Hamburg  Programm getestet: „ChatGPT, erzähl mir die Weihnachtsgeschichte!“

Eva Dorothée Rasch
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Von Eva Dorothée Rasch
| 19.12.2022 13:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Mensch spricht mit künstlicher Intelligenz. Was kommt dabei heraus? Foto: Colourbox.de
Mensch spricht mit künstlicher Intelligenz. Was kommt dabei heraus? Foto: Colourbox.de
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Die neue künstliche Intelligenz ChatGPT sorgt gerade für einen Hype im Internet. Sie kann Texte schreiben, Verse dichten und Programmiercode generieren. Unsere Autorin hat ihr ein paar Aufgaben rund um Weihnachten gestellt.

Ende Oktober wurde der neue Chatbot der Technologie-Firma OpenAI zur freien Verwendung im Internet freigeschaltet und schon gibt es einen regelrechten Hype um die künstliche Intelligenz (KI). Für den ehemaligen Facebook-Manager Dan Grover fühlt sich ChatGPT an „wie das erste iPhone oder die Mondlandung“, wie er auf Twitter schrieb. Andere nennen es die „unglaublichste Technologie, die im letzten Jahrzehnt erschienen ist“. 

Bereits fünf Tage nach Veröffentlichung hatte ChatGPT mehr als eine Million Nutzer. Zum Vergleich: Instagram brauchte dafür 67 Tage.

Aber was ist ChatGPT genau? Kurz gesagt: Es handelt sich um einen sogenannten Chatbot, der auf Anfragen reagiert. Das macht er so gut, dass man meinen könnte, ein reales menschliches Gegenüber zu haben.

GPT steht für den englischen Begriff „Generative Pretrained Transformer“. Übersetzt heißt das „Generativer vorgefertigter Transformator“ und meint, dass eine künstliche Intelligenz befähigt wird, Sprache zu verstehen, zu verarbeiten und sinnvoll zu interpretieren. Anschließend erzeugt sie dann selbst wieder Sprache in einem sinnvollen Verhältnis zu dem, was sie verstanden hat.

Laut OpenAI haben bei der Entwicklung „menschliche KI-Trainer“ Dialoge gespielt und in das System eingespeist. ChatGPT könne Nachfragen beantworten, Fehler zugeben, auf falsche Prämissen hinweisen und „unangemessene Fragen“ ablehnen.

OpenAI stellt das Programm bisher kostenlos zur Verfügung. Man muss sich aber mit seiner E-Mail-Adresse registrieren und auch seine Telefonnummer angeben.

Nach der Anmeldung hat man eine schlicht gehaltene Seite vor sich, auf der man in ein Feld eine Frage oder Aufgabe eingeben kann.

„Erzähl mir die Weihnachtsgeschichte“, tippe ich. Dann klicke ich auf einen Pfeil und Buchstabe für Buchstabe erscheint die Antwort. Das Programm gibt die Weihnachtsgeschichte korrekt wieder, inklusive der Angabe, wo in der Bibel diese zu finden ist. Auch Weihnachtsbräuche finden Erwähnung.

Ich bin beeindruckt. Aber vielleicht war das zu einfach. „Ich brauche ein Weihnachtsgedicht“, so meine nächste Anforderung.

Das Ergebnis:

Es ist Weihnachten, die Zeit des Friedens und der Liebe, die Zeit, um dankbar zu sein für alles, was wir haben.

Es ist die Zeit, um Zeit mit der Familie und Freunden zu verbringen, um das Leben zu feiern und die Geschenke zu teilen, die wir mit anderen geteilt haben.

Lass uns das Licht der Weihnacht in unsere Herzen tragen und es in dieser besonderen Zeit teilen.

Frohe Weihnachten!

Okay, große Dichtkunst ist das nicht gerade, aber inhaltlich passend und dafür, dass es von einer Maschine erdichtet wurde, durchaus beeindruckend. Auch wenn die Formulierung „die Geschenke zu teilen, die wir mit anderen geteilt haben“ ein bisschen seltsam anmutet.

Die nächsten Aufgaben, die ich ChatGPT stelle, ist ein Text für eine Weihnachtskarte an einen gläubigen Menschen und einen an einen Weihnachts-Grinch. Beide Texte könnte man durchaus für die Weihnachtskorrespondenz benutzen. Und inhaltlich geht die KI sowohl auf den gläubigen Menschen als auch auf den Weihnachtsmuffel ein.

Als nächstes tippe ich „Ein Weihnachtslied?“ ein und bekomme als Antwort: „Hier ist ein klassisches Weihnachtslied, das viele Menschen gerne singen“ gefolgt von dem Text von „Stille Nacht“. In der Tat ist das wohl das bekannteste Weihnachtslied im deutschsprachigen Raum. Die KI kennt sich offensichtlich aus mit kulturellen Gepflogenheiten.

Wenn man mal kurz den Text eines Liedes benötigt, könnte sie eine Alternative zu Google sein, überlege ich und probiere es aus. Zuerst frage ich ChatGPT nach dem Text von „Lasst und froh und munter sein“ und dann nach dem von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“. Die KI antwortet, dass es sich dabei um bekannte deutsche Weihnachtslieder handelt, die vor allem von Kindern gesungen werden. Was sie dann aber als Text ausspuckt, ist frei erfunden und hat mit dem richtigen Liedtext nicht das Geringste zu tun:

1:0 für Google. Woran scheitert die künstliche Intelligenz noch? Vielleicht an einem Witz?

„Erzähle mir einen Weihnachtswitz!“ fordere ich den Chatbot auf.

Nun ja. Andererseits sind die Witze, die meine Kinder im Grundschulalter erzählen, auch nicht immer lustig. Die Struktur eines Witzes hat die KI jedenfalls gut imitiert.

Eine letzte Aufgabe habe ich für ChatGPT: „Und jetzt hätte ich gerne noch ein Gedicht, das die Kinder dem Weihnachtsmann aufsagen können.“

Das Ergebnis:

Oh Weihnachtsmann, oh Weihnachtsmann, wir freuen uns, dass du da bist. Bitte bring uns Geschenke, denn wir haben brav gelebt.

Wir hoffen, dass du viel Platz hast in deinem roten Sack, denn wir haben uns viele Wünsche gemacht. Danke, dass du uns jedes Jahr aufs Neue beschenkst.

Wir wünschen dir ein frohes Fest, du lieber, roter Weihnachtsmann.

Zufrieden bin ich damit noch nicht. Ein Gedicht, zumal eines für Kinder, soll sich reimen. Ich moniere, dass das nicht der Fall ist und erhalte als Antwort: „Hier ist ein anderes Weihnachtsgedicht, das sich reimt und das Kinder dem Weihnachtsmann vortragen können“. Nur was dann folgt, reimt sich leider auch nicht. Als ich das gegenüber der KI anmerke, entschuldigt sie sich und schlägt ein drittes Gedicht vor. Das reimt sich allerdings auch kein bisschen. Ich tippe: „Es reimt sich immer noch nicht“. Daraufhin stürzt die Software ab.

Es ist schon sehr beeindruckend, mit welcher Qualität ChatGPT Texte erstellen kann und seine Interaktion mit mir erscheint ziemlich menschlich. Nur darauf, dass die Texte, die das Programm so überzeugend anbietet, auch wahr sind, kann man sich mitnichten verlassen.

Und auch bis eine KI mit den kreativen Tiefen und Untiefen des menschlichen Geistes wirklich mithalten kann, wird es wohl noch ein bisschen dauern – aber vielleicht nicht mehr so lange, wie wir gerne glauben wollen.

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