Schönig kocht Nährwertoptimierung mit griechischem Kulturhintergrund
Nach den Orgien der vergangenen Feiertage ist jetzt vielleicht ein bisschen Runterschalten auch in der Küche angesagt. Das heißt aber nicht, dass es nicht kreativ oder lecker sein darf.
Wiesmoor - Eines der ersten Bedürfnisse, die Körper und Geist im neuen Jahr anmelden, ist in der Regel die Rekonvaleszenz von den deftigen Saturnalien der gerade vergangenen Feiertage. Nicht ganz ohne Grund gehören Vorsätze wie „mehr Bewegung“, „abnehmen“ oder „weniger saufen“ zu den Klassikern der leeren Versprechungen an das Über-Ich zum Jahreswechsel.
Zutaten für Thunfisch-Moussaka
300 g Kartoffeln, 1 Aubergine, 1 Dose gehackte Tomaten, 1 Dose Thunfisch, 1 Zwiebel, 1-2 Knoblauchzehen, 1 Peperoni, ca. 200 g Joghurt, ca. 50 ml Kondensmilch, 2 Strauchtomaten, 90 g Käse, 1 Ei, Pfeffer, Salz, Kräuter, Zimt, Muskat
Zur besseren Visualisierung hier einmal die „normalen“ Weihnachten im Hause Schönig: Zum Familientreffen an Heiligabend bei meinem Bruder gibt es meistens Kasabowu (abgekürzter Fachbegriff für Kartoffelsalat und Bockwurst, mein Bruder ist Ingenieur). Die vermeintliche Frugalität dieses Mahls wird bei uns genial konterkariert durch eine breite Auswahl verschiedener Salatvarianten und ein Pro-Kopf-Wurstvorkommen, das in etwa der Bierchen-und-Würstchen-Wette von Terence Hill und Bud Spencer in „Zwei wie Pech und Schwefel“ entspricht. Der erste Weihnachtstag ist meistens für ein Essen bei meinen Eltern reserviert. Dort gibt es meistens eine Ente oder ein Kaninchen. Letzteres legt oft den Verdacht nahe, dass meine Mutter insgeheim die Frage erforscht, wie groß eine Kaninchenpopulation gerade noch sein kann, um in einen EU-Standard-Backofen zu passen. Am zweiten Weihnachtstag wiederum werden die Schönigs zum Auswärtsmob, mein Vater lädt zum Essen ein. Nicht selten bewähren sich dabei chinesische Restaurants mit ihren ausladenden Büffets als Erfüllungsgehilfen der nächsten Orgie.
Kalorien sparen, ohne sich zu kasteien
Werden die folgenden Tage meist mit Restbeständen der Gelage zuvor bestritten, so wird an Silvester noch einmal alles gegeben. Den Jahreswechsel feiere ich in der Regel mit meinem besten Freund. Fondue ist hier oft die Waffe der Wahl. Die zweite Variante des kontinuierlichen Vollfressens über Stunden, das Raclette, entfällt hier mangels technischer Voraussetzungen. Aber es gibt ja auch Käse-Fondue. Und da die Nacht meist länger wird, meldet sich oft genug ja ein gewisser Appetit im Laufe derselben auch mal zurück und fordert das Aufsatteln eines kleinen Snacks.
Ab dem 2. Januar ist nun also ein Umdenken erforderlich. Es muss ja nicht gleich Fasten sein. Meist reicht ja schon der bewusstere Umgang mit den Ressourcen und die Bereitschaft, dem körpereigenen Sättigungsreflex wieder bewusster Gehör zu schenken. Seit „Schönig speckt ab“ vor knapp drei Jahren habe ich ja eine gewisse Hartnäckigkeit darin entwickelt, hohen Nährwerten in den verschiedensten Gerichten auf den Grund zu gehen und sie so zu variieren, dass der Kaloriengehalt eines Abendessens deutlich günstiger ausfallen kann. Ein Rezeptbuch, das ich vor einem Jahr im Zuge einer Kur erwarb, liefert mir seither zusätzliche Hinweise in diese Richtung.
Es gibt übrigens Thunfisch-Moussaka
Das heutige Rezept ist aus drei Impulsen entstanden: einem Vorschlag in besagtem Rezeptbuch, einer Aubergine, die den Jahreswechsel unbehelligt in meinem Kühlschrank überstanden hat, und der Faulheit, noch mal extra Hackfleisch für ein Moussaka zu besorgen. Ansonsten hatte ich wie üblich mal wieder alles gerade zufällig im Haus, was ich brauchte. Während nun Kartoffeln auf meinem Herd im Solebad garten, schnitt ich die Eierfrucht in etwa einen Zentimeter dicke Scheiben, die ich mit Salz bestreute und auf einem Küchenkrepp für die Kochdauer der Erdäpfel ausschwitzen ließ. Während die wiederum auskühlen durften, würfelte ich eine Zwiebel, hackte ein bis zwei Knoblauchzehen und schnitt eine frische Peperoni kurz und klein. Das Geschnipsel wurde in etwas Olivenöl angeschwitzt. Hinzu kam eine abgegossene Dose Thunfisch im eigenen Saft, die sich ein paar unverhoffte Röstaromen abholen durfte und eine Dose gehackter Tomaten. Das Ganze wurde mit Pfeffer, Salz, einem Ideechen Zimt und ein paar Kräutern gewürzt und für gut fünf Minuten eingeköchelt.
Zeit für den schlankeren Bruder der Bechamelsoße: Dazu wurden rund 200 Gramm Joghurt und etwa 50 Milliliter Kondensmilch mit rund 40 Gramm geriebenem Käse, der gerade da ist (ich hatte Leerdamer Legere und etwas Provolone), und einem Ei gut verrührt. Ist das erledigt, kann man sich wieder den schwitzenden Auberginenscheiben widmen. Die werden jetzt trockengetupft und in etwas Olivenöl von jeder Seite etwa fünf Minuten lang angebraten. Unterdessen werden frische Tomaten (vom Gewicht her etwa so viel wie die Aubergine) in Scheiben geschnitten. Das gleiche Schicksal blüht den nunmehr ausgekühlten und somit handhabbaren Kartoffeln (die ich aus lauter Faulheit und Ballaststoff-Romantik gar nicht erst gepellt habe). Für alle Scheiben eignet sich gut die Standarddicke von einem Zentimeter.
Lieber nicht zu früh reinbeißen
Jetzt wird eine leicht mit Öl ausgepinselte Auflaufform mit den Kartoffelscheiben gefliest. Darüber wird die Thunfischpampe verteilt und die Auberginen- und Tomatenscheiben werden abwechselnd in Dachdecker-Manier drauf geschichtet. Die weiße Soße wird jetzt gleichmäßig darauf verteilt und als zusätzlicher Dämmstoff noch mal etwa 50 Gramm geriebener Käse aufgestreut. Das Ganze kann nun bei mittlerer Hitze (um die 180 bis 200 Grad) 30 bis 40 Minuten im Ofen verweilen, um eine güldene Bräune anzunehmen.
Fertig. Beim Essen des Endergebnisses ist Geduld angebracht. Denn dank der Kartoffeln und der Tomaten bleibt das Moussaka relativ lange schweineheiß und geeignet, bei zu frühem Reinbeißen den Gaumen zu versengen, was das Gewinnen weiterer Geschmackseindrücke für den Rest des Abends nahezu unmöglich macht. Die komplette Kumme, die ich zubereitet hatte, kam auf etwa 1300 Kilokalorien. Wenn man vorher nichts hatte, kann man sich die getrost auch allein reinschaufeln und dazu sich womöglich sogar noch ein Gläschen Retsina genehmigen. Ansonsten gilt jetzt, was auch gern auf den Servietten der griechischen Restaurants zu lesen ist: Kali orexi!