Gerissene Schafe und Ziegen  Weihnachtszeit war Wolfszeit in Emden und im Landkreis Aurich

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 28.12.2022 13:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zwei der toten Schafe, die kurz vor Weihnachten auf einem Feld bei Grimersum in der Krummhörn gefunden wurden. Laut Karte des Umweltministeriums gilt der Riss mittlerweile als bestätigter Wolfsriss. Foto: Ortgies
Zwei der toten Schafe, die kurz vor Weihnachten auf einem Feld bei Grimersum in der Krummhörn gefunden wurden. Laut Karte des Umweltministeriums gilt der Riss mittlerweile als bestätigter Wolfsriss. Foto: Ortgies
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Seit dem 19. Dezember gab es mehrere Nutztierrisse im Landkreis Aurich und in der Stadt Emden. Bei einem besonders schweren Fall in Grimersum ist die Zahl der toten Tiere korrigiert worden.

Grimersum/Landkreis Aurich/Emden - Laut Übersicht des Niedersächsischen Umweltministeriums ist es amtlich: Die Risse an mehreren Schafen in Grimersum in der Gemeinde Krummhörn gehen auf das Konto eines Wolfes.

Was und warum

Darum geht es: Nicht nur in Grimersum wurden Nutztiere gerissen, auch in der Stadt Emden sowie in zwei weiteren Orten im Landkreis Aurich.

Vor allem interessant für: diejenigen, die sich für Wölfe in Niedersachsen und Ostfriesland interessieren.

Deshalb berichten wir: Das Umweltministerium hat weitere Nutztierrisse und Sichtungen bestätigt.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Der Übersicht des Ministeriums ist ebenfalls zu entnehmen: Rund um die Feiertage gab es mehrere Risse sowohl im Landkreis Aurich als auch in der Stadt Emden.

Weitere Nutztierrisse im Landkreis Aurich

Demnach kam es am 24. Dezember in Schirumer Leegmoor zu einem Riss, bei dem zwei Schafe getötet und ein Schaf verletzt wurde. Am gleichen Tag wurden ein paar Kilometer entfernt in der Gemeinde Südbrookmerland in Blaukirchen ebenfalls fünf Schafe getötet. Zwei weitere Tiere sind als „verschollen“ markiert. Im Gegensatz zu den Vorfällen in Grimersum wurden diese beiden Fälle mit dem Vermerk notiert, dass kein Mindestschutz gegen den Wolf vorhanden war. In Grimersum hingegen wurde, das bestätigt der betroffene Schäfer, der Mindestschutz eingehalten. In Niedersachsen gibt die sogenannte „Richtlinie Wolf“ vor, was mindestens zum Herden- und Tierschutz getan werden muss, um eine Kompensation für die Wolfsrisse zu bekommen.

Laut der Richtlinie gilt als Mindestschutz für Schafe unter anderem:

  • Ein vollständig geschlossener, elektrisch geladener Netzgeflecht- oder Litzenzaun mit einer bauartbedingten Höhe von mindestens 90 cm.
  • Ein Untergrabeschutz mit mindestens einer stromführenden Litze oder einem stromführenden Glattdraht mit maximal 20 cm Bodenabstand.

In Emden wurden zwei Ziegen gerissen

Ein weiterer dokumentierter Fall betrifft Emden: Im Bereich Wybelsum wurden am 23. Dezember zwei Ziegen gerissen. Laut Übersicht des Ministeriums ist auch hier der Wolf als Verursacher festgestellt. Allerdings stehen in allen Fällen die endgültigen DNA-Proben noch aus.

Der in Grimersum betroffene Schäfer, Johann Sjuts aus Leybuchtpolder, hat derweil weitere Verluste zu beklagen: Insgesamt 21 Tiere seien mittlerweile verendet. Eine andere Zahl als ursprünglich mitgeteilt: Zunächst sprach der Schäfer davon, dass 25 Tiere gerissen wurden. „Das sah auch zunächst so aus“, sagt er am Mittwoch im Gespräch mit dieser Zeitung.

Tatsächlich seien aber mehrere Tiere in Schockstarre verfallen und beim ersten Durchzählen, ohne anwesenden Tierarzt, zu den verendeten beziehungsweise getöteten Tieren gezählt worden. Erst bei näherer Begutachtung im Laufe des Tages, die Tiere wurden in der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember gerissen, sei deutlich geworden, dass mehrere Tiere noch lebten, aber zum Teil verletzt waren.

Zahl der toten Schafe in Grimersum korrigiert

Insgesamt seien tatsächlich zunächst 16 Tiere tot aufgefunden worden. 15 weitere mussten vom Tierarzt behandelt werden. Von diesen 15 sind infolge des Angriffs in den vergangenen Tagen noch fünf weitere verendet. Zum Teil aufgrund von Verletzungen, zum Teil wegen des erlittenen Schocks. Somit ist die Zahl der verendeten Schafe mittlerweile auf 21 gestiegen. „Ein paar weiteren Tieren geht es noch immer nicht gut“, sagt Sjuts.

Der Schäfer ist in den Tagen seit dem Vorfall mehrfach tagsüber bei seinen Tieren, mindestens vier Mal innerhalb von 24 Stunden. Weitere Vorfälle hat es seitdem nicht gegeben. Entspannt ist Sjuts dennoch nicht, dafür gab es zu viele Sichtungen in letzter Zeit.

Fotofallen und Notfallzäune

Ob aktuell ein oder mehrere Wölfe im Landkreis Aurich unterwegs sind, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Seit dem 19. Dezember wurden dem Wolfsbüro laut Auskunft des Umweltministeriums die vier zuvor genannten Nutztierschäden gemeldet. Außerdem sind sieben Sichtungen, zwei Wildtierrisse, eine Fährte aus den Landkreisen Aurich und Wittmund sowie der Stadt Emden gemeldet worden. „Ob es sich bei allen Ereignissen um Nachweise eines Wolfs handelt, wird noch bearbeitet“, so das Ministerium.

Auf Grund der Nutztierrisse und der weiteren Meldungen seien allerdings Fotofallen aufgestellt worden. „Laut dem Wolfsbüro ist auch geplant, Notfallzaunmaterialien auszuhändigen. Nähere Informationen dazu liegen hier aber noch nicht vor“, so das Ministerium abschließend.

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