Schönig kocht Tierisch viel Tierfreies auf dem Teller
Auf Anregung eines Lesers wird in dieser Woche der Veganuary zelebriert. Und das gleich mit einem kleinen Menü.
Wiesmoor - „Wie wäre es, wenn Sie in diesem Monat mal etwas zum Veganuary machen?“, fragte mich ein Leser dieser Serie unlängst freundlich per E-Mail. Und da ich für Freundlichkeit ebenso empfänglich bin wie für neue Ideen, gebe ich diesem Wunsch heute einmal in epischer Breite statt. Gleichzeitig bin ich gespannt, ob dieser Ausflug in die tierfreie Ernährung ähnlich kontrovers diskutiert wird wie meine Beiträge für „Ostfriesland intim“. Denn eine Veganer-Hochburg dürfte Ostfriesland naturgemäß ja eher nicht sein.
„Veganuary kennt Ihr nicht? Macht nix, erklär ich Euch“, würde es jetzt in der Sendung mit der Maus heißen. Die Idee, den Januar als veganen Aktionsmonat zu etablieren, hatte eine britische Veganer-Organisation. 2019 wurde der Veganuary erstmals in Deutschland propagiert, heute machen selbst traditionelle Fleischverwurster wie Rügenwalder beim Veganuary mit. Und jetzt auch ich, zumindest für diese Woche. Und es gibt sogar ein kleines Menü aus Hors d’oeuvres, Salat und Hauptgang.
Appetizer: Vegane Mettbrötchen
Sie haben richtig gelesen: Es gibt eine komplett fleischfreie Version des Brotaufstrichs, der in Ostfriesland auch als Feuerwehr-Marmelade bekannt ist. Dazu werden Reiswaffeln in einer Schüssel zerbröselt und mindestens fünf Minuten in Gemüsebrühe eingeweicht. In der Zeit werden Zwiebeln und Knoblauch fein gehackt und zur Waffelmatsche gegeben. Dazu kommen noch Tomatenmark, etwas Olivenöl und ein Spritzer Sojasauce. Gewürzt wird alles mit Pfeffer, Salz (noch besser Rauchsalz) und Paprika sowie allem, was man persönlich so mag. Dann alles mit der Patschehand durchkneten und für mindestens drei Stunden im Kühlschrank durchziehen lassen. Auf Brötchenhälften streichen und mit noch mehr gehackten Zwiebeln oder Frühlingszwiebeln servieren.
Wie alle veganen Varianten ist auch dieses Mett ein Annäherungsversuch. Es sieht echtem Hack geradezu pervers ähnlich. Es schmeckt auch brauchbar, aber wir können uns auf den Kopp stellen und mit dem Mors Fliegen fangen, es schmeckt nun mal nicht wie Mett. Als Methadon für Fleischaussteiger taugt es aber allemal. Und 100 Gramm pflanzliches Schweinehack haben gerade mal 140 Kilokalorien. Im Kühlschrank hält sich die Hipster-Marmelade mehrere Tage (also länger als das tierische Original), trocknet aber relativ schnell aus und müsste dann eventuell mit etwas Brühe nachbearbeitet werden. Außerdem sollte man nicht weiter darüber nachdenken, dass man sich im Prinzip Reiswaffeln aufs Brötchen schmiert und damit Kohlenhydrate ohne Ende einpfeift. Proteine gibt‘s dann halt mal anderswo.
Ananas trifft Chinakohl voll in die Nüsse
„Chaossalat“ taufte eine Freundin diese Kreation, für die sie zunächst Mandelstifte in der Pfanne anröstete. Parallel wurde ein Chinakohl in Streifen geschnitten und mit Ananasstücken aus der Dose konfrontiert. Der Saft der Dosenfrüchte wurde mit Sojajoghurt vermischt und mit Pfeffer, einem Ideechen Salz und einem Spritzerchen Zitronensaft zum Dressing verarbeitet. Das kam über den Salat und obendrauf die Mandeln.
Rezepte für die Kombination aus Chinakohl und Ananas gibt es im Internet mehrere. Die gerösteten Mandeln hat dort aber keiner auf dem Schirm. In diesem Punkt ist die Freundin dem Web einen Schritt voraus, die das „Karnickelfutter“ mit der fruchtig-frischen Note noch um einen nussigen Charakterzug kongenial ergänzt. Und wem vegan egal ist, der kann statt Sojajoghurt auch Schmand oder saure Sahne verwenden.
Indisch-friesische Crossover-Küche
Einen wärmenden Seelentröster für kalte Tage braucht der Mensch an der ostfriesischen Nordseeküste ebenso wie auf dem indischen Subkontinent. Grünkohl-Curry vereint die Soulfood-Bedürfnisse beider Hochkulturen in einem Gericht. Dazu werden Knoblauch und Ingwer kleingehackt, eine oder beliebig viele Zwiebeln in Ringe, grobe Stücke oder Tetraeder geflext und eine Peperoni kleingeschnitten. Jetzt wird das Ganze in Öl angebraten und mit Curry, Koriandersaat und Kreuzkümmel angeschwitzt.
Dazu kamen bei mir eine frische Gemüsepaprika und ein Boskop sowie Brokkoli und Erbsen aus dem Gefrierschrank. Jetzt habe ich etwas Tomatenmark untergerührt, einen Esslöffel Gemüsebrühe eingestreut, alles mit Mandelmilch abgelöscht und aufgegossen. Dann habe ich irre kichernd noch eine kleine Dose der gleichnamigen Erbsen hinzugeschüttet. Einmal aufgekocht, kann das Curry 20 Minuten auf halber bis Drittelflamme weiterköcheln. In den letzten Minuten kommt ein Spritzer Limettensaft und ein Esslöffel Erdnussbutter dazu. Frischer Grünkohl wurde in Streifen geschnitten und für zwei Minuten mitgedünstet. Ich hatte tiefgefrorenen und hab den einfach zum Schluss reingetan und den Herd ausgeschaltet.
Wie man sich vorstellen kann, sind der Fantasie bei der Curry-Bestückung keine Grenzen gesetzt. Auch Süßkartoffeln, Karotten oder rote Linsen können hier bedenkenlos zum Einsatz kommen und wurden von mir schon je nach Vorratssituation curryfiziert. Als Begleitgetränk käme auf indischer Seite ein Lassi in Betracht, auf friesischer eine gekühlte Gerstenfassbrause aus grünen Flaschen mit goldenem Etikett. Prost und guten Hunger!
1 Packung Reiswaffeln (110 g), 250-300 ml Gemüsebrühe, 2 kleine Zwiebeln, 4 EL Tomatenmark, 1 Zehe Knoblauch, 2 EL Olivenöl, 1 EL Sojasauce, Pfeffer, Salz (noch besser Rauchsalz), Paprika rosenscharf.
1 Chinakohl, 1 kleine Dose Ananas in Stücken, 50 ml Ananasaufguss, 50 g Mandelstifte, 200 ml Sojajoghurt, Pfeffer, Salz
1-2 Zehen Knoblauch, 1-2 Zwiebeln, 1 kleines Stück Ingwer, 1 Apfel (Boskop), 1 rote Peperoni oder Chilischote, 1-2 EL Öl, 1 EL Tomatenmark, 1 EL Gemüsebrühe, ca. 600 ml Mandelmilch, 1 EL Erdnussbutter, 1 Spritzer Limettensaft, 200-300 g Grünkohl, 2 TL Curry, je 1 TL Koriandersaat und Kreuzkümmel, etwas Pfeffer und SalzZutaten für veganes Mett
Zutaten für Chaossalat
Zutaten für Grünkohl-Curry