Dezember-Wetter in Ostfriesland  Auf Wintereinbruch folgt die Weihnachtsdepression

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 04.01.2023 16:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Der Dezember bescherte Ostfriesland einen eisigen Spätherbst und – Meteorologen sagen – eine Singularität: die Weihnachtsdepression. Im Volksmund würden es viele nassgraues Mistwetter nennen.

Emden - Mit knackig kalten Nächten und Bodentemperaturen bis unter -12 Grad hat der Dezember noch vor dem kalendarischen Winteranfang die neue Jahreszeit eingeläutet. Dass der Monat trotz tagelangen Frosts in Ostfriesland um durchschnittlich 0,5 Grad zu warm ausfiel, ist einer Trendwende bis Weihnachten zuzuschreiben. Der Anstieg der Temperaturen gipfelte am Silvestertag in frühlingshaften 14,7 Grad. Auch deswegen spricht Jörg Deuber, Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD), bei der Auswertung der Monats-Statistik von einem sehr ungewöhnlichen Monat.

Es komme „nicht so oft vor“, so Deuber, dass sich der Winter derart früh und verhältnismäßig ausdauernd in Ostfriesland bemerkbar macht. Vom 9. bis einschließlich 18. Dezember lagen die Temperaturen im Tagesmittel durchgehend unter dem Gefrierpunkt. Am durchschnittlich kältesten war es mit -5,1 Grad am Mittwoch, 14.. Es war zugleich der Tag mit den niedrigsten gemessenen Temperaturen und einer von insgesamt drei sogenannten Eistagen in Emden. Von solchen sprechen Meteorologen, wenn auch die Tages-Höchsttemperatur weniger als null Grad beträgt.

Keine Chance für weiße Weihnacht

Die für Ostfriesland relevanten Thermometer des DWD sind zusammen mit allen anderen Messinstrumenten auf einem Feld in der Nähe des Emder Flugplatzes installiert. Deswegen, so Jörg Deuber, könne es in anderen Ecken Ostfrieslands durchaus kälter, nasser oder windiger gewesen sein. Da sich das Wetter in direkter Küstennähe und auf den Inseln häufig vom Festland mitunter deutlich unterscheide, betreibt der DWD eine weitere Station auf Norderney. Wegen der noch relativ warmen Nordsee war es im Dezember dort nicht ganz so kalt. Die niedrigste registrierte Temperatur lag dort laut Deuber bei -5,7 Grad.

Trotz des für Ostfriesland eher ungewöhnlich frühen Kälteeinbruch, zerstoben die Hoffnungen auf eine weiße Weihnacht. Wie für die Region üblich etablierte sich pünktlich zu den christlichen Festtagen nassgraues und mildes Tauwetter, andere würden es unter Küstenschietwetter verbuchen.

Das Jahr verabschiedete sich stürmisch

Meteorologen kennen das Phänomen der zum Jahresende hin anziehenden milden Temperaturen in Ostfriesland unter einer anderen Bezeichnung: „Es wird Weihnachtsdepression genannt“. so Jörg Deuber. Ähnlich wie bei den Eisheiligen oder der Schafskälte handele es bei der Weihnachtsdepression um eine Singularität – also ein häufig zu einem festen Zeitpunkt wiederkehrendes Phänomen.

Mit dem Wetterumschwung in der zweiten Monatshälfte wurde es in Ostfriesland stürmisch. Besonders stark wehte der Wind in den Tagen vor dem Jahreswechsel. An der Messstation in Emden erreichten die Böen am 29. Dezember auf der Beaufort-Skala eine 7. In ungeschützteren Lagen oder weiter Richtung Nordsee war es noch mehr. So vermeldete Norderney für den Silvestertag 9 bis 10 Beaufort.

Zum Jahresausklang blies nicht nur der Wind kraftvoll. In Emden war es zugleich der mit Abstand regenreichste Tag im Dezember. Binnen 24 Stunden fielen 16,2 Liter auf den Quadratmeter. Mit 66,4 Litern entsprach der Niederschlag des gesamten Monats ungefähr dem statistischen Mittel für Dezember. In den Jahren 1961 bis 1990 fielen im Schnitt 66,4 Liter. Verglichen mit diesem Zeitraum zeigte die Sonne sich im letzten Monat des Jahres mit 44,4 Stunden über Emden dagegen eher häufig. Das langjährige Mittel weist für den Monat der Wintersonnenwende 36,7 Stunden aus.

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