Kolumne „Alles Kultur“ Wär das Leben doch ein Wunschkonzert
Am Montag geht es in unserer Kolumne immer um Kultur. Heute möchte unsere Kolumnistin einfach mal ein bisschen jammern – darüber, dass sich die Arbeit in der Musikbranche so sehr verändert hat.
Ich habe die Liste der am häufigsten auf Spotify gestreamten Songs des letzten Jahres gelesen und kannte keinen einzigen. Ich ertappe mich immer häufiger dabei, lieber einen Oldie-Radiosender einzuschalten, weil ich zu „Love is in the Air“ und „Thank you for the music“ mich zwar nicht pudelwohl fühle, aber wenigstens ein bisschen zurecht finde.
Ich boykottiere Streamingdienste wie TikTok und Spotify zwar nicht, habe ihnen gegenüber aber starke Ressentiments. Von den unglaublichen Gewinnmargen dieser Plattformen kommt weiterhin nur ein Bruchteil bei den Künstler*innen an.
Die Musikbranche hat seit Jahren kaum noch ein anderes Thema. Auf Podien, Konferenzen, in Business- und Netzwerktreffen geht es immer darum, wie kommen wir aus dem Schlamassel wieder raus. Kann man die Konsumierenden wieder umerziehen? Nennt mich oldschool, aber ich möchte gerne mit meiner Musik Geld verdienen. Nicht am T-Shirt mit dem coolen, lustigen Spruch drauf oder einer Pseudoverknappung, indem ich vortäusche, es gäbe nur eine limitierte CD-Auflage. Ich möchte auch kein tanzender TikTok-Star werden und als Content- Creator einen heiligen Algorithmus knacken, um meine Miete bezahlen zu können. Meine Musik soll nicht nur das Promotool sein, um mich in eine Öffentlichkeit zu katapultieren, so dass ich dann einen Werbevertrag für Katzenfutter abschließen kann. Ich bin ja nicht völlig naiv, das Musikgeschäft war schon immer ein Geschäft mit Gewinnern und Verlierern. Und das Leben ist kein Wunschkonzert, wir erleben in vielen Branchen herausfordernden Wandel. Aber Konzerte und Musikverkäufe sind nun mal mein Job und ich möchte gerne darüber jammern, dass er sich so verändert hat, dass es schwer ist, die Wertschöpfungskette nicht abreißen zu lassen.
Ich selbst bin mit meiner Lieblingslieder-Playlist auf den Ohren gestern Zug gefahren. Doch anders als viele, fange ich dann an zu träumen und mich voll in die Musik zu legen und kaufe dann ein Ticket, weil ich das live hören will.
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