Nach Übergriffen in Emden  Was zu tun ist, wenn man einen Einbrecher im Haus hat

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 09.01.2023 14:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ein Einbrecher macht sich an einer Haustür zu schaffen. Wenn man mitbekommt, dass jemand in der eigenen Wohnung einbricht, sollte man sich verstecken und die Polizei anrufen. Symbolfoto: Pixabay
Ein Einbrecher macht sich an einer Haustür zu schaffen. Wenn man mitbekommt, dass jemand in der eigenen Wohnung einbricht, sollte man sich verstecken und die Polizei anrufen. Symbolfoto: Pixabay
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In Emden gab es aktuell zwei gewaltsame Einbrüche. Wir haben die Polizei gefragt, wie häufig so etwas ist und wie man sich dabei verhält. Im betroffenen Stadtteil gibt es bald ein besonderes Angebot.

Emden - Aktuell gab es gleich zwei gewaltsame Einbrüche im Emder Stadtteil Port Arthur/Transvaal. Ein 56-Jähriger wurde in der Dodo-Wildvang-Straße niedergeschlagen, als er am Freitagvormittag seine Wohnungstür öffnete, während ein Medikamenten-Abhängiger gerade den Türknauf abschraubte. Das Opfer konnte ins Badezimmer fliehen und verbarrikadierte sich dort, während der Einbrecher in einem Sessel einschlief. Ein 24-Jähriger wurde am Folgetag vormittags in der Dollartstraße in seiner Wohnung zusammen geschlagen, nachdem die zwei Täter eingebrochen waren.

Was und warum

Darum geht es: Auch wenn Ostfriesland relativ sicher ist, sollte man für den Notfall - etwa einen Einbruch - gewappnet sein.

Vor allem interessant für: Menschen, die über ihre Sicherheit nachdenken

Deshalb berichten wir: Am Wochenende war insgesamt in Ostfriesland laut Polizeibericht einiges los. In Emden gab es in einem Stadtteil gleich zwei Vormittags-Einbrüche mit Gewalteinwirkung. Wir haben mit der Polizei über die sichere Verhaltensweise in solchen Fällen gesprochen und im Stadtteil nachgehakt.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion (PI) Leer/Emden, empfiehlt auf Nachfrage ganz klar: Wenn man mitbekommt, dass jemand in die eigene Wohnung einbricht, dann sollte man sich zurückziehen und bestenfalls irgendwo einschließen. Man sollte auf keinen Fall die Konfrontation suchen - insbesondere, wenn der Einbrecher unter dem Einfluss von Drogen, Alkohol oder Medikamenten steht. „Die sind wie in einer anderen Welt“, erklärt sie. Schnell könnte es zur Eskalation kommen. Eventuell sollte man sich aus dem sicheren Raum heraus durch einen Ruf bemerkbar machen. Ein „Ich hab dich gehört“ könnte schon abschrecken, so die Beamtin.

In der Not wird oft erst die Mutter angerufen

Im sicheren Raum sollte man die Polizei unter der Nummer 110 anrufen. „Die meisten Menschen haben ja immer ihr Mobiltelefon bei sich“, erklärt sie. Hat man sein Telefon nicht dabei, dann könne man gegebenenfalls aus dem Fenster klettern und Hilfe holen. Das geht natürlich nur, wenn man nicht höher als im Erdgeschoss ist. Ansonsten müsste man abwarten, bis der Einbrecher wieder weg ist, rät sie.

Das ehemalige Arbeiterviertel Port Arthur/Transvaal war früher verschrien. Heute gibt es eher in Einzelfällen richtig Ärger, meint Oliver van Grieken vom Bürgerverein. Fotos: Ortgies/Archiv
Das ehemalige Arbeiterviertel Port Arthur/Transvaal war früher verschrien. Heute gibt es eher in Einzelfällen richtig Ärger, meint Oliver van Grieken vom Bürgerverein. Fotos: Ortgies/Archiv

Ihrem Eindruck nach passiert es häufiger, dass Betroffene in der Notsituation nicht direkt die Polizei anrufen, sondern eher Familienangehörige oder Freunde. Das war auch im Fall des 56-Jährigen so, der eine Bekannte anrief, die wiederum die Polizei alarmierte. Im Schreckmoment fällt einem die 110 vielleicht nicht ein oder man ruft ganz automatisch eher die eigene Mutter an. „Ganz verkehrt ist das dann ja auch nicht, weil man jemanden alarmiert, der dann reagiert und die Polizei verständigt“, sagt Svenia Temmen. Der Zeitverlust sei meist minimal. „Wichtig ist, dass Hilfe gerufen wird.“

Kein Grundproblem in Port Arthur/Transvaal

Damit man besser für den Notfall gewappnet ist, empfiehlt sie, das Alarmieren der Polizei mit Kindern und auch älteren Menschen häufiger durchzusprechen. Generell seien Einbrüche insgesamt und speziell dieser Art in Ostfriesland eher selten. Die Polizeiinspektion arbeite intensiv daran „örtliche Täter“, also Wiederholungstäter, abzufangen und der Justiz zuzuführen. Das sei im vergangenen Jahr öfter erfolgreich gewesen. „Wir sind an dem Thema immer dran.“ Im frischen Jahr hätten sich bislang auch die Einbrüche nicht wirklich gehäuft. Sie hätten im Moment noch am meisten damit zu tun, von Silvester und Neujahr die Fälle von Körperverletzung abzuarbeiten.

Oliver van Grieken kennt sich im Stadtteil Port Arthur/Transvaal bestens aus. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins. Hier posiert er mit Ottifanten. Im Stadtteil nämlich wuchs Otto Waalkes auf.
Oliver van Grieken kennt sich im Stadtteil Port Arthur/Transvaal bestens aus. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins. Hier posiert er mit Ottifanten. Im Stadtteil nämlich wuchs Otto Waalkes auf.

Darauf angesprochen, ob der Emder Stadtteil Port Arthur/Transvaal ein Einbruchs- und Gewaltproblem hat, verneint Oliver van Grieken das klar. Er ist Vorsitzender des Bürgervereins. Im vergangenen Jahr habe es vielleicht drei, vier Auseinandersetzung bei Privatfeiern nachts gegeben, von denen er gehört hatte. Aber Einbrüche - insbesondere vormittags und mit Gewaltanwendung - seien absolute Einzelfälle. Früher war das ehemalige Arbeiterviertel mal verschrien gewesen. Das sei mit heute nicht zu vergleichen.

Um noch genauer zu erfahren, wie es den rund 5000 Menschen im Ortsteil geht, ist für dieses Jahr eine Umfrage angedacht. In jedem Briefkasten soll eine kleine Karte landen, auf der abgefragt wird, wie wohl man sich fühlt und welche Dinge man eventuell verändern würde. Die Umfrage soll anonym sein, aber man gibt die eigene Straße an. „So können wir sehen, in welchen Straßen es welche Probleme gibt“, erklärt van Grieken. Am 15. April soll außerdem in der Pumpstation, Cirksenastraße 113, ein Präventionskurs stattfinden, der Senioren darüber aufklärt, wie sie sich am besten in bestimmten Situationen verhalten können. Etwa, wenn jemand Unbekanntes anruft oder vor der Tür steht.

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