Verzögerungen in Emden Eröffnungstermine für Festspielhaus und Freibad auf der Kippe
Kulturfreunde und Badelustige werden sich wohl noch gedulden müssen: Oberbürgermeister Tim Kruithoff dämpft die Erwartungen, dass zwei große Projekte pünktlich fertig werden.
Emden - Kulturfreunde und Badelustige in Emden werden sich wohl noch etwas gedulden müssen: Der Umbau des Neuen Theaters zum Festspielhaus am Wall und die Sanierung des Freibades Borssum werden sich aller Voraussicht nach erneut verzögern. Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) hat jetzt die Erwartungen gedämpft, dass diese beiden großen Bauprojekte zu den bereits festgesetzten Eröffnungsterminen abgeschlossen werden können.
Was und warum
Darum geht es: mögliche Verzögerungen beim Bau des Festspielhauses am Wall und bei der Sanierung des Freibades Borssum
Vor allem interessant für: Kulturfreunde, Leute, die gerne wieder in Borssum schwimmen und baden gehen wollen, sowie diejenigen, die sich für die Stadtentwicklung in Emden interessieren
Deshalb berichten wir: Oberbürgermeister Tim Kruithoff hat in einem Gespräch mit dieser Zeitung angedeutet, dass es zu weiteren Verzögerungen bei beiden Projekten kommt und die Erwartungen deutlich gebremst. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Wer in diesen Tagen einen Blick auf beide Baustellen wirft, den dürften diese Nachrichten kaum überraschen. Denn es sieht sowohl beim Festspielhaus an der Theaterstraße als auch beim Freibad in Borssum auch für Laien nicht so aus, dass alles in wenigen Monaten fertig sein könnte. Zweifel daran hört man in der Stadt schon seit längerem.
Kruithoff hält den Druck bewusst hoch
Ihm selbst sei es immer wichtig gewesen, so Kruithoff, „den Druck hoch zu halten“. Deshalb habe er an den Eröffnungsterminen festgehalten, die zuletzt kommuniziert worden seien. „Denn sobald man ein Ziel aufgibt, lassen vielleicht auch ein bisschen die Ambitionen nach“, sagte der Oberbürgermeister dieser Zeitung bei einem Jahresausblick.
Er müsse die Erwartungen „aber ein bisschen bremsen“ und ehrlicherweise konstatieren, dass es noch unvorhergesehene Dinge geben kann. Kruithoff warb zugleich um das Vertrauen, „dass wir wirklich unser Bestes geben und unsere ganze Energie aufgewandt haben, um diese Projekte voranzubringen und pünktlich fertigzustellen“. Aber es seien Rahmenbedingungen, die das nicht möglich gemacht haben. Es sei auch nicht selbstverständlich, dass ein Oberbürgermeister bei den 14-tägigen Baubesprechungen persönlich dabei ist. Mitunter habe es aber ganz schneller Entscheidungen bedurft, um überhaupt weiterzukommen.
OB: Bauen ist „nicht vergnügungssteuerpflichtig“
Bei allen großen Projekten der Stadt sei das Bauen im vergangenen Jahr „nicht vergnügungssteuerpflichtig“ gewesen, sagte Kruithoff dieser Zeitung. Die Situation bessere sich voraussichtlich 2023 nicht. Gründe dafür seien unter anderem Preissteigerungen, der Fachkräftemangel und Lieferengpässe.
Die Hersteller von Glas hätten sich beispielsweise angesichts der Entwicklungen beim Erdgas deutlich zurückgenommen. Die Folge sei, dass Fenster und Glaselemente nicht verfügbar seien. „Das sind alles Unwägbarkeiten“, sagte Kruithoff. Beim Festspielhaus habe es damit angefangen, dass das Holz für die Dachkonstruktion nicht geliefert werden konnte. Und so sei es „immer weiter gegangen“.
Festspielhaus soll im März fertig sein
Nach den bisherigen Planungen von Stadt und Kulturevents soll das Festspielhaus am 24. März mit einem Konzert des Symphonieorchesters des Nationaltheaters Prag feierlich eröffnet werden. Weitere Kulturveranstaltungen in dem Haus sind ebenfalls schon fest terminiert. Ursprünglich war unter anderem mal der Juni des vergangenen Jahres als Eröffnungstermin genannt worden. Der Termin hatte sich aber bereits aufgrund von Lieferschwierigkeiten und anderer Probleme mehrfach nach hinten verschoben.
Das ehemalige Neue Theater, das 1972 errichtet wurde, wird seit dem Sommer 2021 „revitalisiert“, wie die Sanierung offiziell heißt. Es entsteht unter anderem ein neues und großzügiges Foyer. Dafür wurde die alte Eingangshalle komplett abgerissen. Auch der Theatersaal wird rundum erneuert, vor allem auch unter energetischen Gesichtspunkten. Die Gesamtkosten waren zuletzt auf knapp fünf Millionen Euro beziffert worden. In dieser Summe sind 220.000 Euro als Puffer für Baukostensteigerungen eingeplant. Das Land Niedersachsen fördert das Projekt mit insgesamt etwa 2,7 Millionen Euro.
In Freibad Borssum soll es Pfingsten losgehen
Im Freibad Borssum sollten nach den bisherigen Planungen die ersten Schwimmerinnen und Schwimmer am 27. Mai, dem Sonnabend vor Pfingsten, ihre Bahnen ziehen können. Es wäre das erste Mal seit 2016 und das Ende eines von vielen Rückschlägen und Hiobsbotschaften geprägten Kapitels der Stadtgeschichte.
Rund 3,6 Millionen Euro sind für die Generalsanierung veranschlagt, ein großer Teil dieser Summe fließt als Zuschuss aus Berlin. Zunächst waren etwa 3,3 Millionen Euro kalkuliert worden. Im Dezember 2021 hatte der Rat weitere 260.000 Euro für das Vorhaben freigegeben und damit die letzte Hürde für das Projekt beseitigt.