Protest geht weiter Emder Politik schaltet sich nach Schließung der Bewegungsbäder ein
Während in Norden Unterschriften für den Erhalt des Klinik-Bads gesammelt werden, meldet sich in Emden eine Fraktion mit einem Antrag. Die Trägergesellschaft zeigt sich indes offen für eine Lösung.
Emden/Norden/MON/HEI - Sie wollen noch nicht aufgeben: Weil die Bewegungsbäder in den Kliniken in Emden und Norden überraschend zum Jahreswechsel geschlossen wurden, wächst der Protest der Rheuma-Liga in den beiden Städten. Denn: Für an Rheuma erkrankte Menschen ist Wassergymnastik in den besonders erwärmten Bädern eine wichtige Therapie gegen die Schmerzen. In Emden haben zuvor rund 120 Betroffene wöchentlich das Kurs-Angebot genutzt, in Norden sogar gut 210.
Nun schaltet sich die Emder Politik ein: Die Wählergemeinschaft Gemeinsam für Emden (GfE) hat aktuell den Antrag bei der Stadtverwaltung gestellt. „unverzüglich einen runden Tisch mit allen Protagonisten zum Thema ‚Bewegungsbad im Emder Krankenhaus‘ einzurichten, mit dem Ziel, den Vereinen und Gruppen, die bis dato das Bewegungsbad im Emder Krankenhaus nutzten, dieses so schnell wie möglich weiterhin zu ermöglichen“. Dass so kurzfristig die Entscheidung zur Schließung gefällt wurde und dass die Emder Ratsfraktionen nicht im Voraus darüber informiert wurden beziehungsweise darüber beraten durften, kritisiert die Fraktion als nicht bürgerfreundliches Verhalten.
Externer Betreiber wird gesucht
Die Verantwortlichen der Kliniken hatten beschlossen, dass die hauseigenen Bewegungsbäder zum 1. Januar 2023 geschlossen werden. Dies wurde von der Lenkungsgruppe für die Kliniken gebilligt, teilt die Trägergesellschaft mit. Die Bäder hätten seit geraumer Zeit keine relevante Bedeutung mehr für die stationäre Versorgung und würden beinahe ausschließlich für die Nutzung durch externe Vereine und Selbsthilfeorganisationen (drei in Emden, eine in Norden) betrieben. Die erheblich steigenden Betriebskosten, insbesondere durch das Aufheizen der kleinen Becken, stünden in keiner tragbaren Relation. Laut Trägergesellschaft ist die Nutzung nach der pandemiebedingten Schließung auch deutlich zurückgegangen und die Belegung in Emden hatte nur noch bei einem Drittel der Vorpandemie-Zeit gelegen. Die verbliebenen Nutzer hätten zudem die Zeiten reduziert, so dass die Bäder noch weniger Erlös erzielten.
Ins Gespräch gebracht wurde in Norden schon, ob nicht ein externer Betreiber der Bäder eine mögliche Lösung wäre. Auf Nachfrage bei der Trägergesellschaft erklärt diese: „Natürlich sind wir sehr daran interessiert, wenn ein externer Betreiber das Bewegungsbad kostendeckend und ohne Störung der betrieblichen Abläufe anmieten möchte.“ Aber: Bislang sei noch kein Interessent auf sie zugekommen. Für seriöse Gesprächsanfragen seien sie aber „immer verfügbar“, so Sprecherin Annika Weigelt.
Normale Schwimmbäder sind meist zu kalt
Die Emder Rheuma-Liga stehe auf der Suche nach Lösungen bereits in Gesprächen mit der Stadt, sagte Dieter Bruns als stellvertretender Liga-Leiter in der vergangenen Woche dieser Zeitung. Auf Nachfrage bei der Stadt, ob das schon etwas ergeben hat, erklärt Sprecherin Theda Eilers, dass man erst in der kommenden Woche etwas dazu sagen könne.
Alternativ auf Schwimmbäder in der Region zurückzugreifen, erweist sich indes als schwierig. Die Emder Friesentherme etwa könnte der Rheuma-Liga nur eine Stunde pro Woche anbieten. Außerdem sei dort das Wasser zu kalt, . „Wir brauchen eigentlich Temperaturen oberhalb von 28 Grad“, so Bruns. Auf Nachbarorte wie Norden, Greetsiel oder Pewsum könne man ebenfalls nicht ausweichen und Hotels mit eigenen Bädern gebe es immer weniger. Eine Ausnahme stelle das Hotel Novum in Hinte dar. Dort seien derzeit noch zwei weitere Gruppen der Rheuma-Liga untergebracht. Man hoffe darauf, dass das Bad für sie auch trotz steigender Energiepreise geöffnet bleibe.
In Norden werden indes derzeit Unterschriften für die Wiedereröffnung des Bades in der Ubbo-Emmius-Klinik gesammelt. „Wir geben die Hoffnung nicht auf“, sagte die Norder Liga-Leiterin Linda Kruse-Zuther. Für diese vielen Teilnehmer ein neues Bad zu finden, gestalte sich nämlich als sehr schwierig, bestätigte auch sie. Und: Trockengymnastik, die in Norden und Emden ebenfalls angeboten wird, sei längst nicht so effizient wie die Therapie im warmen Wasser. Zudem müsste ein Arzt dem Patienten für den Wechsel eine neue Verordnung ausstellen.