21 tote Schafe Wann und wie ein DNA-Beweis den Wolfs-Ermittlern hilft
Obwohl man sicher ist, dass ein Wolf für den Tod von 21 Schafen in Grimersum verantwortlich ist, wird weiter auf ein DNA-Ergebnis gewartet. Das sind die Gründe.
Grimersum - Während die Artgenossen wieder munter sind, steht eines von Johann Sjuts‘ Schafen weiter regungslos im Stall. Die Verletzung am Hals erinnert noch an die Attacke vom 22. Dezember. „Es frisst nur wenig und man muss das Futter direkt vor die Schnauze“ halten, sorgt sich der Schäfer aus Norden-Leybuchtpolder auf Nachfrage unserer Zeitung. „Es kann sein, dass auch dieses Tier noch sterben wird“, befürchtet er. Es wäre dann schon das 22. seiner Schafe, das durch einen Wolfsangriff bei Grimersum zu Tode kommt.
Was und warum
Darum geht es: DNA-Spuren können nützliche Informationen liefern und werden manchmal auch für Entschädigungen gebraucht. Immer notwendig sind sie allerdings nicht.
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Deshalb berichten wir: Wir hatten in einem anderen Medienbericht gelesen, dass im Falle der gerissenen Schafe in Grimersum angeblich ein DNA-Ergebnis vorliegt und selbst einmal nachgehakt. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Während der Feiertage sei er zwei Mal pro Tag und zwei mal pro Nacht rausgefahren, um mögliche weitere Risse zu verhindern. Das habe für 100 Euro an Fahrkosten gesorgt. Nun kontrolliere er nur noch einmal pro Tag. Immerhin muss sich Sjuts auch noch um vier weitere Herden in der Gegend kümmern und seit Weihnachten hatte es keine weiteren Risse mehr in der Gegend gegeben.
DNA-Ergebnisse stehen noch aus
Schon nach wenigen Tagen wurden die Grimersumer Risse auch von den Behörden offiziell auf den Wolf zurückgeführt. „In manchen Fällen ist die Spurenlage sehr eindeutig“, sagt nun auf Nachfrage Wolfgang Ehrecke, Sprecher der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Beispiele können Pfotenabdrücke oder Kehlenbisse sein. So etwas werde dann direkt zum Umweltministerium beziehungsweise zu dessen Wolfsbüro gemeldet.
Dennoch nehme der im Falle von Nutztierrissen von der Landwirtschaftskammer entsandte Förster auch in offensichtlichen Fällen immer DNA-Proben, über deren Verwendung dann das niedersächsische Umweltministerium entscheide. Ergebnisse zu dem Vorfall in Grimersum liegen – anders als in einem anderen Medienbericht behauptet – allerdings noch nicht vor, worauf auf Nachfrage die Ministeriumssprecherin Jorid Marlene Meya hinweist. Auch im Falle der anderen Risse in der Region stünden die Ergebnisse noch aus. So waren am 23. Dezember in Emden-Wybelsum zwei Ziegen getötet worden, am Folgetage zwei Schafe in Schirumer Leegmoor sowie fünf in Blaukirchen, wo zwei weitere Tiere noch als vermisst gelten.
Auskunft über Rudelbildungen
Dass genommene DNA-Proben auch untersucht werden, komme nicht jedes Mal vor. Das hänge davon ab, ob die Tierhalter den Nachweis für Ausgleichszahlungen benötigen. Dabei können die Ergebnisse auch „Auskunft über das Wanderverhalten und über mögliche Rudelbildungen geben“, so Ehrecke. Ebenso können sie hilfreich bei der Untersuchung sein, wenn ein gerissenes Tier erst nach längerer Zeit gefunden wird und auch schon zum Beispiel Marder oder Füchse davon gefressen haben. Allerdings seien die Möglichkeiten der DNA-Analyse dahingehend begrenzt. Irgendwann sei das Fleisch aufgefressen und nur noch die Knochen bleiben übrig. Der Sprecher betont in diesem Zusammenhang, wie wichtig es ist, dass Passanten, die gerissene Tiere oder Wölfe sehen, ihre Sichtungen ans Wolfsbüro melden.
Ministeriumssprecherin Meya ergänzt, dass es „extrem schwierig“ sei, eine Aussage dazu zu treffen, ob einer oder mehrere Wölfe auf der Grimersumer Weide gejagt haben. DNA-Probe hin oder her. Allerdings: „In Einzelfällen kann anhand der vorliegenden Indizien [...] eine gewisse Aussage hierzu getroffen werden.“ So könnten Trittsiegel, Rissbilder, Wildkamera-Aufnahmen oder Beobachtungen zusammen mit dem DNA-Ergebnis das Gesamtbild erweitern.
Zudem macht die Sprecherin weitere Anmerkungen zu dem besagten Medienbericht, in dem es auch um das vermeintlich bereits vorliegende DNA-Ergebnis geht. Sie kann nicht bestätigen, dass es zwischen dem 19. und 25. Dezember angeblich auch zwei Wildtierrisse im Landkreis Aurich gegeben hat. Stattdessen wurde im Dezember ein Wildtierriss gemeldet, der sich aber als „Schaden an Hausgeflügel“ herausstellte. „Eine Rissmeldung eines tatsächlichen Wildtieres liegt uns nicht vor.“ Indes bestätigt sie für den Dezember sechs Wolfssichtungen aus dem Landkreis Aurich, von denen eine als Nachweis bewertet wurde. Einen weiteren Nachweis gab es im Landkreis Wittmund.