Neuer Volkswagen-Chef Blume dämpft Hoffnung auf Batteriefabrik in Emden
Seit Jahren wünscht man sich in Emden und auch in der Landpolitik eine Batteriezellproduktion in Ostfriesland. Doch damit wird es wohl erst einmal nichts, wie VW-Chef Oliver Blume jetzt erklärte.
Emden/Wolfsburg - Erst vor wenigen Wochen hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) während eines Besuchs im Volkswagen-Werk in Emden für den Bau einer Batteriezellfabrik in Ostfriesland starkgemacht. Jetzt erhält dieser Wunsch einen herben Dämpfer: Konzernchef Oliver Blume, der seit September neben seinem Posten als Vorstandsvorsitzender bei Porsche auch die Geschicke bei VW lenkt, sagte der „Wolfsburger Allgemeinen Zeitung“ (WAZ) zum Thema Batteriezellproduktion in Emden: „Wir setzen zunächst unsere volle Kraft in die Fertigung in Salzgitter.“ Dort hatte im Juli der Bau einer VW-Batteriezellfabrik offiziell begonnen.
Hiermit habe man „ein wichtiges Signal für den Standort Deutschland gesetzt“, sagte Blume der WAZ. Doch jetzt gehe es für den Wolfsburger Autobauer darum, seine Standorte für die Batteriezellproduktion weltweit zu verteilen. Hierbei müssten auch Rahmenbedingen wie etwa die Energiepreise berücksichtigt werden, so der Konzernchef: „In Deutschland und Europa haben wir aktuell einen Nachteil im Vergleich zu Nordamerika.“ Heißt also: Emden muss wohl erst einmal warten.
Betriebsrat wirbt weiter für Emden als Standort für Batteriezellwerk
Überrascht sei er von Blumes Aussagen nicht, sagte Manfred Wulff, Betriebsratschef im Emder VW-Werk, unserer Redaktion. Dass der Konzern bei der Wahl seiner Standorte wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen müsse, sei ihm auch vollkommen klar. Dennoch sprach sich Wulff erneut für Emden als möglichen Standort für eine Batteriezellfabrik aus. Diese wünscht sich nicht nur Ministerpräsident und VW-Aufsichtsratsmitglied Weil – auch viele in der Emder Politik erhoffen sich davon eine Stärkung des Wirtschaftsstandorts.
Für Wulff wäre Emden, wo das VW-Werk bis 2024 komplett auf die Produktion von Elektroautos umgestellt werden soll, der ideale Standort für eine Batteriezellfabrik: „Ich halte es für absolut sinnvoll, weil wir grünen Strom bei uns herstellen“ – ein Punkt, den auch Blume nennt. „Wichtig für die Standortfrage ist auch die Versorgung mit nachhaltiger Energie“, sagte der Konzernchef der WAZ. Wulff erklärte, die Batteriezellproduktion in Emden „mache ökologisch einfach Sinn“, weil man die Teile ansonsten über weite Strecken transportieren müsse, um sie in Ostfriesland zu montieren.
Der Betriebsratschef appellierte an die deutsche und europäische Politik, sich für Fördergelder einzusetzen, um den Ausbau der Batteriezellfertigung in Deutschland für VW attraktiver zu machen. Ansonsten drohe die Bundesrepublik gegenüber dem Ausland den Anschluss zu verlieren.