Millionenprojekt in Uthwerdum Grundstein für Zentralklinik noch nicht in diesem Jahr
2023 sei Baubeginn für die Zentralklinik in Südbrookmerland, hieß es immer. Doch zumindest aus der Grundsteinlegung wird in diesem Jahr nichts. Ein weiterer Termin ist fraglich.
Südbrookmerland/Hannover - In diesem Jahr wird der Bau der Zentralklinik in Südbrookmerland beginnen, so hatten es der Landkreis Aurich und die Stadt Emden wiederholt angekündigt. Allerdings wackelt dieser Termin gewaltig. Allenfalls die bauvorbereitenden Maßnahmen beginnen voraussichtlich im August oder September, wie die Trägergesellschaft Kliniken Aurich-Emden-Norden auf Anfrage mitteilt. Der Grundstein dürfte erst im nächsten Jahr gelegt werden – wenn überhaupt, denn endgültig beschlossen ist das Jahrhundertprojekt noch nicht. Die Trägergesellschaft nennt als voraussichtlichen Baubeginn für das Zentralklinikgebäude Anfang 2024.
Der Landkreis Aurich und die Stadt Emden planen den Bau einer gemeinsamen 814-Betten-Klinik in Uthwerdum (Gemeinde Südbrookmerland). Sie soll Ende 2028 eröffnet werden und die bestehenden Krankenhäuser in Aurich, Emden und Norden ersetzen. Das Projekt steht und fällt mit Fördermitteln von Land und Bund. Im Juni vergangenen Jahres hatte der Krankenhaus-Planungsausschuss des Landes Niedersachsen beschlossen, dass das Projekt mit 460 Millionen Euro gefördert wird. Das entspricht 81 Prozent der geschätzten Bausumme. Im November hat der Planungsausschuss dies nochmals bekräftigt. Dem Ausschuss gehören Vertreter der Kommunen, der Versicherungen, der Krankenhäuser und der Ärzte an. Vorsitzende ist Sozialministerin Daniela Behrens (SPD).
Keine politischen Zweifel in Hannover
Mit dem Bau der Klinik kann allerdings erst begonnen werden, wenn der offizielle Förderbescheid des Landes vorliegt. „Intensive Gespräche mit dem Land über den genauen Zeitpunkt eines Förderbescheids und die Bereitstellung von Fördergeldern werden geführt“, teilt die Trägergesellschaft mit. Das Sozialministerium in Hannover kann den Termin noch nicht näher eingrenzen. Der Förderbescheid werde im Laufe dieses Jahres erteilt, erklärt Ministeriumssprecher Oliver Grimm. Da in das Projekt auch Bundesmittel aus dem Krankenhaus-Strukturfonds flössen, müsse das mit dem Bundesamt für Soziale Sicherung abgestimmt werden. Die lange Dauer hänge mit den Abläufen in der Krankenhausfinanzierung zusammen, erklärt Grimm. Am politischen Bekenntnis zur Zentralklinik gebe es in Hannover keine Zweifel.
Bereits im Oktober 2021 rollte zum ersten Mal ein Bagger über das Klinik-Grundstück an der Bundesstraße 72. Was damals von Augenzeugen für den Beginn der Bauarbeiten gehalten wurde, waren archäologische Untersuchungen. „Die Trägergesellschaft Kliniken rechnet bis Ende 2022 mit einer Entscheidung über die Förderung des Projektes und plant für 2023 den Baubeginn“, hieß es damals.
Vorfluter muss verlegt werden
Sollte also nun rechtzeitig der Förderbescheid kommen, wird im August/September zumindest mit den Bauvorarbeiten begonnen. Gemeint ist damit, wie die Trägergesellschaft auf Nachfrage erklärt, „unter anderem die Gewässerumlegung für den Vorfluter“. Das Grundstück der Zentralklinik ist von Entwässerungsgräben durchzogen. In Geländesenken sammelt sich regelmäßig Wasser. Die Baufläche wird vom Uthwerdumer Vorfluter gequert, dem Hauptentwässerungsstrang des sogenannten nassen Dreiecks zwischen Westvictorburer Straße, Bundesstraße und Neuer Straße (siehe Grafik). Dieses Gebiet ist für die Entwässerung von großer Bedeutung. Der Vorfluter muss nach Norden verlegt werden, da er der Klinik im Wege ist.
Wie groß ist die Hochwassergefahr für die Zentralklinik? Das wird vom Planungsbüro von Luckwald aus Hameln im Auftrag des Landkreises Aurich und der Gemeinde Südbrookmerland untersucht. Der Diplom-Ingenieur und Landschaftsarchitekt Georg von Luckwald hatte im vergangenen Jahr in einer Ausschusssitzung des Rates Südbrookmerland Entwarnung gegeben: Selbst wenn es in Südbrookmerland zu einem Jahrhunderthochwasser wie im Sommer 2021 im Ahrtal kommen sollte, bliebe die geplante Zentralklinik in Uthwerdum verschont, und auch bei einem Deichbruch würde die Klinik nicht überspült, so seine Kernaussage. Zum Schutz vor Überschwemmung wird das Krankenhaus auf einer zwei Meter hohen Warft errichtet, einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel.
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