Klinischer Notfall  Medizinische Versorgung in Ostfriesland – eine Mangelliste

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 30.12.2022 21:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In ostfriesischen Krankenhäusern gibt es gerade wieder Kapazitätsengpässe, wie abgemeldete Fachbereiche im Ivena-Portal offenbaren. Symbolfoto: Murat/dpa
In ostfriesischen Krankenhäusern gibt es gerade wieder Kapazitätsengpässe, wie abgemeldete Fachbereiche im Ivena-Portal offenbaren. Symbolfoto: Murat/dpa
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Kliniken, Rettungsdienste und Arztpraxen in Ostfriesland haben eines gemeinsam – überall gibt es Kapazitätsengpässe. Rettungsdienste müssen wieder suchen, wo sie Patienten abliefern können.

Ostfriesland - Man sieht rot – was die medizinische Versorgung in Ostfriesland betrifft. Und zwar im niedersächsischen Ivena-Portal, in dem Krankenhäuser den Rettungsdiensten signalisieren, in welchen Fachbereichen sie keine Patienten aufnehmen können. Am Freitagabend gegen 17.30 Uhr: Im Bereich der „Allgemeinen Inneren Medizin“ und der Unterrubrik „Notfallversorgung“ war laut Ivena-Portal kein ostfriesisches Krankenhaus aufnahmefähig. Das Klinikum Leer, das Leeraner Borromäus-Hospital, das Wittmunder Krankenhaus und die Standorte des Klinikverbunds Aurich-Emden-Norden – alle rot.

Auf den Internistischen Intensivstationen meldeten aber drei Kliniken im Bereich der Notfallversorgung noch freie Kapazitäten: Die Kliniken in Emden und Norden sowie das Klinikum Leer. Das Problem ist nicht neu. Bereits vor einem Jahr hat unsere Zeitung darüber berichtet, dass die Personaldecke der Kliniken so dünn ist, dass sie bei entsprechenden Krankheitsfällen Fachbereiche abmelden. Klassischer Personalmangel verschärft die Situation mancherorts.

Ostfriesische Kliniken suchen Dutzende Fachkräfte

Auf der Internetseite der Trägergesellschaft der Krankenhäuser Aurich, Emden und Norden finden sich allein im Pflegebereich 23 Stellenanzeigen – wobei in einer Anzeige manchmal mehrere Fachkräfte gesucht werden: „Zur Verstärkung unseres Pflege-Teams sind zum nächstmöglichen Zeitpunkt in der Zentralen Notaufnahme und der angeschlossenen Beobachtungsstation in Aurich unbefristet mehrere Stellen in Vollzeit oder Teilzeit als Gesundheits- und Krankenpfleger, Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger oder als Notfallsanitäter (m/w/d) zu besetzen.“

Das Klinikum Leer hat im Internet für „Pflege, Funktion, Verwaltung“ 19 Stellenausschreibungen stehen. Auch hier wird in mancher Annonce nach mehreren Leuten gesucht: „Zur weiteren Verstärkung unseres Pflegedienstes suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt: Anästhesie- und OP-Pflegefachkräfte sowie Anästhesietechnische und Operationstechnische Assistenten (m/w/d) für unsere OP-Bereiche, Gesundheits- und Krankenpflegekräfte für die Aufnahmestation und Zentrale Patientenaufnahme, Gesundheits- und Krankenpflegekräfte für die Intensivstation und Intermediate-Care-Station.“

Engpässe der Kliniken verstärken Engpässe beim Rettungsdienst

Es ist also wieder ein Jahr vergangen, ohne dass personell in einem Umfang nachgesteuert wurde oder werden konnte, um Fachbereichs-Abmeldungen weitgehend zu vermeiden. Unsere Zeitung hatte bei der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland, welche die Rettungsdienst-Einsätze der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund koordiniert, angefragt: Haben Abmeldungen der Krankenhäuser im Ivena-Portal die Kapazitäten-Lage im Rettungsdienstbereich seit 1. April 2022 verschärft – weil die Fahrzeuge weiter fahren mussten?

Leitstellen-Chef Tomke F. Albers antwortete im November: „Ja, dieser Umstand machte die Situation natürlich schwieriger, so dass wir mehr versucht haben, die lokalen Krankenhäuser per Zuweisung zu belegen, was natürlich für Diskussionen und Anspannungen sorgte.“

Engpässe gibt es auch bei den ostfriesischen Rettungsdiensten

Auch die ostfriesischen Rettungsdienste hatten in diesem Jahr Personalnot, so dass sie Fahrzeuge abmelden mussten. Bis zu acht Wagen seien un- oder unterbesetzt gewesen, so Albers. Zur Einordnung: Tagsüber sind in seinem Leitstellen-Bezirk 31 Rettungswagen beziehungsweise Mehrzweckfahrzeuge vorgesehen und acht Krankentransportwagen.

Probleme in der medizinischen Versorgung sind auch darüber hinaus Dauerthema. Das betrifft einen Mangel an Fachärzten und zunehmend an Hausärzten. Patienten berichten von monatelangen Wartezeiten auf einen Termin oder stundenlangem Anstehen. Selbst in Facharztbereichen, in denen alle Kassensitze in der Region besetzt sind, so dass sich keine weiteren ansiedeln können, wird von Kapazitätsdefiziten berichtet. Ein Abbau ärztlicher Leistungen kann aber auch andere Gründe haben, wie ein Beispiel aus Norden zeigt.

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