Container für 480 Leute Ammerland baut für ukrainische Kriegsflüchtlinge ein neues Dorf
Aufgrund der vielen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sieht sich der Landkreis Ammerland gezwungen, die Unterbringung zu zentralisieren. In Edewecht soll ein ganzes Dorf hochgezogen werden.
Edewecht - Es ist ein Neubaugebiet der besonderen Art, das bis zum Frühjahr auf dem Gelände einer ehemaligen Baumschule in Edewecht erschlossen wird – für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine: „Das ,Dorf Edewecht’ soll Wohnraum für 480 Personen, einen zentralen Aufenthaltsbereich, einen Spielbereich für die Kinder und einen Bürotrakt für das Betreiber-, Ordner- und Verwaltungspersonal sowie die ärztliche Versorgung beinhalten“, berichtet die Ammerländer Kreisverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung. „Das Dorf wird aus über 300 Containern bestehen und in jedem Containerkomplex sind neben den Wohncontainern, in denen jeweils vier Personen schlafen können, auch Gemeinschaftsräume vorgesehen.“
Was und warum
Darum geht es: Wie der Landkreis Ammerland sich auf die zunehmende Zahl der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine einstellt.
Vor allem interessant für: Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker
Deshalb berichten wir: Weil auch in Ostfriesland noch mehr Hilfsbedürftige aus der Ukraine erwartet werden. Den Autor erreichen Sie unter: a.ellinger@zgo.de
Der Grund, das „Dorf Edewecht“ zu planen, „war und ist der erhebliche und sich verstärkende Druck, der auf den kreisangehörigen Gemeinden in Bezug auf die Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten für Schutzsuchende lastet“, erläutert die Kreisverwaltung. In einer Mitteilung vom Oktober wird Landrätin Karin Harms zitiert: „Der völkerrechtswidrige Angriffskrieg gegen die Ukraine sorgt in Deutschland für das voraussichtlich zuwanderungsstärkste Jahr seit der Wiedervereinigung.“
Ammerland nimmt mehrere tausend Geflüchtete auf
Aktuell sind im Ammerland laut Kreisverwaltung rund 1500 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen worden. Bis Ende März sollen weitere 1400 Personen, wiederum überwiegend aus der Ukraine, folgen. „Die Lage ist angespannt; der Wohnungsmarkt ist – wie überall – leergefegt“, so der zuständige Dezernent Dr. Thomas Jürgens in einer Mitteilung der Kreisverwaltung vom Dezember. „Um Obdachlosigkeit zu vermeiden, aber auch um nicht noch mehr öffentliche Einrichtungen wie Turnhallen aus der Nutzung zu nehmen, hat der Kreistag im Oktober beschlossen, eine zentrale Unterkunft für geflüchtete Menschen im Ammerland zu schaffen.“
„Weil nicht mehr genügend Wohnraum zur Verfügung steht und um eine drohende Obdachlosigkeit für Schutzsuchende abzuwenden, haben sich der Landkreis Ammerland und die sechs kreisangehörigen Gemeinden entschieden, eine gemeinsame Sammelunterkunft für das Ammerland in der Gemeinde Edewecht zu errichten“, erklärte auch die Edewechter Bürgermeisterin Petra Knetemann in einer Landkreis-Mitteilung. Dabei sei es allen Beteiligten „ein besonderes Anliegen“, dafür Sorge zu tragen, dass nicht noch mehr öffentliche Einrichtungen wie Dorfgemeinschaftshäuser zu Unterkünften für Geflüchtete umfunktioniert werden müssten.
Zentralisierte Unterbringung gilt als nachteilig für Integration
„Besondere Vorteile werden in der Container-Siedlung nicht gesehen, da es stets die Philosophie im Landkreis Ammerland war und ist, dass im Hinblick auf die Integration der Schutzsuchenden immer eine dezentrale Unterbringung angestrebt werden sollte“, schreibt die Kreisverwaltung auf Anfrage. „Das ist aber leider nicht mehr möglich.“ Schon in der Oktober-Mitteilung hieß es: „Wir befinden uns in einer absoluten Notlage und dies ist nicht die perfekte Lösung. Unter diesen Umständen ist es aber die beste, die wir haben.“
Ziel sei es, „möglichst nur ukrainische Geflüchtete dort unterzubringen“, so die Kreisverwaltung bezüglich des „Dorfs Edewecht“. Allerdings könne „nicht ausgeschlossen werden, dass sich die Zusammensetzung der Schutzsuchenden zukünftig so entwickelt, dass weniger ukrainische Vertriebene und mehr Schutzsuchende mit anderen Nationalitäten untergebracht werden müssen, so dass das Dorf Edewecht auch hierfür genutzt werden muss“.
Haben die ostfriesischen Landkreise oder die kreisfreie Stadt Emden ähnliche Pläne? Wir berichten im Laufe des Tages.
Container als Flüchtlingsunterkünfte – auch in Ostfriesland
Flüchtlingssiedlung „Dorf Edewecht“ wird zum Teil verkauft
In Ostfriesland kommen weniger Kriegsflüchtlinge an, als erwartet
Last durch Geflüchtete bleibt in Ostfriesland hoch