Gewalt gegen Helfer Feuerwehren fordern härtere Strafen nach Angriffen auf Einsatzkräfte
Feuerwehrleute, Polizisten und Rettungssanitäter haben es satt, bei Einsätzen beschimpft, beleidigt oder gar attackiert zu werden. Auch in Ostfriesland ist das ein Problem.
Ostfriesland - Der Deutsche Feuerwehrverband fordert ein hartes Durchgreifen bei Angriffen auf Einsatzkräfte. „Der Staat muss dafür Sorge tragen, dass Feuerwehren, aber auch Rettungsdienste und Polizei als Vertreter des Staates nicht ohne harte Strafen angegriffen werden“, sagt Verbandspräsident Karl-Heinz Banse. „Die Gesetze geben das her.“ Es sei bereits alles geregelt. „Wir brauchen keine härteren Strafen. Ich möchte nur, dass diese Strafen durchgesetzt werden. Ich möchte, dass Urteile gefällt werden“, so Banse. „Es kann nicht sein, dass unsere Leute gefährdet werden, fast überfahren werden und hinterher wird es als Bagatelldelikt dargestellt.“ Auch eine zunehmende Respektlosigkeit beklagt der Feuerwehrverband: „Der Respekt gegenüber denjenigen, die anderen helfen, der sollte wieder größer werden.“ Das sei nicht zuletzt wichtig für die Motivation ehrenamtlicher Kräfte.
Die Forderungen des Feuerwehrverbands begrüßt man auch in Ostfriesland. „Da stehen wir voll dahinter“, sagt etwa Manuel Goldenstein, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Aurich. „Wir sind ja immer unterwegs, um anderen zu helfen.“ Daher sei es manchmal unvorstellbar, wenn diese Hilfe nicht gewürdigt werde. Zum Glück „bleibt es oft bei verbalen Attacken“ – etwa, wenn eine Straße gesperrt werden muss.
Gaffer sind ein großes Problem
Davon berichtet auch Dominik Janßen, Sprecher des Kreisfeuerwehrverbands Leer. Die Zahl der Angriffe hat seiner Einschätzung zufolge zwar nicht zugenommen und sei im Landkreis Leer auch relativ überschaubar. „Das liegt vielleicht an der Ruhe und Geduld der Ostfriesen“, sagt er. Janßen ärgert sich aber über die Einsätze, bei denen die Helfer zum Beispiel durch Gaffer von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten würden. „Jeder hat feste Aufgaben. Wenn wir am Einsatzort sind, haben wir eigentlich Wichtigeres zu tun, als uns zum Beispiel um Gaffer zu kümmern.“ Das führe auch dazu, dass die bestehenden gesetzlichen Regelungen oft nicht durchgesetzt würden, weil das Personal mit anderen, wichtigeren Dingen beschäftigt sei.
Nach den Worten von Karl-Heinz Banse ist das ein großes Problem: „Wir wissen, dass wir manchmal weniger Einsatzkräfte haben. Aber man muss heute bei fast jedem Einsatz zusätzliche Kräfte abstellen, die verhindern, dass die Schaulustigen zu dicht an die Einsatzstelle herankommen“ – Einsatzkräfte, die aber oft nicht zur Verfügung stünden. So wären ihm zufolge bei Unfällen auf Bundesstraßen oder Autobahnen zwei bis drei Retter nötig, um Planen als Sichtschutz zu spannen. „Das ist ein Problem.“
Polizisten sind am häufigsten betroffen
Laut Aussagen der Feuerwehrsprecher sind von den Angriffen meist Polizistinnen und Polizisten betroffen. Das bestätigt auf Nachfrage auch Svenia Temmen, Sprecherin der Polizeiinspektion Leer/Emden: „Wir haben oft damit zu tun, dass sich die Leute wehren“, sagt sie. Generell merke man derzeit, dass sich viele Menschen aggressiver verhalten würden – die Polizistinnen und Polizisten seien aber, anders als viele ehrenamtliche Helfer, für solche Situationen ausgebildet. „Wir rechnen eher mit solchen Momenten, als zum Beispiel der Rettungsdienst“, ergänzt Temmen.
Der scheint von den Angriffen wiederum eher weniger betroffen zu sein. „Die Wertschätzung der Menschen ist sehr groß, wenn mein Team im Einsatz ist“, sagt etwa Hans-Joachim Reinke. Er ist Leiter der DRK-Rettungswache in der Gemeinde Rhauderfehn. Natürlich gebe es den ein oder anderen Einsatz, bei dem auch mal die Rettungskräfte unhöflich behandelt würden, aber Angriffe gebe es so gut wie nie. Auch Petra Huismann, stellvertretende Geschäftsführerin, des Rettungsdienstes RKSH in Emden, berichtet, dass ihr glücklicherweise „lange nichts mehr zu Ohren gekommen“ sei.
Mit Material von DPA
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