Hamburg  Puma: Wie groß sind die Probleme beim neuen Schützenpanzer wirklich?

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 06.01.2023 16:16 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Rüstungssparte hält Rheinmetall auf Wachstumskurs Foto: dpa
Rüstungssparte hält Rheinmetall auf Wachstumskurs Foto: dpa
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Der alte „Marder“ gewinnt an Bedeutung und soll jetzt sogar in der Ukraine helfen. Bei dem neuen Schützenpartner „Puma“ ringen Industrie und Ministerium weiter um die richtige Problem-Benennung. An der theoretischen Überlegenheit des Panzers gibt es dabei wenig Zweifel, wie ein Vergleich zeigt.

„Kleinere und mittlere, aber auch einzelne schwerwiegendere Schäden.“ So nennt das Bundesverteidigungsministerium jene Probleme, die zum Ende des vergangenen Jahres beim neuen Schützenpanzer Puma auftraten. Jene Mängel, die dafür sorgten, dass diese Panzer kurzerhand nicht einmal zur Very High Readiness Joint Taskforce durften, die Deutschland seit Beginn des Jahres anführt.

Mittlerweile sollen 17 der 18 ausgefallenen Pumas wieder repariert sein, wie das Verteidigungsministerium weiter mitteilt. Dennoch brauche es weitere Untersuchungen, „sie betreffen Hochwertteile sowie einen Brandschaden“, heißt es ohne große Erläuterungen.

Den Obleuten des Verteidigungsausschusses war später als angekündigt bereits ein gerade mal zweiseitiger Schadensbericht vorgelegt worden. Der Umfang sorgte nach Angaben von tagesschau.de nicht nur bei Unionspolitikern, sondern auch beim Koalitionspartner Grüne für Kritik.

„Diesen Bericht kennen wir nicht, wir können uns zu den Details daher nicht äußern“, teilte ein Sprecher des Puma-Herstellers Rheinmetall unserer Redaktion mit. Der Rüstungskonzern, der 2009 mit dem Puma nach eigenen Angaben den bis dahin größten Einzelauftrag der eigenen Geschichte an Land zog, war dem Ministerium mit einer eigenen Bewertung bereits zuvorgekommen.

„Bagatellen“ wurden die Mängel Anfang der Woche genannt. Nur ein Fahrzeug bräuchte wegen eines Kabel-Schwelbrandes eine umfangreiche Reparatur. Ob die Schäden durch Wartungs- oder Bedienungsfehler von Soldaten entstanden, ließ das Unternehmen offen. Nach einem Bericht vom Buisness Insider sollen die Soldaten gar direkte Hilfe aus der Industrie abgelehnt haben

Derartig entspannt werden die Mängel in Berlin nicht gesehen: „Für ein kriegstaugliches System muss der Puma robust und zuverlässig sein“, mahnt das Ministerium. Eine Anfrage der Redaktion, ob die nun wieder reparierten Pumas doch noch zur schnellen Eingreiftruppe der NATO fahren, blieb bislang unbeantwortet. 

Dass Deutschland sich aktuell mit 28 alten Schützenpanzern vom Typ Marder statt der hochmodernen Pumas präsentiert, sorgte bereits für Spott. Denn obwohl sich der Marder bereits seit 50 Jahren bewährt, gilt sein Nachfolger als in allen entscheidenden Bereichen klar überlegen. Neben einem besonders leistungsfähigen Motor und der besseren Panzerung wird auch das größere Kaliber genannt.

Im Gegensatz zum Marder ist es beim Puma stabilisiert, so dass auch während der Fahrt geschossen werden kann. Der Marder muss für Feuer meist anhalten. Es „erhöht sich die Kampfreichweite und die Wirkung im Ziel wird verbessert“, wirbt Hersteller Rheinmetall.

Der Konzern Rheinmetall betont auf Anfrage, dass die 17 reparierten Puma-Fahrzeuge wieder fahrbereit seien. Eine Einsatzbereitschaft dürfe der Hersteller selbst den Panzern jedoch gar nicht attestieren. Das darf nur die Bundeswehr.

Die Mitteilung des Verteidigungsministeriums legt zumindest nahe, dass die Bedienung noch zu kompliziert ist. Das neue „Mutterschiff der Panzergrenadiere“ gilt als Hightech-Fahrzeug voller Elektronik, mit dem sich unter anderem dank digitaler Landkarte alle Mitglieder einer Einheit vernetzen können.

Als „Computer auf Ketten“ wurde er von der Neuen Züricher Zeitung bereits bezeichnet, der vom klassischen Panzermechaniker kaum noch zu reparieren ist.

„Derzeit kann das System nur in einem eng verzahnten System aus Truppe, Heeresinstandsetzungslogistik, Projektleitung und Industrie betrieben werden“, heißt es. Von der grundsätzlichen Leistungsfähigkeit sei man dennoch weiter überzeugt. Ein Spitzengespräch von Industrie, Truppe und Ministerium soll „zeitnah“ Klärung bringen, wie es mit dem Puma weitergehen kann.

Es ist nicht das erste Mal, dass der einst als „modernste Schützenpanzer der Welt“ vorgestellte Puma auf die Ersatzbank muss. Seit der Bestellung 2009 gab es immer wieder kleine und große Pannen. Politisch reicht die Geschichte noch weiter zurück. Vor mehr als 30 Jahren galt es als politischer Wille, den altgedienten Marder durch einen Nachfolger zu ersetzen. Als Großgerät des Heeres, das entscheidend für die Schlagkraft ist. Doch aktuell muss diese Rolle weiter der mehr als 50 Jahre alte Oldtimer ausfüllen.

Der ist dank vieler Nachrüstungen zwar nicht mehr auf dem technischen Stand der Siebzigerjahre, unter anderem die Motorleistung musste aufgrund immer höherer Lasten nachgerüstet werden, um die Mobilität nicht zu sehr einzuschränken. Die Nutzungsdauer ist mittlerweile wegen der Puma-Pannen bis 2030 verlängert worden. Einer der Profiteure: Rüstungskonzern Rheinmetall, der nach eigenen Angaben mehr als 70 Fahrzeuge für 110 Millionen Euro modernisiert.

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