Osnabrück  Tatort „Totes Herz“ aus Dresden: Wunderheilung eines Kommissars

Joachim Schmitz
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Von Joachim Schmitz
| 29.12.2022 13:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Als wäre nichts geschehen: Der in der letzten Folge lebensgefährlich verletzte Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) eilt zum Tatort. Foto: MDR/MadeFor/Hardy Spitz
Als wäre nichts geschehen: Der in der letzten Folge lebensgefährlich verletzte Kommissar Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) eilt zum Tatort. Foto: MDR/MadeFor/Hardy Spitz
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Heute Abend zeigt die ARD den Tatort „Totes Herz“ aus Dresden. Man staunt, wie schnell sich Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) von seiner Schusswunde aus der letzten Folge erholt hat.

Erinnern Sie sich noch an den Tatort vom 20. November letzten Jahres? Damals wurde im Dresdner Fall “Katz und Maus” Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel von einem Verschwörungstheoretiker entführt und durch einen Schuss lebensgefährlich verletzt. Als Zuschauer wusste man am Ende nicht einmal, ob er überlebt oder es vielleicht der letzte Auftritt von Martin Brambach in dieser Rolle gewesen ist. Und nun?

Nun ist Heike Teichmann, die Inhaberin einer großen Dresdner Gärtnerei, in ihrem Betrieb erschlagen worden, und Schnabel stapft wie in besten Zeiten und ohne jegliche körperliche Beeinträchtigung durchs Bild und fragt zackig: „Mit wem haben wir’s hier zu tun?”. 18 Minuten lang sehen wir einen Krimi von der Stange, der keinerlei Bezug nimmt auf das Drama vom November.

Eine Leiche im Familienbetrieb, der geistig behinderte Mitarbeiter Juri (Alexander Schuster) als Hauptverdächtiger auf der Flucht, Tochter Nadine (Kristin Suckow), Schwiegersohn Patrick (Nico Rogner) und die Angestellte Swetlana (Lara Feith), mit der Patrick ein Verhältnis hat - die ganz normale TV-Krimi-Aufstellung eben, wie man sie schon zigfach im Vorabendprogramm gesehen hat. Eigenwillig auch, dass der gewaltsame Tod, der Mutter, Schwiegermutter, Chefin niemandem so wirklich unter die Haut zu gehen scheint. Packend geht anders.

Erst als der Rechtsmediziner beim Opfer das sogenannte Broken-Heart-Syndrom feststellt, erleidet Schnabel so etwas wie einen Schwächeanfall, raten ihm seine Kommissarinnen Gorniak (Karin Hanczewski) und Winkler (Cornelia Gröschel) zur Traumatherapie. Dafür fangen sie sich ein trotziges “Mit einem Messer im Rücken geht’n Ossi noch lange nicht nach Hause” als Antwort eines Mannes ein, den die lebensbedrohliche Situation zumindest psychisch weit mehr mitgenommen hat, als er es zugeben will. Brambach alias Schnabel ist sich nicht zu schade, so manches Klischee zu bedienen.

Die Geschichte des letzten Falls zu ignorieren, “wäre den Hauptfiguren gegenüber sträflich gewesen”, findet Drehbuchautorin Kristin Derfler. Respekt dafür, das haben wir beim Tatort auch schon ganz anders erlebt. Wirklich ernst nimmt “Totes Herz” Schnabels Trauma dann aber doch nicht, sondern erzählt eine neue, ganz eigene Geschichte.

Immerhin beschleunigt der von Andreas Herzog inszenierte Krimi nach stotterndem Beginn, zumindest überschlagen sich die Ereignisse. Der Haushund wird vergiftet, die Tochter der Teichmanns entführt, Juri ist noch immer wie vom Erdboden verschluckt und der Fall nimmt eine Wendung, die auf direktem Weg zur alten Tante DDR führt. Deren dunkle Seiten sind auch über 30 Jahre nach dem Mauerfall noch immer ein beliebtes Krimimotiv.

Thrillerqualitäten, wie man sie zuletzt vom Leipziger Tatort gewohnt war, entwickelt dieser Krimi aber nur sehr bedingt. Kristin Suckow steigt zwar mit zunehmender Spieldauer zur herausragenden Schauspielpersönlichkeit dieses Films auf, der auf der anderen Seite einige schwarze Löcher in Sachen Nachvollziehbarkeit und Glaubwürdigkeit aufweist. Warum sonst müsste dem Zuschauer am Ende so viel erklärt werden?

Tatort: Totes Herz. Das Erste, Sonntag, 8. Januar, 20.15 Uhr.

Wertung: (So gerade) 4 von 6 Sternen

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