Weihnachten vor dem Fernseher Emder zwischen Action und Herzenswärme
Weihnachtszeit ist Filmezeit, auch in Emden. Fast jeder schaut um die Weihnachtszeit herum seine Lieblingsfilme. Meist kann man von einer regelrechten Tradition sprechen, die bis in die Kindheit geht.
Emden - Weihnachten ist eine einmalige Zeit im Jahr: der Geruch von gebrannten Mandeln, Lebkuchen, Zimt und Glühwein in der eigenen Stadt, die Zeit mit der Familie und den Liebsten – und natürlich die Bescherung an Heiligabend. In der Weihnachtszeit kann man richtig herunterkommen und für eine kurze Zeit die Sorgen des Alltags vergessen. Es ist auch die Zeit, in der Fernsehsender und Streaming-Plattformen wie Netflix und Co. ihre Weihnachtsfilme ausstrahlen. Das Angebot ist inzwischen so groß, dass so manch einer vielleicht den Überblick verliert.
Was und warum
Darum geht es: Lieblingsweihnachtsfilme von bekannteren Emdern
Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder und jeden, der gerne einen kleinen Einblick in die Weihnachtszeit anderer Leute haben will
Deshalb berichten wir: Die Redaktion hat sich gefragt, welche Filme die Emder gerne an Weihnachten gucken. Den Autor erreichen Sie unter: l.loeschen@zgo.de
Hört man sich in der Emder Innenstadt um, welcher Film unbedingt sehenswert ist, bekommt man oft „Der kleine Lord“, „Kevin – Allein zu Haus“ oder „Der Grinch“ als Antwort. Aber wie sieht es bei Emder Geschäftsführern, Gastronomen und Pastoren aus? Diese Zeitung hat nachgefragt, welche Weihnachtsfilme sie zum Beispiel gerne mit ihren Liebsten, einer heißen Tasse Kakao und in eine Decke eingewickelt auf dem Sofa anschauen.
Märchenhaft und auch typisch italienisch
Nora Dreyer ist eine wahre Filmkennerin. Sie ist die Geschäftsführerin und Festivalleiterin des Internationalen Filmfests Emden-Norderney. Ihr „geht immer wieder das Herz auf“, wenn sie den Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ sehen kann. Das Märchen aus dem Jahr 1973 präsentiere eine modernere und emanzipiertere Version vom Aschenputtel, so Dreyer. Es habe einen großen Einfluss in ihrer Jugend gehabt. Seitdem zählt „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ für sie zum „absolutem Pflichtprogramm zur Weihnachtszeit“. Schön findet Dreyer zudem die Musik und die Landschaft im Film. Er wurde unter anderem in der Nähe der Moritzburg in Dresden gedreht. Die Gegend ist es laut Dreyer wert, dort spazieren zu gehen oder ganz märchenhaft mit einer Kutsche zu fahren.
Auf die Frage, welchen Film der Emder Gastronom Santino la Tona gerne an Weihnachten guckt, antwortet der Italiener kurz und knapp: „Vacanze Romane aus dem Jahr 1953“ (deutsche Fassung: Ein Herz und eine Krone). La Tona beschreibt den Film als typisch italienische Romanze, die auch einen sehr guten Humor habe. Der Gastronom hat eine DVD immer griffbereit in einem seiner Restaurants. Doch warum? „Vacanze Romane“ heißt auf Deutsch so viel wie „Urlaub in Rom“. La Tona, der sich selbst als Romantiker outet, sagt: „Emden ist meine Vacanza, Emden ist für mich wie Urlaub, Emden ist meine ‚Amore‘“ (Italienisch für Liebe). Doch er muss auch zugeben, dass „Vacanza Romane“ kein wirklicher Weihnachtsfilm ist, auch wenn er ihn gerne zu Weihnachten guckt. Will der Italiener es richtig weihnachtlich, guckt er während der Feiertage bei einem Glas Wein mit seiner Frau „Natale in India“ (2003) oder „I pompieri“ (1985). Die Weihnachtszeit ist ihm sehr wichtig, denn: „Es ist die einzige Zeit, die ich mit meiner ganzen Familie genießen kann.“
Herzenswärme und actionreicher Abschluss
Für Etta Züchner darf ein Film zur Weihnachtszeit nicht fehlen. Die Pastorin der Neuen Kirche ist ein Fan von „Der kleine Lord“. Jahr für Jahr schaut sie den Klassiker aus dem Jahr 1980 mit ihrer Familie bei sich zu Hause. „Vorher gibt es Pommes von ‚Fenna‘“, sagt sie. Fenna Haase betreibt den „Herrentorgrill“. Wer den Film noch nicht kennt, der sollte dies nachholen. Denn: Für Züchner ist es die Herzenswärme und die wichtige Rolle von Unvoreingenommenheit und Freundlichkeit gegenüber den Mitmenschen, die ihn zu einer schönen Weihnachtsgeschichte machen.
Dem Theaterleiter vom Cinestar Emden, Andreas Huismann, sagt „Der kleine Lord“ ebenfalls zu. Der Film erinnert ihn an seine Kindheit, da er damals schon mit der Familie geguckt wurde. Doch Huismanns Auswahl an Weihnachtsfilmen ist „breitgefächert“, wie er selbst sagt: Auch „Kevin – Allein zu Haus“ gehört für ihn zu einem weihnachtlichen Familienabend. Die Komödie von 1990 ist immer für einen Lacher gut und hat bei Huismann an Weihnachten Tradition. Genauso wie der Actionfilm „Stirb langsam“ (1988), mit dem der Abend auf der Couch für ihn zu einem krönenden Abschluss kommt.
Das Ergebnis einer Statistia-Umfrage deckt sich fast mit dem Filmgeschmack der Emderinnen und Emder. Jeweils zwölf Prozent der Befragten gaben „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Kevin – Allein zu Haus“ als Favoriten an. Damit sind die Klassiker auf dem ersten Platz. Knapp dahinter mit zehn Prozent befindet sich „Der kleine Lord“. Der Kult-Anti-Weihnachtsfilm „Stirb langsam“ ist nicht in der Rangliste vertreten, dafür aber der Historienfilm „Sissi“ sowie die US-amerikanischen Streifen „Das Wunder von Manhattan“, „Tatsächlich . . .. Liebe“ oder „Ist das Leben nicht schön“ (zwei bis fünf Prozent).