Osnabrück  Nadeshda Brennicke: Neues Zuhause im Baumhaus in Costa Rica

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 02.01.2023 14:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 12 Minuten
Nadeshda Brennicke will einen Großteil ihrer Zeit künftig in Costa Rica verbringen. Foto: imago images/Eventpress
Nadeshda Brennicke will einen Großteil ihrer Zeit künftig in Costa Rica verbringen. Foto: imago images/Eventpress
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Nachdem Nadeschda Brennicke („Banklady“) einige Jahre in Brandenburg Pferde gezüchtet hat, zieht es die Schauspielerin in tropische Gefilde. Im Interview sprechen wir über Taranteln in der Küche, einen Werbedreh mit den Rolling Stones und ihre Lieblingskollegen.

Ihr Privatleben ist mindestens so spannend wie ihre Schauspielerkarriere: 15 Jahre lang hat Nadeshda Brennicke (49) auf einem Bauernhof im Oderbruch Araber-Pferde gezüchtet, bevor sie zurück nach München, die Stadt ihrer Jugend, zog: Nun stehen die Zeichen wieder auf Aufbruch: Während das ARD-Publikum sie am kommenden Freitag (13.1., 20.15 Uhr) im Freitagsfilm „2 unter Millionen“ sehen kann, widmet sie sich ihrem Grundstück in Costa Rica, auf dem im neuen Jahr ein neues Zuhause entstehen soll.

Frage: Frau Brennicke, queremos realizar la entrevista en español? (Wollen wir das Interview auf Spanisch führen?)

Antwort: Besser nicht, ich sprech’s leider sehr schlecht, auch wenn ich viel verstehe. Dadurch, dass ich Latein und Italienisch ganz gut kann, ist es leicht für mich, das Spanische davon herzuleiten. Aber wenn ich es sprechen soll, kriege einen Knoten im Kopf und antworte meist auf Italienisch oder bringe etwas durcheinander. Aber ich möchte es gerne lernen für das, was ich vorhabe.

Frage: Sie haben sich ein Stück Land in Costa Rica gekauft – stehen die Zeichen auf Auswanderung?

Antwort: Nein, ich habe meine Basis immer noch hier, die möchte ich auch behalten. Aber ich wollte nochmal etwas ganz anderes erleben. Ich hatte lange einen Bauernhof im tiefsten Oderbruch und habe diesen aufgebaut und meinen Sohn dort großgezogen – jetzt will ich noch mal einen ganz anderen Kulturkreis für mich entdecken, ein neues Abenteuer im Leben finden.

Frage: Dann haben Sie ja ein echtes Ziel fürs neue Jahr. Ihr Grundstück ist 5500 Quadratmeter groß – steht da schon etwas anderes drauf als Bäume?

Antwort: Nein, es gibt aber tatsächlich einen sehr schönen alten Baumbestand und ein kleines Flüsschen. Und es gibt eine Quelle, ich hab auch schon einen Brunnen gebuddelt und wie wahnsinnig gepflanzt. Auf jeden Fall möchte ich mir ein Baumhaus bauen und habe dafür auch schon einen riesigen Baum gefunden, mit dem ich jetzt anfange zu planen.

Frage: Taranteln in der Küche und Skorpione im Haus schrecken Sie nicht ab?

Antwort: Doch, doch. Letztes Jahr habe ich bei einer Freundin gewohnt, die eine Farm besitzt etwas oberhalb von dem Ort, wo ich mich immer aufhalte. Da gab es wirklich sehr viel Getier. Als ich eine Pfanne aus der Schublade ziehen wollte, saß darin eine Tarantel. Eigentlich bin ich ein tierfreundlicher Typ, finde auch Spinnen nicht so schlimm und war auf meinem Hof im Oderbruch eigentlich immer die Spinnenretterin. Aber so eine Tarantel trage ich dann schon weit weg vom Haus.

Frage: Sie hauen also nicht drauf und erschlagen sie?

Antwort: Nein, das könnte ich nicht. Bei mir gab es mal eine faszinierende Skorpionspinne, die saß immer im Badezimmer. Die sind harmlos, aber ziemliche Oschis, und sie haben so etwas wie Hörner, mit denen sie etwas gruselig aussehen. Die hat im Bad immer die ganzen Moskitos gefressen, deshalb hatte ich ein Arrangement mit ihr. Ich hab immer gerufen: Pass auf, ich komme jetzt. Mach mal ein bisschen Platz, ich muss auf die Toilette (lacht). Sie hat sich dann immer respektvoll in ein Loch verkrochen und mich in Ruhe gelassen.

Frage: Und die Skorpione? Schlangen gibt’s ja sicher auch.

Antwort: Finde ich auch nicht so schlimm, ich möchte nur nicht auf einen Skorpion drauftreten. Aber die gehen einem am liebsten aus dem Weg und stechen nur, wenn sie keine andere Chance haben. Schlangen habe ich noch nicht so viele gesehen, obwohl es dort viele gibt. Die Boas scheinen mir aus dem Weg zu gehen (lacht).

Frage: 2023 steht für Sie ja auch ein runder Geburtstag an – hat Ihr Entschluss, in Costa Rica ein neues Abenteuer zu suchen, auch damit zu tun?

Antwort: Das Alter war nicht ausschlaggebend dafür. Ich hatte die Zeit auf meinem Gehöft einfach abgeschlossen, nachdem mein Sohn aus dem Haus und mein Zuchthengst gestorben war. Der Tod dieses Pferdes hat mich sehr getroffen. Deshalb brauchte ich etwas Neues und bin jetzt im Nachhinein dankbar, weil ich den Hof sonst nicht aufgegeben hätte. Wahrscheinlich wäre ich dort allmählich vor mich hin vereinsamt. Insofern macht es das Leben schon richtig, indem es einen manchmal aus dem gemachten Nest schubst – wenn man denn den Schuss hört. In meinem Fall hat es mich dazu gebracht, wieder mehr zu reisen, mir die Welt ganz anders anzugucken und noch mal neu zu starten.

Frage: Werden Sie Ihren Geburtstag dann in Costa Rica feiern?

Antwort: Das weiß ich tatsächlich noch nicht. Ich bleibe jetzt erst mal drei Monate, werde dann zurückkommen und weiß noch nicht mal, ob ich überhaupt feiern werde – das entscheide ich ganz spontan. Meinen 49. Geburtstag habe ich in Costa Rica gefeiert, da saß ich wunderschön mit Freunden am Strand. Davon bin jetzt noch so erfüllt, dass ich über die 50 noch gar nicht nachdenke. Es ist eigentlich auch wurscht, ob’s jetzt die 49 oder die 50 ist.

Frage: Wollen Sie in Costa Rica wieder Pferde züchten wie im Oderbruch?

Antwort: Nein, aber ich werde noch ein paar Gästehäuser auf das Grundstück bauen und vermieten. Das geht in Costa Rica sehr gut.

Frage: Was heißt das alles für Ihre Existenz als Schauspielerin? Machen Sie sich rar beim deutschen Film?

Antwort: Auf keinen Fall. Meine Basis bleibt immer hier, und wenn ein spannendes Angebot kommt, dann komme ich natürlich auch sofort auf eigene Kosten zurück. Da muss keine Produktionsfirma meine Flugkosten übernehmen. Ich bin auch nicht immer dort, sondern im Sommer auch sehr gerne hier. Ich liebe die Berge und bin nach wie vor ein Europa-Fan. Aber wenn ich das Wetter heute sehe, bin ich froh, dass ich im Winter weg bin (lacht).

Frage: Waren Ihnen Natur und Abgeschiedenheit eigentlich immer schon wichtiger als Großstadt und Trubel?

Antwort: Ja, ich finde Großstadt unheimlich anstrengend. Ich mag das wohl mal für kurze Zeit, gehe auch gerne mal aus oder schick essen, aber ich brauche eigentlich viel Platz für meine Gedanken. Ich spüre alle Menschen sehr intensiv, kann sie und ihre Schwingungen extrem wahrnehmen. Mich stört es schon, wenn ich in einem Restaurant sitze, in dem es sehr laut ist. Das ist eine Form von Hypersensibilität, die manchmal anstrengend ist. Deshalb brauche ich zum Beispiel nach einem Dreh vor allem Ruhe.

Frage: Hatten Sie das schon als Kind?

Antwort: Als Kind noch extremer. Ich habe es schon besser in den Griff gekriegt, vielleicht bin ich auch schon ein bisschen abgestumpft, was ganz angenehm ist (lacht). Aber im Kindergarten und in der Schulzeit bin ich immer gerne allein gewesen, fast schon ein bisschen autistisch. Ich konnte stundenlang mit mir allein spielen, am liebsten natürlich in Verbindung mit Tieren. Das war meine Welt.

Frage: Dann haben Sie gar keine alten Freundinnen von früher?

Antwort: Das kam erst auf dem Gymnasium, und auch das waren mehr die Außenseitermädels, mit denen ich mich angefreundet habe. Und ich war immer auch lieber zu zweit als mit einer großen Gruppe unterwegs. Gruppendynamik mag ich gar nicht. Mädchen in der Pubertät können grausam zueinander sein, viel schlimmer als Jungs, deshalb habe ich mich von Mädchencliquen immer ferngehalten.

Frage: Wenn Sie so naturverbunden sind, haben Sie vermutlich auch eine klare Meinung zum Klimawandel.

Antwort: Meine Meinung zum Klimawandel darf ich gar nicht sagen, glaube ich (lacht).

Frage: Warum?

Antwort: Ich finde es unheimlich wichtig, dass wir uns um die Natur kümmern, aber ich glaube, dass die Erderwärmung nicht alleine vom CO2-Verbrauch verursacht wird, sondern auch so etwas wie ein Polsprung eine Rolle spielt und das Universum immer in Zyklen verläuft. Und ich glaube, dass es sehr viel mit Dingen zu tun hat, die wir gar nicht richtig begreifen können. Das Erdmagnetfeld verschiebt sich ja seit 50 Jahren gravierend, da kommt bestimmt noch die eine oder andere spannende Geschichte auf uns zu. Ganz wichtig ist mir aber die Tierhaltung – das kann einfach nicht so weitergehen, wie wir das machen. Und ich hasse es, wenn Bäume im Urwald tonnenweise abgeholzt werden – ich kann es schon kaum aushalten, wenn auf dem Grundstück, das ich verkauft habe, zwölf Apfelbäume gefällt werden.

Frage: Was ist denn aus Ihren Tieren geworden? Sie hatten auf dem Hof ja neun Pferde, vier Katzen und zwei Hunde.

Antwort: Drei Pferde und drei Katzen habe ich noch, die Hunde sind leider gestorben.

Frage: Sie haben sich selbst mal als „eigenwillige Landhexe“ bezeichnet.

Antwort: (Lacht) Kommt hin.

Frage: Was macht denn das Wesen so einer Landhexe aus?

Antwort: Ich habe viel zugespitzte Moralvorstellungen. Ich mag Mogeleien und Lügen nicht, ich kann es nicht haben, wenn Leute sich verstellen. Die meisten Menschen finde ich wirklich außerirdisch, als ob sie nicht aus meiner Gattung wären. Oder aber ich bin die Eigenartige – jedenfalls ist es mir vollkommen unverständlich, wie man nicht liebevoll zusammenleben und respektvoll mit einander umgehen kann. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man sich ständig nur zum eigenen Nutzen nach vorne drängt. Ich bin immer diejenige, die zahlt, selbst wenn ich mal weniger Geld verdient habe (lacht), die zu viel gibt oder hilft. Für mich gibt es nichts Schöneres, als anderen zu helfen, aber es gibt so viele Leute, die immer nur an sich denken – ich würde sagen, 99 Prozent der Menschheit sind so.

Frage: Als 15-jähriges Mädchen hat die spätere Landhexe einen Werbespot mit den Rolling Stones gedreht.

Antwort: Das war verrückt. Ich hatte damals lange blonde Dreadlocks. Mich hat dann in einer Diskothek ein englischer Werbefilmregisseur angesprochen, weil ihm mein Look so gut gefiel. Er hat mich gefragt, ob ich zum Casting für einen Werbespot für eine Kassettenmarke kommen möchte, und dann habe ich diesen Job tatsächlich bekommen. Erst mal haben wir im Olympiastadion bei einem Stones-Konzert gedreht – da durfte ich ihnen mal die Hand schütteln. Und ich bin für eine Woche nach New York geflogen und habe dort gedreht – dafür, dass ich am Ende zwei Sekunden in diesem Spot vorgekommen bin. Aber immerhin (lacht).

Frage: Haben Sie die Herren Jagger und Richards auch näher kennengelernt?

Antwort: Nein, ich hab nur mal „Guten Tag“ sagen dürfen. Die waren beim eigentlichen Dreh auch gar nicht dabei, sondern nur im Konzertmitschnitt aus dem Olympiastadion. Aber es hat gereicht, dass ich meinen ersten Hund „Jagger“ genannt habe – das war ein zu kurz geratener, sehr lauter, kleiner Mischling. Mick Jagger selbst fand ich einen sehr faszinierenden Mann – ein Typ wie Jean-Paul Belmondo, ich mag Männer mit einem burschikosen Boxergesicht.

Frage: Bei Ihnen ging die Karriere ja auch mal in Richtung Musik – Sie haben als Teil des Duos Charade eine Platte und mehrere Singles gemacht.

Antwort: Ich hätte gerne auch eine richtige Musikkarriere gemacht, aber als ich damit anfing, hatte man wenig Chancen, etwas Authentisches zu verwirklichen. Es war die Zeit der großen Labelbosse, die irgendwelche Girl- und Boybands zusammengewürfelt und auf Konzepterfolg gesetzt haben. Ich habe damals dem WEA-Chef vorgeschlagen, so etwas wie eine deutsche Salt-’n’-Pepa-Combo zu machen, weil ich damals gerne deutschen Hip-Hop gemacht hätte. Da hat er mich ausgelacht und gesagt: „Nadeshda, du bist jetzt schon 23, also viel zu alt dafür.“ Ein Jahr später kam Tic Tac Toe ganz groß raus. Und ich war eingebunden in ein zusammengesetztes Duo und habe mit Charade Musik gemacht, die ich nicht mochte, weil sie nicht authentisch war. Das fand ich langweilig und hat mir keinen Spaß gemacht.

Frage: In Ihrem Film „2 unter Millionen“ spielen Oliver Mommsen und Sie zwei Paketzusteller, die sich gegenseitig als Lieblingskollegen bezeichnen. Gibt es für Sie auch solche Lieblingskollegen?

Antwort: Ich bewundere Murathan Muslu, einen österreichischen Schauspieler, der als Installateur gearbeitet hat, bevor der Regisseur Umut Dag ihn entdeckt hat. Das ist ein fantastischer und sehr charismatischer Mensch, dessen Energie ich mag. Er ist jemand, bei dem ich permanent in der Nähe sein könnte, und das ist bei mir ganz selten. Ich habe auch Lieblingsmenschen und viele gute männliche Freunde, die mir unendlich wichtig sind. Darunter sind auch ein paar Ex-Partner, mit denen ich mich jetzt besser verstehe als zu der Zeit, als wir noch ein Paar waren.

Frage: Mit Oliver Mommsen hatten Sie noch nie zusammengearbeitet – und jetzt gleich zweimal, zunächst in einem Tatort und nun in „2 unter Millionen“. Gekannt haben Sie ihn aber aus ganz anderen Zusammenhängen, oder?

Antwort: Stimmt, seine Frau Niki und ich haben früher zusammen eine WG gehabt, damals hat sie Olli kennengelernt. Ich bin quasi Zeugin der ersten Sekunde bei den beiden – ich war zwar nicht dabei, aber ich weiß noch genau, wie Niki damals nach Hause kam und ganz euphorisch erzählte: „Ich habe einen ganz tollen Mann kennengelernt.“ Oliver habe ich dann wenig später auch kennengelernt.

Frage: In „2 unter Millionen“ ist ja auch der Filmhund Hazel dabei. Mögen Sie als langjährige Hundebesitzerin eigentlich Filmhunde, oder sind die Ihnen zu dressiert?

Antwort: Hazel war super und hatte auch ein angenehmes Frauchen und Tiertrainerin. Sie hat auf den Punkt funktioniert und war hochprofessionell – vielleicht die professionellste Darstellerin der ganzen Produktion (lacht). Ich habe selten so viel Freude mit einem Partnerspielhund gehabt, man durfte sie sogar anfassen, das ist längst nicht immer der Fall – manche Tiertrainer sind da ganz streng, deren Hunde darf man überhaupt nicht berühren und am besten auch nicht ansprechen. Aber Hazel konnte das genau unterscheiden.

Frage: Im Film fragt Oliver Mommsen Sie: „Was würdest du machen, wenn du den Jackpot knackst?“ Was würde Nadeshda Brennicke denn mit dem Jackpot machen?

Antwort: Es kommt natürlich darauf an, wie viel drin ist. Aber ich hätte wahnsinnig viel Freude daran, meinen Freunden Wünsche zu erfüllen. Es macht mir fast mehr Spaß, anderen etwas zu kaufen als mir selbst. Vor allem, wenn es etwas ist, das sie wirklich wollen.

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