Hamburg Brustkrebs – und jetzt? Diese Therapieansätze geben Hoffnung
Jede achte Frau in Deutschland bekommt im Laufe ihres Lebens Brustkrebs. Eine erschreckende Tatsache. Doch dank moderner Behandlungsmethoden steigen die Überlebenschancen. Welche Therapien infrage kommen.
Es ist ein Fall, der viele Frauen sicher nachdenklich macht: Mit nur 56 Jahren ist das Top-Model Tatjana Patitz an Brustkrebs gestorben. Rund 18.500 Frauen in Deutschland erlitten im Jahr 2019 dasselbe Schicksal, wie aus den aktuellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Dazu kamen rund 71.300 Neuerkrankungen. Brustkrebs ist damit hierzulande die häufigste Krebserkrankungen der weiblichen Bevölkerung.
Doch es gibt auch Hoffnung: Moderne Behandlungsmethoden steigern die Überlebenschancen erheblich. Laut Robert-Koch-Institut beträgt die relative 5-Jahres-Überlebensrate 88 Prozent. Auf zehn Jahre gesehen sind es immerhin auch noch 83 Prozent.
Entscheidend ist, um welche Art des Brustkrebes es sich handelt und in welchem Stadium er ist, wie die Deutsche Krebsgesellschaft erklärt. Ist der Tumor gut- oder bösartig? Wie schnell wächst er? Und hat er bereits gestreut, haben sich also Metastasen gebildet? Ist Letzteres der Fall, ist es meist lediglich das Ziel, das Leben der Patientin zu verlängern.
Hat sich das Tumorgewebe noch nicht über die Brust hinaus ausgebreitet, kommt eine operative Entfernung in Frage, klärt der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) auf. Viele Frauen können heute demnach brusterhaltend operiert werden. Ist der Tumor bereits sehr groß, kann er durch eine medikamentöse Therapie im Vorfeld verkleinert werden.
Ist eine Brusterhaltung nicht mehr möglich, kommt es zu einer Mastektomie, der Abnahme der Brust. Aber auch in diesem Fall gibt es dank moderner Verfahren mehrere Möglichkeiten, die Brust zu rekonstruieren – etwa durch Silikonimplantate oder gar per körpereigenes Gewebe.
Um das Rückfallrisiko zu minimieren folgt im Anschluss an eine Operation meist noch eine sogenannte adjuvante Behandlung. Das kann in Form einer medikamentösen Behandlung sein, aber auch in Form einer Chemo- oder Strahlentherapie. Letztere kommt vor allem nach der brusterhaltenden OP zum Einsatz.
Ob eine Chemotherapie folgen sollte, ist angesichts der starken Nebenwirkungen und des Risikos bestimmter Langzeit- und Spätfolgen genau abzuwägen, erklärte Susanne Weg-Remers, die Leiterin des KID, „t-online“: „Diese Entscheidung wird seit etwa zwei Jahren mit Hilfe prognostischer Tests erleichtert.“ Ist das Rückfallrisiko gering, so bleibe der Patientin eine Chemo erspart.
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Bei einer bereits fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung steht laut DKFZ die Linderung von Beschwerden gleichberechtigt neben einer Behandlung, die das Tumorwachstum verlangsamt und weitere Metastasenbildungen verhindert. Hier kommen ebenfalls eine Chemotherapie, eine zielgerichtete Behandlung mit Medikamenten oder eine Antihormontherapie infrage.
Welche Behandlung greift, ist abhängig von den Eigenschaften der Metastasen. Die Antihormontherapie – oder auch Hormonentzugstherapie genannt – setzt beispielsweise an der Bildung beziehungsweise Wirkung des Sexualhormons Östrogen an, das das Wachstum von Krebszellen fördert. Die Behandlungsmethode kommt zum Einsatz, wenn die Tumorzellen Hormonrezeptoren aufweisen.
Auch kombinierte Therapien sind in gewissen Fällen sinnvoll, wie der KID erläutert – zum Beispiel im Falle des Wachstumsfaktors HER-2 auf Brustkrebszellen. Dann kann eine Antihormontherapie gemeinsam mit einer Chemotherapie angewendet werden. Wichtig zu wissen ist, dass es nicht „die eine“ Brustkrebsbehandlung gibt, sondern sich die Ansätze immer individuell nach der Patientin richten.
Eine der neuesten Methoden ist die Immuntherapie. Sie kann das körpereigene Immunsystem dazu bringen, Krebszellen aufzuspüren, die sich sonst „tarnen“ und unentdeckt ausbreiten können. Allerdings warnt KID-Leiterin Weg-Remers, dass diese Methode kein Wundermittel sei: „Die Immuntherapie ist nicht zur Heilung von Brustkrebs geeignet. Sie wird bei metastasiertem Brustkrebs nur in wenigen Situationen eingesetzt.“
Brustkrebs ist laut Expertin eine sehr komplexe Krebserkrankung, doch es gebe auch gute Nachrichten: „Dank der Fortschritte der Medizin ist in den letzten Jahren die Sterblichkeitsrate bei Brustkrebs gesunken – von 30 auf knapp 20 Prozent.“