Berlin Sechs Fakten zu „Der kleine Lord“: Hauptdarsteller liebt Waffen – und Trump
Seit 1982 zeigt die ARD kurz vor Weihnachten den Klassiker „Der kleine Lord“. Kuriose Fakten zum Film lesen Sie hier.
Cedric Errol ist ein Kind mit New Yorker Schnauze und dem Herzen am rechten Fleck. Und er ist der Erbe des englischen Earls von Dorincourt, einem kaltherzigen Blaublütler voller Standesdünkel. Wie der kleine Junge nach und nach das Herz des grimmigen Großvaters erweicht und am Ende zusammen mit der Dienerschaft ein „frohes, gesegnetes Fest“ feiert, zeigt die ARD seit mehr als dreißig Jahren in „Der kleine Lord“ immer kurz vor Weihnachten. Neben „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gehört der Film damit zu den deutschen Weihnachtsklassikern.
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Was ist der kecke, blonde Cedric doch süß. Darsteller Ricky Schroder war beim Dreh 1980 zehn Jahre alt und eine Ausbund an der Niedlichkeit. Mit 19 Jahren hatte Schroder dann genug von dem Image: Er ließ sich nur noch Rick nennen – machte diese Entscheidung im Jahr 2007 aber rückgängig. Heute spielt der US-amerikanische Schauspieler in eher wenig beachteten B-Produktionen und in einigen Staffeln der Serie „NYPD Blue“ mit und ist Mitglied der „ National Rifle Association“, der größten US-Interessengemeinschaft der Waffen-Lobby.
Zudem sorgte er 2020 für negative Schlagzeilen, weil er einen rechtsextremem Anhänger von US-Präsident Donald Trump finanziell unterstützt hat, der in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin am Rande von "Black-Lives-Matter"-Protesten zwei Demonstranten erschossen und einen weiteren Mann schwer verletzt haben soll.
Der hartherzige Großvater wird dargestellt von Oscar-Preisträger Alec Guinness, der dank George Lucas drei Jahre zuvor ein Riesencomeback feierte: In „Krieg der Sterne“, dem 1977 gedrehten ersten Star-Wars-Film, spielte der Engländer den Jedi Obi-Wan Kenobi, der Luke Skywalker in die Gesetze der Macht einweiht. Guinness war später zwar nicht angetan vom Kultstatus, den er dank der Rolle als Jedi erhielt, spielte aber auch in zwei weiteren Star-Wars-Filmen mit.
Die grundgütige Mutter des kleinen Lord wird dargestellt von Connie Booth. Die Schauspielerin konnte jedoch auch anders: Als Gattin von Monty-Python-Mitglied John Cleese spielte sie in diversen Filmen und Sketchen der Komiker und in der Serie „Fawlty Towers“ mit. Nach der Scheidung von Cleese blieben die beiden gute Freunde. Booth beendete Mitte der 1990er ihre Schauspielkarriere und arbeitete als Psychotherapeutin.
Beim Dreh 1980 war der Darsteller des Reitknechts Wilkins noch weitgehend unbekannt, doch im Jahr 1987 sollte sich das radikal ändern: Als Captain Jean-Luc Picard ging der Schauspieler Patrick Stewart in „Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert“ in die TV-Geschichte ein. Später führte er dann noch als Professors Charles Francis Xavier die „X-Men“ an. In „Der kleine Lord“ bringt er jedoch erst einmal Cedric das Reiten bei.
Autorin Frances Hodgson Burnett schrieb „Little Lord Fauntleroy“ 1886. Doch sie ist noch durch zwei weitere, mehrmals verfilmte Kinderbücher bekannt: Auch „Sara, die kleine Prinzessin“ und „Der geheime Garten“ stammen aus der Feder der Engländerin, die in den USA und auf Bermuda lebte. Was all diese Bücher eint, ist die Abneigung gegen jegliche Art von viktorianischem Standesdenken.
Wie es sich für einen Kinderbuchklassiker gehört, wurde „Der kleine Lord“ mehrere Male verfilmt. Sogar Mario Adorf spielte Mitte der 1990-er Jahre in einer deutsch-italienischen Koproduktion den Opa. Besonders absurd ist ein Film mit Christiane Hörbiger und Veronica Ferres aus dem Jahr 2012: In „Die kleine Lady“ ist es ein Mädchen, das das Herz ihrer österreichischen Adels-Oma erweicht. An den Klassikerstatus des Films von 1980 kommt jedoch keine der Versionen heran.
Ebenfalls im TV läuft rund um Weihnachten natürlich auch die tschechisch/ostdeutsche Koproduktion „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“.