Osnabrück Endlich mehr Aufmerksamkeit für Kunstvereine in Niedersachsen
Niedersachsen bleibt knapp unter einer Million. Aber der Etat für die Kunstvereine im Land bewirkt trotzdem viel. Die Macher fühlen sich ernst genommen. Was sagt die Basis zum Geld aus Hannover?
Kleiner Betrag, große Freude: „Die frohe Kunde erreichte uns vor Weihnachten“, sagt Elisabeth Lumme, Vorsitzende der Gesellschaft für zeitgenössische Kunst in Osnabrück. Mit gerade einmal 16000 Euro nimmt die Gesellschaft, die in Osnabrück den Ausstellungsraum hase 29 betreibt, nur ein bescheidenes Stückchen vom großen Kuchen mit.
Niedersachsen fördert die Kunstvereine im Bundesland mit insgesamt 915000 Euro. Wichtiger als der Geldbetrag ist das Qualitätssiegel, das sich mit der Förderung verbindet. „Damit können wir uns bei anderen Förderern empfehlen“, macht Elisabeth Lumme deutlich.
Die Macher der rund 300 Kunstvereine in der Bundesrepublik müssen geschickte Jongleure sein, wenn es um ihre Etats geht. Öffentliche Gelder, Mitgliedsbeiträge, Projektmittel – die Budgets speisen sich aus vielen Quellen. Jetzt stöhnen viele Kunstvereine unter den Lasten von Energiekrise und Inflation.
Zudem macht der Generationenwechsel bei den Mitgliedern Probleme. „Viele Kunstvereine suchen gerade nach neuen Mitgliedern“, sagt Meike Behm, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Kunstvereine (AdKV). Nach ihren Worten gibt es einen Umbruch bei den Mitgliedern: „Das Bildungsbürgertum verändert sich“. Mitglieder sichern mit ihren Beiträgen aber die Basisfinanzierung der Vereine. 120000 Menschen sind in den 300 Kunstvereinen Deutschlands organisiert. Kunst für wenig Geld – das ist die Devise. „Schüler und Studenten zahlen bei uns zwölf Euro im Jahr“, sagt Behm für ihren Kunstverein in Lingen.
Behm verweist zudem auf die Bildungsfunktion der Kunstvereine. „Sie sind wichtiger denn je für die Gesellschaft“, sagt Behm, die mit dem Lingener Kunstverein die Kunsthalle der Stadt im Emsland bespielt. Sie klingt in diesem Augenblick wie Niedersachsens Kulturminister Falko Mohrs, der Kunstvereine als „Orte der Begegnung und der gesellschaftlichen Debatten“ lobt.
An der Basis erscheint das Fördervolumen des Landes ausbaufähig zu sein. Nach den Worten der Osnabrückerin Elisabeth Lumme zeigt die Landesförderung, dass das Flächenland Niedersachsen mehr und mehr seine Kunstvereine entdeckt. Und Meike Behm findet, dass die Kunstvereine in der Kulturpolitik besser gehört werden, seitdem sie die deutsche Unesco-Kommission auf ihre Liste des wichtigen Kulturgutes genommen hat.
Auffällig in Niedersachsen: Die Förderung der Kunstvereine konzentriert sich auf den Raum um Hannover und Braunschweig und auf etablierte Größen. Mit 140000 beziehungsweise 110000 Euro vereinen die Kunstvereine von Hannover und Braunschweig rund ein Viertel der gesamten Förderung auf sich – bei 24 Positionen auf der Liste. Weitere größere Beträge gehen nach Göttingen (61000 Euro), Langenhagen (41000 Euro) oder Oldenburg (51000 Euro).
Mit 60000 Euro darf allerdings auch die Kunsthalle Osnabrück rechnen. 32000 Euro streicht die Städtische Galerie Nordhorn ein, 29000 die Städtische Galerie Delmenhorst, allesamt Beispiele dafür, dass aus dem Landesbudget auch Ausstellungshäuser gefördert werden. Dagegen nehmen sich die 16000 Euro für die Gesellschaft für Zeitgenössische Kunst in Osnabrück bescheiden aus. Egal. Für Elisabeth Lumme zählt Qualität: „Wir haben offenbar die strenge Jury überzeugt“.