Einkaufsstadt Ostfrieslands So haben Verband und Händler in Leer das Weihnachtsgeschäft erlebt
In der Pandemie hat der Onlinehandel einen Boom erlebt. Doch, das Blatt scheint sich derzeit wieder zu wenden. Dafür gibt es Gründe.
Leer - Zu Beginn der Coronapandemie hat der Onlinehandel einen ordentlichen Schub erfahren. Geschäfte waren geschlossen, Kontaktverbote wurden verhängt. All das führte dazu, dass sich die Menschen dem Shoppen über Online-Plattformen zuwandten. Und gerade jetzt zu Weihnachten nimmt der Umsatz im Einzelhandel noch einmal zu. Geschenke müssen organisiert werden.
Was und warum
Darum geht es: Das Weihnachtsgeschäft steuert auf sein Ende zu. Zeit, sich umzuhören, wie es in diesem Jahr so lief.
Vor allem interessant für: alle, die sich für den Einzelhandel interessieren
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie das Weihnachtsgeschäft lief und, ob das Konzept stationärer Einzelhandel eine Zukunft hat. Den Autor erreichen Sie unter: m.kierstein@zgo.de
Nun erleben wir wieder eine Vorweihnachtszeit, die quasi normal abläuft. Die Geschäfte sind geöffnet und die Weihnachtsmärkte in den Städten aufgebaut. Doch, hat der stationäre Einzelhandel überhaupt noch eine Chance gegen den erstarkten Onlinehandel?
Weihnachtsmärkte ziehen
„Ich glaube fest daran, dass der stationäre Einzelhandel eine Chance hat“, betont Johann Doden, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ostfriesland. Gerade dort, wo sich Einzelhandel, Gastronomie und Kultur ergänzen, würden die Innenstädte leben. „Auch der einzelne Einzelhändler muss für die Attraktivität seines Geschäfts sorgen“, sagt er. Dabei meine er gar nicht so sehr eine ansprechende Dekoration. „Es geht um begleitende Aktionen“, so Doden. Das sehe man besonders in der Vorweihnachtszeit.
„Da, wo es Weihnachtsaktionen gab, sei es in der Stadt oder auf dem Land, haben wir nur positive Rückmeldungen“, sagt Doden. Und in diesem Jahr habe man überaus attraktive Weihnachtsmärkte auf die Beine gestellt. „Die Leute haben Lust auf Weihnachtsmarkt“, so Doden. Das bemerkt man auch in Leer.
Positiv gestimmt
„Das Weihnachtsgeschäft läuft gut“, freut sich Andreas Fricke, Vorsitzender der Leeraner Werbegemeinschaft. Der Weihnachtsmarkt sei auch gut besucht. „Das ist eine Win-Win-Situation. Die Innenstadt ist sehr schön und belebt“, sagt er. Man sei auch mit Blick auf das kommende Jahr positiv gestimmt.
„Leer erlebt einen positiven Wandel und der stationäre Einzelhandel hat eine Zukunft“, betont auch Fricke. Es gebe die verödenden Innenstädte, aber Leer gehöre nicht dazu. „Wir müssen ein Einkaufserlebnis bieten“, schlägt Fricke in die gleiche Kerbe wie Doden. Viele Einzelhändler in der Stadt würden sich auch als „Freizeitgestalter“ verstehen. „Die Besucher sollen bei uns in der Stadt eine tolle Zeit verbringen und wir stellen fest, dass das Weihnachtsgeschäft stabil läuft“, sagt Fricke.
Studie bestätigt
Eine diese Woche veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bestätigt den Eindruck. „Die Analyse der Umsätze im Einzelhandel ohne Umsatzsteuer sowie die Bedeutung des Onlinehandels im Einzelhandel offenbart, dass der Onlinehandel 2022 zum ersten Mal einen Rückgang sowohl im Umsatz als auch bei der Bedeutung für den Einzelhandel wird hinnehmen müssen“, prognostiziert die Studie.
Die Umsätze von 2021 zu 2022 im gesamten Einzelhandel seien demnach um rund 50 Milliarden Euro gestiegen. Der Onlinehandel habe daran jedoch keinen Anteil, da er sogar Umsatz verloren habe. Eine Hochrechnung innerhalb der Studie geht davon aus, dass im Weihnachtsgeschäft 2022 rund 134,1 Milliarden Euro umgesetzt werden. Auf den Onlinehandel dürften geschätzt rund 23,5 Milliarden Euro entfallen. Dies entspricht einem Anteil von circa 17,5 Prozent. Im vergangenen Jahr lag der Anteil noch bei rund 18,2 Prozent. „Folglich wird zu Weihnachten online zwar leicht mehr Umsatz generiert als im Rest des Jahres, dennoch geht die Bedeutung für den gesamten Einzelhandel zurück“, schließt die Studie.
Zukunftsorientiert
Doch Umfragen zeigen, dass die Menschen wegen der Herausforderungen durch Energiekriese, Krieg und Inflation weniger Geld für Geschenke ausgeben wollen. Das Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK befragte Mitte November 1000 Menschen in Deutschland zu ihren Geschenke-Ausgaben. Demnach will ein Drittel aufgrund knapperer Budgets weniger für Geschenke ausgeben als im vergangenen Jahr. Immerhin plant die Hälfte der Befragten Ausgaben in Vorjahreshöhe. Im Schnitt liegt das Budget für Geschenke in diesem Jahr bei 299 Euro pro Person – im vergangenen Jahr hatte es noch bei 325 Euro gelegen.
Was die Umfragen jedoch nicht abgefragt hatten, war: Wo geben die Leute das Geld aus? Online oder in der Innenstadt. Dass der Einzelhandel auf dem aufsteigenden Ast seien könnte, sieht man auch bei der Meag. Zu dieser Gruppe gehört der Leeraner Ems-Park. „Ungeachtet von Lieferdiensten und Versandangeboten bleibt der stationäre Einzelhandel ein Hauptabsatzträger. Das Einkaufserlebnis mit seinen sinnlichen und haptischen Eindrücken ist wichtiger Bestandteil der Lebensgestaltung“, sagt Dr. Josef Wild, Sprecher der Meag. Deshalb plane man auch im kommenden Jahr viele Attraktionen und verkaufsoffene Sonntage im Ems-Park. Also wieder genau diese Angebote, die Johann Doden vom Einzelhandelsverband als essentiell für einen lebenden Einzelhandel definiert hat.