wochen komme man so mit den Unterkünften in der Barenburgschule und in der Cassens-Villa in Larrelt aus. Bis März sei die Lage vorerst kalkulierbar.

Eisbahn energieeffizienter als Heizen der Halle

Es sei immer die Maxime von Verwaltung und Rat, das möglich zu machen, was auch möglich sei, um die Einschränkungen für die Stadtgesellschaft gering zu halten – ob nun in der Corona-Pandemie oder der aktuellen Krisen, sagte der Rathauschef. Insbesondere für Schulen und die Kinder, Livemusik-Liebhaber am Donnerstagabend und die Mitarbeitenden der Nordseehalle sei der Start der Eiszeit eine gute Nachricht, so der Oberbürgermeister. Man spare sich auch das Ausfallgeld, sagte er. Nach Informationen dieser Zeitung hätte die Stadt rund 80 Prozent der Kosten für die Anmietung der Eisbahn trotz Absage zahlen müssen.

Vor der Bühne bildete sich zur Ansprache Tim Kruithoffs ein Schirme-Meer. Trotz des anhaltenden Regens hielten die meisten Zuhörer bis zum Ende der mehr als 40-minütigen Rede aus.
Vor der Bühne bildete sich zur Ansprache Tim Kruithoffs ein Schirme-Meer. Trotz des anhaltenden Regens hielten die meisten Zuhörer bis zum Ende der mehr als 40-minütigen Rede aus.

Den Fragen nach der Energie-Bilanz griff er direkt vor: Man verwende zum einen ein „besonders sparsames Eisbahnprinzip“ und zum anderen könne das Heizen der Nordseehalle entfallen. Das Heizen sei ein „deutlich größerer energetischer Aufwand als die Eisbahn“, so Kruithoff. Er betonte aber auch: „Wir fahren auf Sicht“. Es sei eine Lösung für die benannten fünf Wochen. Danach werde man die Nordseehalle „noch mal brauchen“, also wohl als Unterkunft einsetzen müssen.

Kritischer Blick auf Großbauprojekte

In seiner Ansprache bekräftige Kruithoff die Aussagen, die er dieser Woche gegenüber dieser Zeitung getroffen hatte zu Großbauprojekten in der Stadt. Demnach habe er bewusst den Druck hochgehalten, die anvisierten Fertigstellungstermine für das Freibad Borssum im Mai und das Festspielhaus am Wall im März einzuhalten. Doch die anhaltenden Probleme mit Fachkräftemängel, Preissteigerungen und Lieferengpässen bei Baumaterialien seien eine Herausforderungen. „Vertrauen Sie uns bitte, wir tun alles, um die Projekte schnellstmöglich umzusetzen und die Fertigstellungstermine einzuhalten. Garantien gibt es derzeit aber nicht, darum möchte ich Ihre Erwartungen dazu bremsen“, sagte er.

Der Chor "Mixed Pickles" war für die musikalische Begleitung eingeplant.
Der Chor "Mixed Pickles" war für die musikalische Begleitung eingeplant.

Zu den Verkehrsexperimenten in der Neutorstraße sagte Kruithoff, dass mittlerweile „wertvolle Erkenntnisse“ gewonnen worden seien und man diese nun auswerte. In einigen Wochen soll eine Bürger-Info- und Beteiligungs-Veranstaltung stattfinden, um Rückmeldungen zu sammeln. „Gemeinsam mit Ihnen möchten wir die beste Lösung finden, um die Innenstadt attraktiver zu machen“, so der Oberbürgermeister. Schritt für Schritt sollen auch die Friedrich-Ebert-Straße und die Straße Am Delft mit eingebunden werden. Parallel zur Trogstrecken-Sanierung sei das aber nicht so einfach.

Die Info-Stände waren im Stadtgarten aufgebaut, zogen im Reden aber nicht allzu viele Interessierte an.
Die Info-Stände waren im Stadtgarten aufgebaut, zogen im Reden aber nicht allzu viele Interessierte an.

Der Neujahrsempfang war zum ersten Mal als Freiluft-Veranstaltung im Stadtgarten angesetzt worden, weil die Nordseehalle belegt, die Johannes-a-Lasco-Bibliothek und das Festspielhaus umgebaut werden. Im strömenden Regen war es allerdings kaum möglich, die Informationsstände von Vereinen, Institutionen und Firmen zu begutachten. Auch der sonst so kommunikative Charakter von Emder Neujahrsempfängen blieb aus. Viele Besucher zogen sich nach der Ansprache Kruithoffs schnell ins Warme und Trockene zurück. Bemerkenswert war, dass trotz des Regens noch mehrere Hundert Leute gekommen waren, um den Oberbürgermeister reden zu hören. Dieser bedankte sich mehrmals bei den laut ihm „zahlreichen“ Zuhörern.

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