Berlin  Wie ExxonMobil die besten Prognosen zur Klimakrise machte - und sie vertuschte

Anneke Rieterken
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Von Anneke Rieterken
| 13.01.2023 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
ExxonMobil wird vorgeworfen, Informationen über die Klimaschädlichkeit von fossilen Brennstoffen vertuscht zu haben. Foto: dpa/Richard Drew
ExxonMobil wird vorgeworfen, Informationen über die Klimaschädlichkeit von fossilen Brennstoffen vertuscht zu haben. Foto: dpa/Richard Drew
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Der milliardenschwere Fossilkonzern ExxonMobil ist einer der weltweit größten Verursacher von CO2. Dabei wusste der Konzern seit den Siebzigerjahren von der Klimakrise. Eine Studie zeigt nun, wie präzise seine Prognosen für die Krise waren – und wie der Konzern das Wissen vertuschte.

Schon seit Jahrzehnten warnen Wissenschaftler vor den Folgen des menschengemachten Klimawandels. Ausgerechnet der Mineralölkonzern ExxonMobil soll Investigativ-Journalisten des Magazins „Inside Climate News“ zufolge schon in den Siebzigerjahren von den Risiken fossiler Brennstoffe gewusst haben. Gemeinsam mit acht weiteren Unternehmen ist der Konzern für rund 20 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Bis in die 2010er Jahre hinein hat ExxonMobil jedoch die menschliche Schuld an der Erderwärmung in Frage gestellt – und damit gezielt Desinformationen gestreut.

Eine im Fachmagazin „Science“ erschienene Studie kommt nun zu der Erkenntnis, dass ExxonMobil „schon vor Jahrzehnten nicht nur ‚irgendetwas‘ über die Erderwärmung wusste - sie wussten sogar so viel wie Wissenschaftler aus Hochschulen und Behörden“, wie es im Bericht heißt.

Die an der Studie beteiligten Forscher der Harvard University und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung analysierten dafür interne Unterlagen und öffentliche Forschungsarbeiten des Konzerns und verglichen diese mit den Erkenntnissen unabhängiger Klimaforscher.

Das Ergebnis: Exxon konnte in seinen Studien, die zwischen 1977 und 2014 publiziert wurden, sehr genau vorhersehen, welche Auswirkungen fossile Brennstoffe auf den CO₂-Anstieg haben und wie dieser die globale Durchschnittstemperatur beeinflussen wird. Stefan Rahmstorf, der an der neu veröffentlichten Studie beteiligt war, erklärte gegenüber der „Zeit“, dass Exxons damalige Prognosen sogar präziser gewesen seien, als die, die der damalige Nasa-Direktor dem amerikanischen Staat vorstellte.

Der Mineralölkonzern soll zudem vorausgesagt haben, dass sich die Auswirkungen der Erderwärmung in den Jahren vor und nach der Jahrtausendwende bemerkbar machen werden. Die Prognose hat sich im Nachhinein als korrekt herausgestellt: Ein derartiger Effekt konnte nämlich laut dem Weltklimarat IPCC im Jahr 1995 erstmalig nachgewiesen werden.

Was die Forscher auch schon vor Jahrzehnten korrekt bestimmt haben ist das CO₂-Budget. Dabei handelt es sich um die zulässige Menge an Kohlendioxid, die insgesamt noch in die Atmosphäre gelangen darf, wenn die Erwärmung des Planeten auf 2 Grad begrenzt werden soll.

Bei der Untersuchung unternehmensinterner Dokumente fanden die Forscher heraus, dass die Strategie von Exxon für die Öffentlichkeitsarbeit lange darin bestand, „die Ungewissheit in den wissenschaftlichen Schlussfolgerungen bezüglich des potenziellen verstärkten Treibhauseffekts zu betonen“. So heißt es in einem internen Schreiben.

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Problematisch daran ist: Den von Exxon beauftragen Wissenschaftlern zufolge war die Ursache für den Klimawandel immer klar. Trotz der klaren Einschätzung durch Experten habe Exxon jedoch bis Anfang der 2010er Jahre die Behauptung kommuniziert, dass der Klimawandel nicht auf den Menschen zurückgeführt werden kann. Zudem habe der Konzern gezielt Desinformationen gestreut – und damit das Wissen über die eigene Verantwortlichkeit für den Klimawandel vertuscht.

Die neu veröffentlichte Studie verhärtet Vorwürfe, die Wissenschaftler, Aktivisten und Journalisten schon lange erheben. Ihr Ergebnis schließt sich denen bereits veröffentlichter Studien an. Bereits in einer Studie von Wissenschaftshistorikern der Harvard Universität hieß es: „Exxon hat leise zur Klimawissenschaft beigetragen und laut zur Klimaleugnung.“

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