Berlin Very High Readiness Joint Taskforce: Was Deutschland an der Nato-Ostflanke leisten muss
Seit dem Jahreswechsel führt Deutschland die VJTF an der Nato-Ostflanke an. Was heißt das? Und: Kann das auch ohne Puma-Panzer klappen?
Bei vielen Beobachtern haben die neuen Aufgaben der Bundeswehr zuletzt für Nervosität gesorgt. Die deutsche Armee führt nämlich seit dem Jahreswechsel die sogenannte Very High Readiness Joint Taskforce (zu Deutsch: Kombinierte Einsatztruppe mit sehr hoher Bereitschaft, kurz VJTF) an der Ostflanke der Nato.
Die VJTF ist die erste Verteidigungslinie der Nato im Krisenfall. Sie wurde 2014 ins Leben als Antwort auf die russische Annexion der Krim ins Leben gerufen, um die Ostflanke in unmittelbarer russischer Nachbarschaft im Ernstfall zu schützen. Grundsätzlich einsatzfähig ist die Truppe seit 2016, ihre volle Stärke hat sie seit 2017. Die rund 10.000 Soldaten sollen schneller einsatzbereit sein, als die (inklusive VJTF) 40.000 Mann starke Nato Response Force. Die Stärke der Nato Response Force soll perspektivisch auf etwa 300.000 Truppen aufgestockt werden.
Die Truppe wird jedes Jahr von einem anderen Land und einer anderen Brigade angeführt. 2023 ist Deutschland und die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ mit Unterstützung aus zahlreichen anderen Nato-Staaten dran. Die Soldaten müssen in Bereitschaftsphasen innerhalb von zehn Stunden in der Kaserne sein können. Die Vorhut soll innerhalb von zwei bis drei Tagen aufbrechen, der Hauptteil der Truppe darf fünf bis sieben Tage brauchen.
Nachdem der moderne Schützenpanzer Puma der Bundeswehr bei einer Übung mit diversen technischen Problemen aufgefallen war, hat das Verteidigungsministerium den Einsatz nicht genehmigt. Stattdessen werden dort nun die älteren Marder eingesetzt.
Laut einem Bericht des Verteidigungsministeriums an den Verteidigungsausschuss aus dem Dezember ist die Einsatzbereitschaft gegeben, aber „teilweise qualitativ eingeschränkt“. Aufgrund der Verzögerung bei einigen „wichtigen IT-Projekten“ sei die digitale Steuerung nur eingeschränkt möglich. Es könnten lediglich Minimalanforderungen erfüllt werden. Auch bei der Flugabwehr gebe es ein „erhebliches Fähigkeitsdefizit“, insbesondere beim Schutz vor niedrig fliegenden Angreifern. Auch bei den Sanitätskräften fehle es an „der Ausstattung mit Einzelverbrauchsgütern“.