Wie Schausteller feiern  Auf dem Weihnachtsmarkt hält nicht nur die Familie zusammen

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 23.12.2022 18:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Sascha, Peggy und Sally Heine (von links) lassen sich auch von Marktstress nicht die Weihnachtszeit verderben. Foto: Schönig
Sascha, Peggy und Sally Heine (von links) lassen sich auch von Marktstress nicht die Weihnachtszeit verderben. Foto: Schönig
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Auf dem Weihnachtsmarkt ist die Adventsstimmung des einen oft die harte Arbeit des anderen. Für Schausteller-Familie Heine hat diese Grenze aber auch eine gewisse Durchlässigkeit.

Aurich - Wenn sich die Besucher des Auricher Weihnachtszaubers bei gebratenen Champignons und Glühwein in die passende Stimmung für die Weihnachtszeit versetzen, dann haben viele von ihnen dazu Kontakt mit Familie Heine aufgenommen. Über mangelnden Besuch an ihren Ständen kann sich Peggy Heine (43) jedenfalls nicht beklagen. Der Weihnachtszauber ist für die Familie ein Heimspiel, weil Ehemann Sascha (48) selbst Auricher ist. Aber wo bleibt eigentlich die eigene Weihnachtsstimmung, wenn man immer für die anderen da ist? Kann die überhaupt aufkommen, wenn man kaum Zeit für sich selbst hat?

„Weniger Zeit als andere haben wir eigentlich nicht“, sagt Heine. „Wir müssen sie nur effektiver nutzen. Und das hat sich im Laufe der Jahre natürlich eingespielt.“ Gegenüber den Menschen auf der anderen Seite der Bude kann das manchmal sogar ein Vorteil sein. „Von Kunden hört man ja auch oft ‚Ich muss noch dies und jenes besorgen, ich hab gar keine Zeit‘“, erzählt Heine. „Das finde ich dann schade, wenn es für die Leute so hektisch wird.“

Geschenke werden vor Ort besorgt

Damit bei Familie Heine keine Hektik aufkommt, werden die eigenen Weihnachtsvorbereitungen sorgfältig strukturiert. „Da wir ja die meiste Zeit des Tages nicht vom Marktplatz wegkönnen, müssen wir alles, was wir für die Feiertage brauchen, vor Ort besorgen können“, sagt Heine. „Das gilt natürlich besonders für die Geschenke. Das heißt, die Kinder gehen durch die Läden in der Innenstadt und suchen sich etwas aus.“ Das hat für Heine aber nicht nur einen praktischen, sondern auch einen ideellen Wert. „Die Geschäftsleute und ihre Mitarbeiter kommen während des Marktes ja auch zu uns und geben Geld hier aus. Dann kaufe ich natürlich auch hier ein und bestelle nichts im Internet, was dann sowieso noch den ganzen Tag vor der Tür herumliegen würde, weil es niemand entgegennehmen kann.“

Schaustellerbetriebe können naturgemäß nur erfolgreich sein, wenn die ganze Familie an einem Strang zieht. Dieser Zusammenhalt wird für Peggy Heine in der Weihnachtszeit noch intensiver spürbar. „Man merkt das daran, dass alle viel selbstverständlicher mit anpacken“, sagt sie. „Wenn man einem Kind eine Aufgabe gibt, zum Beispiel nur, Einkäufe zu verstauen, dann wird das sofort erledigt. Zu anderen Zeiten des Jahres wird da eher mal gemurrt, ob das nicht Bruder oder Schwester machen kann.“ Für die Kinder hat das seine eigenen Nutzen. „Sie wissen, dass sie umso mehr Zeit mit uns haben, je besser sie uns entlasten können, auch bei den kleinsten Dingen“, so Heine. Andersherum geht auch immer noch etwas. „Neulich hatte unser Sohn Sascha (14) eine Schulaufführung“, erzählt Heine. „Da bin ich dann halt direkt in der Schürze hin und bin direkt danach wieder an den Stand gekommen. Das geht alles, wenn man will.“

Miteinander auch mit Kunden und Händlern

Dieses Miteinander, das den Alltag der Familie prägt, überträgt sich zu Weihnachtsmarkt-Zeiten auch aufs Umfeld. „Wenn ich zum Beispiel Geschenke kaufe, dann sagen die Händler schon mal ‚Du musst nicht darauf warten‘ und bringen mir alles verpackt an den Stand“, erklärt Peggy Heine. „Auch Stammkunden bringen uns mal was oder unterstützen uns bei Sachen, bei denen sie uns vielleicht helfen können.“ Weil diese Verbindung zu manchen Kunden und Händlern so vertraut ist, überträgt sich umgekehrt auch die Weihnachtsstimmung. „Wir haben auch an der Freude unserer Kunden teil“, sagt Peggy Heine. „Wenn die uns erzählen, worüber sie sich besonders freuen, freuen wir uns mit ihnen. Auf diese Art erleben wir auch den Teil der Weihnachtszeit als schön, an dem wir viel zu tun haben.“

Gefeiert wird bei Heines letztlich wie in anderen Familien auch. „Es gibt auch einen Baum und Geschenke“, sagt Peggy Heine. „Und vor allem gutes Essen. Das gehört für uns dazu, weil es hier ja meistens schnell und aus der Hand gehen muss.“ Deshalb gebe es an Heiligabend auch keine Würstchen mit Kartoffelsalat, betont Tochter Sally (18), die am Champignon-Stand arbeitet. „Dafür gibt es bei der Arbeit zu oft Bratwurst und Pommes“, sagt sie. Vor allem aber genießt die Familie die zwei Tage ganz für sich. „Mal ausschlafen zu können, nichts auf- und abbauen zu müssen, keinen Nachschub holen zu müssen“, sagt Sally Heine. „Das sind so Luxusmomente. Aber zwei Tage sind leider auch schnell genug wieder vorbei.“ Und dann geht zumindest für die letzten Tage des Jahres die Arbeit noch einmal weiter, denn bis zum 30. Dezember ist der Markt noch geöffnet. „Aber danach kommen ja auch Januar und Februar“, sagt Peggy Heine. „Dann sind keine Märkte und diese Zeit können wir dann intensiv mit der Familie nutzen.“

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