Berlin  „Das Thema ist durch“: Warum wir die Gletscher trotz Klimaschutz nicht retten können

Anneke Rieterken
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Von Anneke Rieterken
| 06.01.2023 15:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Gletscher weltweit sind vom Klimawandel bedroht. Foto: imago-images/Sergi Reboredo
Gletscher weltweit sind vom Klimawandel bedroht. Foto: imago-images/Sergi Reboredo
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Wasserknappheit, tödliche Eislawinen, steigende Meeresspiegel. Das ist nur ein Teil der Auswirkungen der fortschreitenden Gletscherschmelze. Eine neue Studie bestätigt: Mindestens die Hälfte der Gletscher wird verloren gehen.

Unglücke wie der Gletscherabbruch in den Dolomiten im Sommer 2022, bei dem in Italien mehrere Menschen ums Leben kamen, zeigen: Die zunehmende Gletscherschmelze wirkt sich nicht nur auf Flora und Fauna aus, sondern stellt auch eine ernsthafte Bedrohung für Menschen dar.

Eine im Fachjournal „Science“ veröffentlichte Studie bestätigt nun, dass fast 50 Prozent der Gletscher bis 2100 schmelzen wird – auch wenn es gelingt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu beschränken. Wenn lediglich das im Pariser Klimaabkommen vereinbarte Zwei-Grad-Ziel eingehalten wird, könnten sogar 70 Prozent der Gletscher verschwinden.

Den Studienerkenntnissen zufolge besteht demnach ein linearer Zusammenhang zwischen dem durchschnittlichen Temperaturanstieg und der Intensität der Gletscherschmelze.

Aktuell wird bis Ende des Jahrhunderts ein Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad prognostiziert. Die Forscher gehen davon aus, dass Gletscher in diesem Szenario vielerorts ganz verschwinden werden. Auch die europäischen Alpen wären von dem gänzlichen Gletscherschwund betroffen.

Für die verbleibenden vier deutschen Gletscher sieht der Glaziologe Olaf Eiser jedoch bei keinem der Erderwärmungs-Szenarien Hoffnung. „Das Thema ist durch“, äußert der Forscher vom Alfred-Wegener-Institut.

Forscher weltweit sind sich einig, dass der menschengemachte Klimawandel die Ursache für das Gletschersterben darstellt. Die Kombination aus schneearmen Wintern, trockenen und heißen Sommern sowie das gehäufte Auftreten von Sahara-Staub, der sich auf den Gletschern ablegt, begünstigt das Schmelzen.

Im Normalfall schützt eine Schneedecke das Gletschereis vor Sonneneinstrahlung und reflektiert das Sonnenlicht. Je dünner diese schützende Schicht ausfällt, desto schneller schmilzt das Gletschereis. Saharastaub, der sich auf der Gletscheroberfläche ablegt, begünstigt das Abschmelzen zusätzlich, da die Gletscheroberfläche durch die Staubpartikel dunkler wird. Weil der Gletscher so mehr Sonnenlicht absorbiert, erwärmt sich die Schneedecke schneller und lässt das darunter liegende Eis schmelzen.

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In der Schweiz kommt eine besondere Technik zum Einsatz, die diese verwundbaren Eisdecken schützt. Um zumindest einen Teil des Eises vor dem Schmelzen zu bewahren werden weiße Textilplanen auf die Gletscheroberflächen gelegt, die das Sonnenlicht reflektieren sollen. Diese Methode ist zwar nicht in großem Stil umsetzbar, trägt jedoch im Kleinen zu einem Schutz der Gletscher bei.

Auch wenn die neu veröffentlichte Studie ernüchternde Ergebnisse liefert, unterstreicht das Forscherteam, dass es durchaus möglich ist, die Schmelze durch sofortige und umfassende Klimaschutz-Maßnahmen auf globaler Skala mittelfristig zu verlangsamen.

Huss erklärt: „Auch wenn wir die Gletscher nicht so retten können, wie sie aktuell aussehen, bewirkt jedes Zehntelgrad eingesparter Erwärmung einen geringeren Rückgang und damit auch geringere negative Auswirkungen.“

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