Serie „Blick ins alte Emden“ So waren früher die Neujahrsempfänge der Stadt Emden
Vom erlauchten Kreis geladener Gäste zum Open-Air-Bürgerfest: Ein Rückblick auf die Anfänge des Neujahrsempfangs und die Entwicklung in fast fünf Jahrzehnten.
Emden - Der Anzug, die Krawatte und das „kleine Schwarze“ dürften diesmal wohl im Kleiderschrank bleiben: Beim Neujahrsempfang der Stadt Emden sind eher Winterjacke und Strickmütze angesagt. Denn dieses traditionelle Ereignis ist am kommenden Sonnabend erstmals unter freiem Himmel – es sei denn, es sollte unaufhörlich regnen. Es ist die Idee von Oberbürgermeister Tim Kruithoff, diese Veranstaltung in den Stadtgarten zu verlegen. Der Verwaltungschef hatte das schon im November bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes am gleichen Ort verkündet. Inspiriert hat ihn dabei wohl das „Elführtje“ am Silvestertag, bei dem stets Hunderte von Emdern das alte Jahr feucht-fröhlich verabschieden.
Was und warum
Darum geht es: die Geschichte des Neujahrsempfangs der Stadt
Vor allem interessant für: alle Emderinnen und Emder sowie diejenigen, die sich für die jüngere Stadtgeschichte interessieren
Deshalb berichten wir: Anlässlich des ersten „Open-Air-Elführtje“ der Stadt Emden am kommenden Sonnabend im Stadtgarten blicken wir auf die Anfänge und die Enwicklung des Neujahrsempfangs zurück. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Kruithoff blieb aber auch kaum eine andere Wahl. Denn die großen Festsäle stehen diesmal nicht zur Verfügung: Die Nordseehalle wird als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge genutzt, das Festspielhaus am Wall (ehemals Neues Theater) ist noch nicht fertig und in der Johannes-a-Lasco-Bibliothek stehen Umbauten an. Falls das Wetter mitspielt, kommen zwei Wochen nach dem Silvester-Spektakel also erneut voraussichtlich einige Hundert Gäste aus Emden und dem übrigen Ostfriesland im Stadtgarten zusammen. „Open-Air-Elführtje“ haben die Organisatoren aus der Stadtverwaltung diese ganz neue Form des Neujahrsempfangs genannt, zu der alle Bewohner der Stadt eingeladen sind.
Beginn war im Foyer des Neuen Theaters
Das hätte sich der ehemalige Oberbürgermeister Jan Klinkenborg von der SPD wohl nicht träumen lassen, als er im Jahr 1974 diese Zusammenkunft einführte. Veranstaltungsort war damals das Foyer des Neuen Theaters, das vier Jahre zuvor eröffnet worden war. Der Empfang war damals geladenen Gästen aus allen Bereichen des öffentlichen Lebens vorbehalten. Das änderte sich auch unter Klinkenborgs Nachfolger Herbert Alberts (SPD) nicht, der von 1981 bis 1986 Oberbürgermeister der Stadt war.
Erst Alt-Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) öffnete 1987 in seinem ersten Amtsjahr diese Veranstaltung für alle Emderinnen und Emder. Außer Amts- und Würdenträgern sowie Vertretern von Verbänden, Institutionen und Organisatoren folgten anfangs aber zunächst nur wenige „Normalbürger“ dieser Einladung, die über Zeitungsanzeigen verbreitet wurde.
Bernd Bornemann wechselte den Ort
Brinkmann hielt während seiner 25-jährigen Amtszeit am Neuen Theater als Ort der Zusammenkunft fest. Sein Nachfolger Bernd Bornemann (SPD) verlegte das Ereignis wenige Monate nach seinem Amtsantritt erstmals 2012 in die Johannes-a-Lasco-Bibliothek, die diesem Anlass einen festlicheren Rahmen gab. Er tat das bewusst, um einen neuen Akzent zu setzen.
Die Rituale blieben aber über Jahrzehnte lang gleich. Die vier Vorgänger des amtierenden Oberbürgermeisters Tim Kruithoff trugen während des Empfangs die Amtskette und nahmen die Neujahrswünsche fast jedes einzelnen Gastes persönlich entgegen. Meist standen ihnen dabei ihre Ehefrauen zur Seite. Die früheren Neujahrsempfänge erforderten von allen Beteiligten viel Ausdauer. Denn es bildeten sich stets lange Schlangen von Gästen, die den Oberbürgermeistern die Hände schütteln wollten. Weil die Zahl der Besucher wuchs, wurden sie von Jahr zu Jahre länger. In der Johannes-a-Lasco-Bibliothek musste der feierliche Vorbeimarsch deshalb schon in Bahnen gelenkt werden.
Tim Kruithoff, der 2019 zum Oberbürgermeister gewählt wurde, schnitt schließlich die alten Zöpfe ab. Er legte die Amtskette ab, verlegte seinen ersten Neujahrsempfang 2020 in die Nordseehalle und machte aus den bis dahin eher steifen und feierlichen Zusammenkünfte einen Treffpunkt für alle Bürger. Nach nur virtuellen Auftritten während der Corona-Pandemie in den Jahren 2021 und 2022 hofft der Oberbürgermeister nun, wieder vor großem Publikum auf das vergangene Jahr zurückzuschauen und auf 2023 vorauszublicken. Seine Ansprache wird aber wohl etwas kürzer ausfallen. Denn für lange Reden dürfte es im Januar unter freiem Himmel doch etwas zu kalt sein.