Tipps von der Kunsthalle  So bereitet Kunst möglichst lange Freude

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 27.12.2022 19:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
In Museen wie der Kunsthalle Emden sind Kunstwerke immer perfekt platziert. Wer auch im eigenen Zuhause möglichst viel aus der Kunst herausholen will, der sollte ein paar Tipps beachten. Symbolfoto: Bühler/Kunsthalle
In Museen wie der Kunsthalle Emden sind Kunstwerke immer perfekt platziert. Wer auch im eigenen Zuhause möglichst viel aus der Kunst herausholen will, der sollte ein paar Tipps beachten. Symbolfoto: Bühler/Kunsthalle
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Weihnachten ist vorbei, die Geschenke sind verteilt. Unter manchem Baum werden Kunstdrucke, gemalte Bilder oder Fotografien gelegen haben. Was sollte man beachten, um daran lange Freude zu haben?

Emden - Sei es das besonders gelungene Familienfoto, der Kunstdruck oder gar das Original eines Kunstwerkes oder anderes Kunstvolles auf Papier für die Wand: Unter den ostfriesischen Weihnachtsbäumen wird einiges gelegen haben, was nun oder in den kommenden Tagen die Wände in Häusern und Wohnungen ziert.

Was und warum

Darum geht es: Kunstdrucke und Fotografien werden oft zu Weihnachten verschenkt. Was man beim Aufhängen und präsentieren beachten sollte.

Vor allem interessant für: diejenigen, die Fotografien, Kunstdrucke oder Gemälde an der Wand hängen haben.

Deshalb berichten wir: Wir haben uns, nicht ganz uneigennützig, gefragt, was beim Aufhängen von Kunst beachtet werden sollte.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Doch so leicht sich Bilder im weitesten Sinne in der Regel an die Wand hängen lassen: Damit man möglichst lange Freude daran hat, sollten ein paar grundlegende Dinge beachtet werden. Was, das verrät Ilka Erdwiens von der Kunsthalle in Emden im Gespräch mit dieser Zeitung.

1. Achtung, Sonne!

„Alles, was auf Papier ist, ist sensibel, wenn es um direktes Sonnenlicht geht“, sagt Erdwiens. Entsprechend sollte man Fotografien, Kunstdrucke oder auch Kunstwerke nicht ins direkte Sonnenlicht hängen. „Man kennt es vielleicht davon, wenn man einen alten Schrank abbaut“, sagt Erdwiens. Die Tapete dahinter habe dann meist noch die Originalfarbe – im Gegensatz zu der Tapete, die Sonneneinstrahlung ausgesetzt war. „Wie die Tapete, so können auch andere Dinge auf Papier mit der Zeit stark verbleichen oder die Farbe verlieren.“

2. Achtung, Temperatur und Luftfeuchtigkeit!

Aber nicht nur Sonne, auch ein sich regelmäßig schlagartig veränderndes Klima kann Kunst beschädigen. Nun würde man im ersten Moment sagen: Das passiert in Wohnungen oder Häusern ja nicht. Aber: „Neben der Terrassentür ist so eine Stelle“, sagt Erdwiens. Schon durch das Öffnen, gleiches gilt für Fenster, komme es zu plötzlichen Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit, die die Kunstwerke beschädigen könnten. Zumindest über lange Zeit gesehen. Also besser dort aufhängen „wo es nicht so plötzliche Schwankungen in der Umgebungstemperatur gibt“.

3. Achtung, nicht wie im Film!

Eher ein Hinweis für Hausbesitzer: Auch bei Kaminen ist Vorsicht geboten. Zwar kennt man es aus Filmen, meist amerikanischer Natur, dass über dem (offenen) Kamin das Ölgemälde mit der Familie hängt. „Wer an seinen Kunstwerken hängt, sollte das nicht tun“, rät Erdwiens. Nicht nur komme hier wieder das Thema Temperatur zum Tragen, auch könne selbst bei geschlossenen Kaminen nie ganz ausgeschlossen werden, dass sich doch Rußpartikel verbreiten – und auf dem Kunstwerk hängen bleiben. „Auch sollte im gleichen Raum nicht geraucht werden“, rät Erdwiens.

4. Darf es auch ein anderer Rahmen sein?

Wer nun den optimalen Ort für den Kunstdruck, das Foto oder das Gemälde gefunden hat, der sollte sich auch um die Präsentation Gedanken machen. Zwar mache man in der Regel mit Bilderrahmen von der Stange nichts falsch. „Aber gerade bei Kunstwerken sollte man überlegen, in einen speziell angefertigten Rahmen zu investieren“, empfiehlt Erdwiens.

Das sei auch gar nicht zwangsläufig viel teurer als ein höherwertiger Bilderrahmen von der Stange. Aber die Wahl des richtigen Rahmens kann stark zur Wirkung des Kunstwerkes beitragen: „Passepartouts sorgen beispielsweise bei Fotos dafür, dass diese nicht vom Rahmen optisch erdrückt werden“, so die Kunsthallensprecherin. Auch sollte „der Rahmen zum Kunstwerk passen und nicht in erster Linie zur Inneneinrichtung“.

5. Aufgehängt, aber richtig!

Auch die Art und Weise der Aufhängung entscheide mit über die Wirkung des Bildes. „Manche wünschen sich eine Aufhängung, wie wir sie in der Kunsthalle haben“, sagt Erdwiens. Also die Bilder an von der Decke hängenden Schnüren aufgehängt. „Das ist aber eigentlich nur gut, wenn man oft Bilder wechseln will.“

Für den privaten Bereich empfiehlt Erdwiens die klassische Hängung direkt an der Wand. Und dann je nach Geschmack: Alle Bilder einer gedachten Linie aufgehängt, entweder an der Mitte, der Oberkante oder der Unterkante orientiert. oder eine sogenannte Petersburger Hängung. Bei dieser auch Salonhängung bekannten Art platziert man mehrere Bilder dicht an dicht neben- und untereinander.

6. Licht aus, Spot an

Bei der Hängung sei aber auch immer die richtige Höhe entscheidend. „Wenn das Bild so hängt, dass ich es meistens sitzend zum Beispiel von der Couch aus betrachte“, erklärt Erdwiens, „dann muss ich es auf eine andere Höhe hängen, als wenn ich es meistens stehend betrachte.“

Und: „Licht macht einen großen Unterschied.“ Es lohne sich also durchaus, über einen kleinen, passenden LED-Spot oder ähnliches nachzudenken. Zumindest für die Kunstwerke, die nochmal besonders zur Geltung kommen sollen.

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