Wetterrückblick 2022 Viel zu warm – Ostfriesland verpasst das 1,5-Grad-Ziel
Der Wetterbeobachter und DWD-Mitarbeiter aus Oldersum, Jörg Deuber, spricht von einem „Jahr der Extreme“ in Ostfriesland. An anschaulichsten wird es im Langzeitvergleich der Temperaturen.
Emden - Die Meldungen der vergangenen Tage aus ganz Deutschland bestätigen erneut einen Trend, der auch in Ostfriesland schon lange nicht mehr zu leugnen ist. Es ist zu warm, zum Teil sehr deutlich. Zwar wurden in Emden oder Leer, Wittmund oder Aurich am Silvestertag keine 20 Grad gemessen wie beispielsweise im Breisgau. Aber in der Gesamtbetrachtung des Jahres 2022 fiel die Durchschnittstemperatur in Ostfriesland wesentlich höher aus, als es statistisch als normal zu bezeichnen wäre. „Wir haben die 1,5-Grad-Marke gerissen“, sagt Jörg Deuber, Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und langjähriger Wetterbeobachter aus Oldersum. Mit 10,8 Grad Celsius war es im Schnitt 1,7 Grad zu warm.
Worauf Deuber mit seinem Hinweis anspielt: Bezogen aufs weltweite Klima gilt die 1,5-Grad-Grenze als wichtiges Ziel, um die Folgen der Erderwärmung für die Menschheit beherrschbar zu halten. Der Anstieg der Temperatur bis zum Jahr 2100 soll – verglichen mit dem vorindustriellen Niveau – 1,5 Grad nicht überschreiten. Auch deswegen gibt dem DWD-Mitarbeiter die Auswertung der Vorjahresdaten für Ostfriesland zu denken. Er spricht von einem „Jahr der Extreme“, das sich unter anderem dadurch zeige, dass elf von zwölf Monate zu warm ausgefallen seien. Lediglich der September entsprach mit 14,2 Grad im Schnitt den Jahren des Referenzzeitraums 1961 bis 1990.
Mehr als dreimal so viel Regen
Besonders heftig fallen die Abweichungen im Januar im Februar aus. Die beiden Wintermonate zu Jahresbeginn waren 3,9 beziehungsweise 4,1 Grad zu mild. Bemerkenswert war der Februar noch wegen eines weiteren Phänomens. Begleitet wurden die hohen Temperaturen in dem Monat von ungewöhnlich viel Niederschlag. Mit insgesamt 149 Litern auf den Quadratmeter fiel deutlich mehr als die dreimal so viel Regen wie üblich (40,6 Liter).
Zusammen mit dem regenreichen September (131,6 Liter statt 69,4) hatte der Februar großen Anteil daran, dass das vergangene Jahr beim Niederschlag statistisch gesehen, nicht aus dem Rahmen fiel. Denn vor allem die Monate März, Juni, Juli und Oktober waren erheblich zu trocken. Dazu passt, dass ungewöhnlich oft die Sonne schien. „Es gab im vergangenen Jahr fast 300 Sonnenstunden mehr“, stellt Deuber fest. Insgesamt ließ sich die Sonne an der Messstation am Emder Flugplatz 1841 Stunden blicken.
Die Ausschläge und Ausreißer werden stärker
In der Gesamtbetrachtung fallen dem erfahrenen Wetterbeobachter „ungewöhnliche Verteilungen und Abweichungen“ auf. Dazu zählen Monate, die normalerweise regenreich und damit auch für die Arbeitsroutine von Landwirten wichtig sind, sehr milden Winterwochen oder ungewöhnlich dicht aufeinanderfolgende Stürme.
„Es sind Einzelereignisse, die sich aber immer stärker häufen“, sagt Deuber. Mit anderen Worten: Die Ausnahmen werden immer öfter zur Regel. Dazu kommt: Die Ausschläge und Ausreißer werden heftiger. „Wann haben wir jemals solche Temperaturen zu Silvester gehabt“, gibt der DWD-Mitarbeiter in diesem Zusammen zu bedenken.