Kümmerer für Moormerland Mehr Lebensqualität für Dörfer
Die meisten Ortschaften der Gemeinde Moormerland haben Nachholbedarf. Mit einer neuen Stelle im Rathaus soll für sie nun Fördergeld eingeworben werden.
Moormerland - Einen Kämmerer hat jede Kommune, doch Moormerland soll nun einen Kümmerer bekommen. Dieser soll dafür sorgen, dass die elf Ortschaften der Gemeinde aufgewertet werden. Vorrangig soll das geschehen, in dem der Kümmerer – oder die Kümmerin – sich um das Einwerben von Fördergeld bemüht. Die Gemeinde kann die neue Stelle mit Mitteln aus dem Programm „Zukunftsräume Niedersachsen“ finanzieren.
Was und warum
Darum geht es: Mit fast 125.000 Euro aus dem Regionalministerium in Hannover soll in Moormerland eine Stelle finanziert werden, mit der die Dorfentwicklung gefördert werden soll.
Vor allem interessant für: Einwohner der Gemeinde Moormerland und anderer ländlicher Kommunen
Deshalb berichten wir: Die zuständige Ministerin, Wiebke Osigus, hat den Förderbescheid an Bürgermeister Hendrik Schulz übergeben. Die Autorin erreichen Sie unter: k.lueppen@zgo.de
Den Förderbescheid über 124.195 Euro hat Wiebke Osigus, Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Regionale Entwicklung, am Montag persönlich im Rathaus in Moormerland an Bürgermeister Hendrik Schulz (SPD) im Beisein der Vorsitzenden der Fraktionen von SPD, CDU und Grünen überreicht. Schulz machte bei dieser Gelegenheit deutlich, wie aufwändig das Einwerben von Fördermitteln ist. Als Beispiel wählte er gerade den Antrag auf das genannte Förderprogramm.
Hoher Aufwand für Anträge
Zwei Mitarbeiter hätten jeweils 20 bis 25 Arbeitsstunden mit dem Ausfüllen des Antragsformulars verbracht, so Schulz. Nicht eingerechnet die Vorbereitungen dazu: „Große Städte haben ganze Abteilungen dafür. Aber wir können das nicht leisten.“ Deshalb sei die Stelle wichtig für Moormerland, denn die elf Ortschaften der Gemeinde hätten „riesigen Nachholbedarf“.
Das gilt laut Schulz gerade für die Infrastruktur sowie die kommunalen Gebäude, zu denen beispielsweise Schulen, Kindergärten und Dorfgemeinschaftshäuser gehören. Die Gemeinde strebt nach Angaben des Bürgermeisters an, in Dorfentwicklungsprogramme aufgenommen zu werden. Darin würden die Ortschaften Oldersum, Tergast, Terborg, Rorichum und Gandersum sowie Jheringsfehn, Boekzetelerfehn, Hatshausen und Ayenwolde jeweils zusammengefasst.
Besserer Nahverkehr und Sportanlagen
Veenhusen und Warsingsfehn scheiden aufgrund ihrer hohen Einwohnerzahl für diese Programme aus – für das Zentrum soll daher ein städtebauliches Förderprogramm in Anspruch genommen werden. Ein kürzlich gefasster Beschluss geht bereits in diese Richtung: Die Gemeinde will ein neues Rathaus bauen, das energieautark werden soll.
Für die Ortschaften stellt sich die Gemeinde unter anderem eine Verbesserung der Infrastruktur vor. Die Anbindung an den Nahverkehr müsse verbessert werden, sagte Schulz, der in dem Zusammenhang eine Wiederinbetriebnahme des Bahnhaltepunktes Oldersum erwähnte. Bislang gibt es ein Verfahren für den Bahnhaltepunkt Neermoor. Den Plänen nach sollen Züge ab 2024 dort halten. Weitere Fördermittel sollen in Sportanlagen oder ein Bürger- und Familienzentrum fließen.
Ministerin Osigus freute sich darüber, dass Fördermittel in diesem Fall direkt der Verbesserung der Lebensqualität vor Ort zugute kämen. „Man sieht Ostfriesland immer als intakte Kulturlandschaft. Aber es gibt dennoch Ecken, die unserer Liebe bedürfen.“ Dörfer dürften nicht abgehängt sein, sagte sie bei dem Termin im Rathaus, an dem neben ihr der Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung in Weser-Ems, Franz-Josef Sickelmann, teilnahm. Er bestätigte den großen Aufwand, um in Förderprogramme aufgenommen zu werden.
Moormerland war im Amt unbekannt
„Gemeinden wie Moormerland mit einer so großen Fläche sind besonders förderbedürftig“, sagte Sickelmann. Da verwundert es umso mehr, dass sich Moormerland offenbar in der Vergangenheit nicht so oft um Mittel beworben hat. Schulz berichtete jedenfalls, dass er nach seinem Amtsantritt von mehreren Abgeordneten, die ihn besuchten, dazu aufgefordert wurde, bei Sickelmann in Oldenburg vorstellig zu werden. „Die kennen euch dort gar nicht“, habe man ihm gesagt.
Das hat sich geändert. Der Kümmerer oder die Kümmerin wird wohl häufiger mit dem Amt für regionale Landesentwicklung zu tun bekommen. Die Stelle wird laut Schulz nun zügig eingerichtet und ausgeschrieben. Zwar gibt es wohl im Landkreis Leer so eine Stelle bisher nicht, aber jede Kommune sucht derzeit Fachleute, vor allem für die Bauämter. Darauf machte Landrat Matthias Groote (SPD), ebenfalls Gast bei dem Termin, aufmerksam: „Ich wünsche viel Glück bei der Ausschreibung.“