„Es ging gleich voll los“ Jümmes Bürgermeister hatte ein schwieriges erstes Jahr
Jümmes neuer Samtgemeindebürgermeister wollte vieles verändern. Doch Rekord-Inflation und Energiekrise machten vielen Vorhaben fürs Erste einen Strich durch die Rechnung.
Samtgemeinde Jümme - „Das hier ist eine andere Liga“, sagte Christoph Busboom im Januar – da war er gerade als neuer Samtgemeindebürgermeister von Jümme vom Leeraner Bauamt ins Filsumer Rathaus gezogen. Ein Jahr später gesteht er: „Ich wusste, dass ich beruflich vor meiner bislang größten Aufgabe stand.“ Auf die Frage nach seiner Bilanz der ersten zwölf Monate sagt Busboom: „Ich habe Feuer gelöscht.“ Der Bürgermeister kam in einer Zeit ins Amt, in der Rekordinflation und Energieknappheit auch die Menschen in seiner Samtgemeinde belasten. Das hat akute Folgen für die Themen, bei denen der neue Bürgermeister anpacken wollte.
Was und warum
Darum geht es: Jümmes Samtgemeindebürgermeister hat sein erstes Jahr im Amt absolviert.
Vor allem interessant für: Menschen aus der Samtgemeinde Jümme und solche, die sich für die aktuellen Herausforderungen durch Energiekrise und Inflation interessieren
Deshalb berichten wir: Die Redaktion zieht in diesen Wochen bei den neu gewählten Bürgermeistern im Landkreis Leer eine erste Zwischenbilanz. Den Autor erreichen Sie unter: t.ruemmele@zgo.de
Beispiel Tourismus und Gewerbe: Im November wurde bekannt, dass die Bäckerei Behmann sechs ihrer sieben Filialen aufgrund der drastisch gestiegenen Energiepreise schließen muss. Darunter befand sich mit der Filiale in Nortmoor auch ein wahres Schmuckstück. „Ich war schockiert, als ich das gehört habe“, sagt Busboom rückblickend. Das aufwendig restaurierte Gulfhaus, in den die Bäckerei 2019 einzog, war nicht nur bei Einheimischen, sondern auch bei Touristen sehr beliebt. Besonders im Sommer reihten sich deren E-Bikes vor dem alten Gemäuer. Immerhin: Schnell konnten zwei Nachfolger gefunden werden. Schon in den kommenden Wochen wollen Claudia Mondorf und ihr Mann Christian Mondorf den gastronomischen Betrieb wieder aufnehmen.
Mammutaufgaben für die Verwaltung
Beispiel Bauen: Busboom trat im Wahlkampf mit dem Versprechen an, mehr Bauflächen schaffen zu wollen. Doch die Preise in der Baubranche stiegen zuletzt rapide an. Im ganzen Landkreis Leer brach die Zahl der Bauanträge ein. „Zehn Jahre lang wurden Grundstücke händeringend gesucht“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Auch er habe viele Gespräche mit Grundstückseigentümern und dem Landkreis über mögliche neue Bauflächen geführt. Doch aktuell, so fürchtet er, sei die Nachfrage nicht auf dem Niveau der Vergangenheit. „Wir sind trotzdem dran und versuchen, Flächen zu akquirieren“, sagt Busboom. Es gelte vorbereitet zu sein, sobald die Nachfrage wieder anzieht.
Beispiel Unterbringung von Geflüchteten: Nur wenige Monate nach Busbooms Amtsantritt fielen russische Truppen in die Ukraine ein. Viele Geflüchtete trafen gerade in den ersten Kriegswochen auch in der Samtgemeinde Jümme ein. „Es ging gleich voll los“, erinnert sich Busboom. „Für ein kleines Rathaus wie unseres, war die dezentrale Unterbringung eine Mammutaufgabe.“ Ohne die engagierten Mitarbeiter in der Verwaltung, betont er, sei diese nicht zu bewältigen gewesen. „Ich habe ein ganz tolles Team im Rathaus“, so der Verwaltungschef.
Herausforderungen der Zukunft
Den Respekt, den Busboom bei seinem Amtsantritt vor der neuen Aufgabe hatte, hat er bis heute nicht abgelegt. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass jeden Tag Sonnenschein herrscht“, erklärt er. Oft seien die Arbeitstage lang und Aufgaben brauchen in der Umsetzung länger, als es dem Bürgermeister lieb ist. „Es gab Dinge, von denen dachte ich, ich bekomme sie in ein paar Tagen geregelt, am Ende brauchte es fast ein Jahr“, sagt Busboom. „Aber ich gehe sehr gerne zur Arbeit und ich bin stolz, dass ich diese Aufgabe machen darf.“ Ein erfreulicher Termin steht für ihn am kommenden Wochenende an. Am Sonnabend verleiht die Samtgemeinde auch wieder den „Jümmetaler“ an engagierte Bürgerinnen und Bürger.
Für die Zukunft sieht er seine Verwaltung gut aufgestellt. Es habe Abgänge, aber auch starke Neuzugänge gegeben. Neue Strukturen seien geschaffen worden. Im Rathaus schreite die Digitalisierung immer weiter voran. In der Gemeinde gebe es immer mehr Haushalte mit Glasfaseranschlüssen. Deshalb zieht es auch die Kommunikation der Verwaltung ins Netz. Die Präsenz in den sozialen Medien solle bald stark ausgebaut werden, kündigt Busboom an. „Das ist zeitgemäß“, sagt der Bürgermeister. Zu künftigen Aktivitäten der Samtgemeinde im Netz gebe es bereits konkrete Planungen.
Die stehen bald auch für den Ausbau der Windkraft an. „Das ist für uns ein Riesenthema“, sagt Busboom. Er rechnet damit, dass die künftigen Zielvorgaben der Landesregierung einen weiteren Ausbau im Gemeindegebiet erforderlich machen. „Wir müssen schauen, was genau bei uns möglich ist“, sagt Busboom. Das gelte nicht nur für die Windkraft, sondern auch für Solarenergie.