Kärnten „Auf Einheimische konzentrieren“: Restaurant schließt Araber, Veganer und Hippies aus
Fällt das noch unter eigenes Hausrecht? In Österreich sorgt ein Wirt mit knallharten Aussagen für Furore. Er will künftig nur noch Einheimische bedienen.
Es sind Worte, die eine hitzige Debatte über Rassismus und Ausgrenzung in Österreich angestoßen haben. Worte, die bei zahlreichen Menschen für Kopfschütteln sorgen. Worte, die viele Fragezeichen beim Lesen auslösen. Die Rede ist von Stefan Lercher, seines Zeichens Wirt des Restaurants „Peppino“ in Kärnten. Ein beliebter Ferienort, nicht nur für Deutsche. Doch Touristen sind fortan nicht mehr erwünscht. Eigentlich möchte er nur noch Einheimische in seinem Restaurant sehen.
„Veganer, Hippies, Ökos und Araber ausgeschlossen“, schreibt der „Peppino“-Wirt Lercher in seiner Instagram-Story. „Hiermit möchten wir euch allen mitteilen, dass unser Restaurant am 16. Januar 2023 geschlossen wird und am 19. Januar 2023 mit sechs Tischen für unsere Stammgäste und Einheimische wiedereröffnet wird.“
Das Lokal verkleinert sich also. Für den Betreiber Grund genug, Regeln aufzustellen, wer dort essen darf und wer nicht.
Bestimmte Menschengruppen werden also pauschal ausgeschlossen. Eine Tatsache, die für mächtig Kritik sorgt. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Auf Instagram hagelt es Kritik unter jedem Beitrag.
„Bei Rassisten essen wir nicht!“, „Eigentlich ist es anmaßend, sich an dem kulturellen Gut und Speisen anderer Kulturen zu bedienen und die Menschen selbst auszusperren“, und „Ich hoffe sehr, dass eure Aktion rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen wird“ sind nur drei von etlichen Antworten. Am Donnerstag löschte der Wirt den neuesten Beitrag auf Instagram. Dafür erntet er unter anderen Beiträgen weiterhin Kritik:
Und Lercher selbst? Der bleibt bei seinen Aussagen. Nicht nur das, er postet eifrig österreichische TV-Beiträge, die Lerchers Aktion thematisieren. Auch lässt er sich nicht nehmen, mit österreichischen Medien über seine fragwürdigen Gast-Kriterien zu sprechen - und diese zu verteidigen.
„Ja, mir reicht es. Wer je mit diesen Gästen zu tun hatte, weiß wovon ich rede. Wir hatten zuletzt Gäste aus dem arabischen Raum, die ihr Kind samt dreckigen Schuhen mitten im Lokal auf den Tisch gestellt haben und meine Kellnerin dann beleidigen, weil sie sagt, sie sollen das unterlassen“, sagt er im Gespräch mit dem „Kurier“.
Er hätte keine Nerven mehr für Diskussionen mit Gästen. „Das Leben für die Gastronomie macht mürbe. Ich werde mich auf die vielen Stammgäste und Einheimischen konzentrieren“, sagt Lercher in der „Kleinen Zeitung“.
Konkret heißt das: Auch Touristen seien nicht erwünscht. Kärnten lebt vom Tourismus, bei Deutschen ist die österreichische Region beliebt. Lerchers Instagram-Story sei laut eigener Aussage bei einem Glas Wein aus Wut heraus entstanden. Zu seiner Kernaussage stehe er im Nachhinein trotzdem.
In seine Entscheidung sei auch der Personalmangel und mangelnde Unterstützung seitens der Gemeinde geflossen. Was Lercher genau mit Letzterem gemeint hat, bleibt sein Geheimnis. So oder so: Der generelle Ausschluss von gewissen Menschengruppen könnte aus rechtlicher Sicht ein Nachspiel haben. Das Hausrecht, dass Lercher ohne Frage für sich in Anspruch nehmen kann, dürfte obsolet sein, wenn seine Aussagen in die Kategorie „Diskriminierung“ fällt.
„Eine Einschränkung des Angebots aufgrund von Ethnien ist nicht machbar, das ist eine klare Diskriminierung“, bestätigt Wirtesprecher in Kärnten dem „Kurier“. Gäste dürften nicht aufgrund von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit oder Religion zurückgewiesen werden, pflichtet ihm Guntram Jilka, Fachgruppengeschäftsführer für Gastronomie in der Wirtschaftskammer Kärnten in der „Kleinen Zeitung“ bei.
Stefan Lercher schließt gewisses Klientel aus:
Auch ohne Verfahren vor einer Gleichbehandlungskommission ist der Ruf des „Peppino“ dahin. Auf Google kassiert das Restaurant stündlich etliche schlechte Bewertungen. Die Bewertung auf Google liegt nur noch bei 3,1 Sternen. Ein-Stern-Bewertungen mit Kommentaren wie „absolut unsympathische Geschäftsleitung und sehr schwacher Service“ und „schmeckt nicht. Ich gehe lieber beim Araber essen“ häufen sich.
Allerdings fällt auf: Auch vor den Aussagen von Lercher hatte es diverse Bilder von angebrannten Pizzen samt schlechter Bewertungen auf Google gegeben. Die Ausgrenzung von Arabern, Touristen und Veganern dürfte das Image des Lokals auch nicht auf die Erfolgsspur bringen.