Urlaub trotz Klimawandel  Die Reisebranche auf Suche nach Konzepten für den Klimaschutz

Hannah Weiden
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Von Hannah Weiden
| 30.12.2022 18:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Eine Urlauberin am Strand von Mallorca. Foto: Margais/dpa
Eine Urlauberin am Strand von Mallorca. Foto: Margais/dpa
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Der Klimawandel stellt den Tourismus vor neue Herausforderungen. In den ostfriesischen Reisebüros ist man sich dessen durchaus bewusst – auch, wenn es die Kunden wenig zu interessieren scheint.

Ostfriesland - Eine Flugreise kann die persönliche Klimabilanz auf einen Schlag deutlich verschlechtern. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist Fliegen die klimaschädlichste Art sich fortzubewegen. Ein Flug von Deutschland auf die Malediven und zurück verursacht demnach zum Beispiel pro Person eine Klimawirkung von rund drei Tonnen CO2. Zum Vergleich: Das entspricht einer 15.000 Kilometer langen Fahrt mit einem Mittelklassewagen.

In ostfriesischen Reisebüros ist das klimafreundliche Reisen bisher eher weniger Thema, wie eine Umfrage unserer Redaktion ergeben hat. „Das interessiert nicht so viele, muss ich ehrlicherweise sagen“, sagt etwa Manuela Rossa vom Reisebüro „flie-wa-tüt“ aus Hesel. Auch Jona Möthe vom Reisebüro am Zentrum in Moormerland bestätigt diesen Eindruck: „Das ist eher selten Thema.“ Rossa vermutet: „Diejenigen, die klimafreundlich reisen wollen, sind meist schon vorher informiert“ und würden zur Reiseplanung nur selten Reisebüros aufsuchen.

Spende zum Klima-Ausgleich

Die „Achillesferse“ der Reisebranche ist die Mobilität, zurzeit vor allem das Fliegen, sagt auch Norbert Fiebig, Präsident des Reiseverbandes DRV. „Das Ziel heißt: CO2-neutrale Mobilität.“ Doch so einfach ist das nicht zu schaffen. Derzeit setzen viele Veranstalter vor allem auf einen Ausgleich der CO2-Belastung über Anbieter wie Atmosfair oder Myclimate. Dabei können Reisende Flüge, Kreuzfahrten und anderes quasi kompensieren, indem sie Geld spenden.

Damit werden weltweit Projekte etwa zum Energiesparen oder zur Erzeugung von Ökostrom gefördert. Bei manchen Veranstaltern ist der Beitrag im Reisepreis enthalten, andere bieten Urlaubern eine freiwillige Kompensation bei der Buchung an. Das Unternehmen myclimate Deutschland schlägt zum Beispiel für den Flug zu den Kanaren eine Summe zwischen 24 und 31 Euro vor. Die Reisenden können im Anschluss selber wählen, welches Projekt mit dem Geld bedacht werden soll.

Zug statt Bahn

Das ist auch Thema in den ostfriesischen Reisebüros. „Es gibt mittlerweile einige Firmen, die das anbieten“, sagt Jona Mörthe aus Moormerland. Umweltschützern reicht das aber nicht. Aus Sicht von Antje Monshausen von Tourism Watch bei Brot für die Welt gibt es größeren Handlungsbedarf: „Im Fernreisesegment, wo sich Flüge meist nicht vermeiden lassen, sollten Urlaube seltener, dafür länger stattfinden, um so die Zahl der Flüge zu reduzieren.“ In den letzten Jahren habe sich die Aufenthaltsdauer aber verkürzt und die Zahl der Reisen pro Person zugenommen.

Um schädliche Emissionen zu verringern, sollten Veranstalter zudem auf der Mittelstrecke in Europa andere Produkte anbieten - zum Beispiel vermehrt Anreisen mit dem Zug, mahnt Monshausen. Umweltexperten plädieren generell für eine kurze Anreisestrecke, wenn möglich mit Bus oder Bahn. Die Realität sieht bislang allerdings anders aus: Der Anteil der beiden Verkehrsmittel bei Urlaubsreisen liegt nach DRV-Daten seit Jahren bei jeweils etwa 6 Prozent. Auch im Reisebüro am Zentrum in Moormerland fragen die Kunden vereinzelt danach, ob man die Reise auch mit dem Bus oder der Bahn antreten kann. Besonders bei Gruppenreisen ins nahe Ausland könne das nämlich eine gute Alternative sein, sagt Jona Mörthe.

Pilotprojekt in Griechenland

Branchenprimus Tui will in Zusammenarbeit mit der Regierung der südlichen Ägäis die beliebte griechische Urlaubsinsel Rhodos zu einem Zukunftslabor für nachhaltigen Tourismus machen und damit Blaupausen für andere Ziele schaffen. So soll zum Beispiel der ökologische Fußabdruck des Tourismus auf Rhodos durch neue Konzepte für das Energie-, Wasser- oder Müllmanagement deutlich verringert werden. „Wir brauchen ein Verständnis dafür, wie alle Bestandteile zusammenkommen können“, sagte Tui-Chef Fritz Joussen bei der Vorstellung des Projektes.

„Nachhaltigkeit ist nicht nur ökologische Nachhaltigkeit. Sie muss auch in einem wirtschaftlichen und sozialen Sinn betrachtet werden.“ Daher soll auch die Teilhabe der Menschen vor Ort gefördert werden, zum Beispiel durch neue Jobchancen. Am Ende könnten nach Einschätzung des griechischen Tourismusministers Vassilis Kikilias alle Akteure profitieren – „vom einzelnen Anbieter, der seinen Kunden Kaffee verkauft, bis zu den Leuten, die Autos und Boote vermieten, bis zu den Winzern, bis zu den Urlaubern selbst“. Nach Angaben von Manuela Rossa aus Hesel bemühen sich demnach auch die Anbieter und Hotels in den Urlaubsregionen, nachhaltiger zu werden. Sei es durch Müllvermeidung oder durch regionale und ökologische Essensangebote. „Da haben ja am Ende alle was von“, sagt sie.

Kreuzfahrt setzt auf Flüssigerdgas

Auch bei den Kreuzfahrtriesen – vor Corona oft für dicke Luft und überfüllte Hafenstädte kritisiert – ist nach Überzeugung von Umweltschützern noch Luft nach oben. „Das ist auch bei unseren Kunden oft Thema“, sagt Manuela Rossa aus Hesel. Und: „In die norwegischen Fjorde dürfen die Dreckschleudern schon gar nicht mehr einfahren.“ Immerhin: In den letzten Jahren habe sich glücklicherweise einiges in dem Bereich getan. Besonders bei Deutschen Reedereien werde mittlerweile viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt.

Dieses Bild vermittelt unter anderem auch die Papenburger Meyer-Werft. Das Unternehmen hat bereits mehrere Kreuzfahrtriesen gebaut, die mit dem umweltfreundlicheren Flüssigerdgas betrieben werden. „Im Jahr 2018 haben wir die AIDAnova abgeliefert – den ersten Ozeanriesen, der ausschließlich mit Flüssigerdgas (LNG) fährt. Es ist das derzeit sauberste Kreuzfahrtschiff der Welt.“, schreibt die Werft auf ihrer Website.

Mit Material von dpa

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